Zwischen den niederländischen Metropolen Den Haag und Amsterdam liegt die malerische Universitätsstadt Delft mit mehr als 106.000 Einwohnern. Diese Stadt in der Provinz Südholland, in der seit dem 17. Jahrhundert das Delfter Blau, die weltberühmte Keramik hergestellt wird und in der Wilhelm von Oranien 1572 seine Residenz verlegte, bis er 1584 dort ermordet wurde, besitzt eine historische Altstadt. Diese zeugt dank ihrer prächtigen Gebäude von der Vergangenheit Delfts als florierende Handelsstadt im Goldenen Zeitalter. Eines dieser Gebäude ist das Haus „Het Wapen van Savoyen“ an der Oude Delft 169. Die Oude Delft galt einst als das beste Viertel der Stadt, in der die Schönen und Reichen wohnten. Auch der reichste Mann von Delft, Jan Peris Buzijn erwarb dort am 28. November 1564 von den Testamentsvollstreckern des Meisters Servaas Pieterszoon Fabri van Schiedam ein Grundstück mit einigen Gebäuden. Jan Peris Buzijn hatte sich als Inhaber von Kreditbanken in Delft und Rotterdam ein Vermögen angehäuft. Er wurde als sogenannter Lombarde bezeichnet, eine Person, die Geld gegen Zinsen und Pfand verlieh. Darüber hinaus hatte Buzijn reich geheiratet. Seine Ehefrau war die stinkreiche Dame Elisabeth van Dinter. Kein Wunder, dass Buzijn durch sein enormes Vermögen auch den höchsten Steuerbeschluss der Stadt hatte. Am 2. März 1565 erhielt Buzijn von dem Bürgermeister die Genehmigung ein neues Gebäude zu errichten, das eines der prachtvollsten Häuser in Delft mit einem Sockel aus Blaustein werden sollte. Anno 1565 entstand das imposante Renaissancehaus mit 10 Kaminen, das den Namen „Het Wapen van Savoyen“ erhielt. Der Name leitete sich wohl davon, dass Buzijn vermutlich aus dem Gebiet Savoyen in den Französischen Alpen stammte. In unschöne Schlagzeilen geriet das Haus 1589, da die Magd Geertje Jansdatter aus Schiedam in der Regentonne ertrunken war. Nachdem Tod von Buzijn verpachteten seine Erben das Haus für mehrere Jahre an zwei englische Textilhändler. Anno 1601 wurde das Haus an Dirck Brasser, den Schatzmeister der Stadt Delft, verkauft. Nach 31 Jahren erwarb dieses der Anwalt Nicolaas Boogaert. Über 120 Jahre lang besaßen diese das Prunkhaus, bis die Erben das Haus 1752 an Nicolaas Christiaan van Kretschmer, den Herrn von Noordscharwonde für 7.100 Gulden veräußerten. Im Jahr 1789 ging das Haus für 3.975 Gulden an Gerrit Burgerhout. Dieser deutlich niedrigere Preis entstand dadurch, dass 1787 die Oranje-Anhänger aus Den Haag Jagd auf die Patrioten in Delft machten. Auch das Haus „Het Wapen van Savoyen“ wurde geplündert. Die Witwe Burgerhouts verkaufte das Haus 1798 an die Stadt Delft für 6.150 Gulden. Es wurde zunächst als Artillerie-Kaserne benutzt. Im Zeitraum von 1816 bis 1856 diente es als Werkstatt zur Waffenherstellung. Im Jahr 1856 wurde ein Teil des Hauses als Büro für die Bürgerliche Armenverwaltung genutzt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beherbergte es eine Theologie- und Lateinschule. Anno 1956 wurde das Gebäude umfangreich restauriert, das von 1957 bis 2017 das Gemeindearchiv beheimatete. Nachdem die Gemeinde das Haus 2016 verkaufte, wird es heute wieder als Wohnhaus genutzt. Auch ich kam bei meinem Besuch von Delft an diesem Prunkhaus vorbei, mit dessen Fotos und der Oude Delft ich Dir viel Freude wünsche. 🙂