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Das Niederrheinische Freilichtmuseum: eine Zeitreise in die Vergangenheit

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Eine Zeitreise in die Vergangenheit erlebte ich im Niederrheinischen Freilichtmuseum des Kreises Viersen im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auf einer 4 Hektar großen Fläche rund um das Schloss Dorenburg in Grefrath, dem Herzstück des Open-Air-Museums, konnte ich entlang eines idyllischen Rundweges zwischen Nutzgärten und Streuobstwiesen historische Hofanlagen und Werkstätten des mittleren Niederrheins entdecken. Eine davon war die Kornbrennerei Vallen Erben aus Straelen, die dort 1692 gegründet wurde. In einer Scheune befinden sich die Maschinen- und Geräte der ehemaligen Brennerei aus dem 20. Jahrhundert, da früher Schnaps oft in Scheunen offiziell oder inoffiziell gebrannt wurde. Die Kornbrennereien hatten in Gegenden mit armen Boden eine landwirtschaftsfördernde Funktion, weil beim Brennen eine große Menge an hochwertigem Viehfutter entstand. Dieses ermöglichte den Bauern Tiere zu halten, was eine weitere Einnahmequelle darstellte. Bereits um 1000 n. Chr. wurde hochprozentiger Schnaps im Orient hergestellt, der jedoch für die Produktion für Medizin, Kosmetika und Parfüm verwendet wurde. Spirituosen galten zur damaligen Zeit als wundersames Allheilmittel. Anno 1167 schaffte der Magister Salernus die erste dokumentierte Weindestillation an der ältesten abendländischen Hochschule in Salerno. Dies war die Geburtsstunde der Spirituosen. Salernus gilt als der Entdecker der Alkoholdestillation. Er hatte reinen Alkohol als entzündbaren Weingeist, aqua ardens, von den nicht brennbaren Bestandteilen des Weines separiert. Knapp 100 Jahre danach wurde das Destillationsverfahren noch effizienter. Der Regensburger Bischof Albertus Magnus erfand die Brennblase, in der sich nach der Erhitzung des Weines die alkoholischen Dämpfe sammelten. Zu jener Zeit galt Branntwein ausschließlich als Brennmittel, erst im 15. Jahrhundert setzte sich dieses als Genussmittel durch. Im Laufe der Zeit wurde das Destillationsverfahren revolutioniert. Im Jahre 1507 wurde der Kornbranntwein erstmals schriftlich in Nordhausen erwähnt. Anno 1810 wurde das Brennen allgemein freigegeben, das vorher nur Rittern und Braukrügen gestattet war. Im ersten Brennvorgang wurde das Korn gemalzt. Das bedeutet, dass das Korn künstlich zum Keimen gebracht wurde. Anschließend wurde dieses getrocknet, damit aus der Stärke im Korn garfähiger Zucker wird. Das getrocknete Malz wurde mit Wasser und danach mit Hefe versetzt. Dadurch wurde der Gärvorgang ausgelöst. Abschließend wurde der gegorene Sud destilliert. In der alten Scheune wurde mir das Kornbrennen dank der Apparaturen, die den technischen Stand von 1910 repräsentieren, veranschaulicht. Auf diese Weise wird ein Stück Kulturgeschichte für jedermann hautnah erlebbar. Die Kornbrennerei stellte nur eine der vielen Stationen des Niederrheinischen Freilichtmuseums dar, die Einblicke in das Leben von früher gewähren und mit deren Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂

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