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Der Axtmord

Isabella Mueller @isabella_muenchen Freiburg

Isabella Mueller @isabella_muenchen Freiburg

Ein aufsehenerregender Kriminalfall im Nachkriegsdeutschland war der Mord an einem Mann, der von seiner eigenen Ehefrau brutal mit einer Axt getötet worden war. Bei der Mörderin handelte es sich um die attraktive vorbestrafte Ruth Blaue, die als älteste von drei Kindern am 2. April 1914 in Breslau das Licht der Welt erblickt hatte. Wenige Monate nach Ruths Geburt zog die Familie nach Halberstadt, wo ihr Vater als Fleischvertreter eine Stelle angetreten hatte. Ruth ging nach dem Besuch der Volksschule, auf das Lyzeum, einer höheren Schule für Mädchen. Anno 1929 hatte sie die Mittlere Reife in der Tasche, die sie in Hamburg-Lokstedt erfolgreich absolviert hatte, wo ihre Familie seit 1925 wohnte. Nachdem Besuch der Hauswirtschaftsschule, ging Ruth von April bis September 1930 auf eine Handelsschule. Ruth war eine ehrgeizige junge Frau, die mittlerweile in der Klinik Friedrichsberg angestellt war, wo sie Labor- und Schreibarbeiten erledigte, weshalb Ruth eine Lehre als Laborantin an der Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf begann. Doch schon bald verlor Ruth die Stelle, da sie Briefe ihres Vorgesetzten unterschlagen hatte. Dies verschwieg sie jedoch vor ihrem Lebenspartner, dem Assistenzarzt Wolfgang Trautmann, den Ruth am 23. August 1933 ehelichte. Doch als dieser von der Urkundenfälschung erfuhr, ließ er die Ehe annullieren. Ruth entging dem Zuchthaus, da ein Arzt ihr wegen „periodisch auftretender Gemütskrankheit“, die Ruth angeblich zum Tatzeitpunkt hatte, Unzurechnungsfähigkeit bescheinigte. Ruth, die knapp bei Kasse war, pflegte weiterhin ein sexuelles Verhältnis zu Wolfgang, der sie finanziell unterstützte. Doch nachdem sie im Dezember 1933 eine Fehlgeburt erlitten hatte, begann sie nicht nur als Prostituierte zu arbeiten, sondern auch als Kontoristin einer Firma. Dort fingierte sie Aufträge, um so die Provisionszuschüsse abzukassieren. Ruth wurde wegen Betrugs, schwerer Urkundenfälschung und Unterschlagung vom Hamburger Schöffengericht zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Für 9 Monate wanderte Ruth in den Knast. Nach Verbüßen ihrer Strafe zog Ruth in eine bescheidene Wohnung, die ihr ihre Eltern vermittelt hatten. Ruth arbeitete seit dem Frühjahr 1936 als Stenotypistin und Kontoristin in einem Maklerbüro. Kurze Zeit später schien sich ihr Blatt endlich zum Guten gewendet zu haben. Sie lernte den gutaussehenden Handelsschifffahrtsoffizier John Blaue kennen und lieben, der gerade dabei war ein Fuhrunternehmen in Hamburg aufzubauen. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges ging Ruth mit John im Mai 1940 den Bund fürs Leben ein. John wurde in Gotenhafen stationiert, weshalb das Paar nach Danzig umsiedelte, wo Ruth als Bibliothekarin der Deutschen Werke arbeitete. Als John nach Norwegen versetzt wurde, begann er eine Affäre mit einer Marinehelferin. Aus dieser Verbindung ging eine gemeinsame Tochter hervor, die jedoch bereits im Alter von 3 Jahren an Diphtherie starb. Ruth selbst wurde 1943 zum Wehrdienst eingezogen, die in Hagenow ausgebildet wurde und bis Ende 1944 als Scheinwerferführerin bei Bremen eingesetzt worden war. Nachdem Ruth wegen diversen Nervenzusammenbrüchen aus dem Wehrdienst entlassen wurde, begann Ruth ein neues Leben. John war in englische Kriegsgefangenschaft geraten, der in Kiel für die britische Besatzungsmacht arbeiten musste. Ruth wusste nicht, wann und ob er je wieder zurückkehren würde. Sie ließ sich in Elmshorn nieder, wo sie in einer Dachgeschosswohnung lebte und ihren Lebensunterhalt mit dem Café „Blaue Stube“ verdiente. Dieses Café beherbergte eine Bibliothek und eine Kunstgewerbehandlung. Dort lernte sie den 21 Jahre alten Holzbildhauer und ehemaligen Luftwaffenpiloten Horst Buchholz kennen, den sie als Untermieter in ihre Wohnung aufnahm. Horst wurde Ruths Rettungsanker, der zu ihrer großen Liebe wurde. Doch dann stand im April plötzlich ihr Ehemann John vor der Tür. Dieser tolerierte zunächst das Liebesverhältnis von Ruth und Horst, zog aber in die gemeinsame Wohnung mit ein. Eine Scheidung war nach dem damaligen Eherecht nur mit Zustimmung des Ehemannes, wenn überhaupt möglich. Doch John dachte nicht daran, der trotz Ruths Liebesverhältnis auf die Einhaltung der ehelichen Pflichten bestand. Doch dann verschwand im November 1946 John plötzlich. Angeblich wollte dieser in die sowjetische Besatzungszone gehen, um sich dort ein Gewerbe aufzubauen. Diese Geschichten glaubten zunächst die Bekannten von Ruth. Als die Fragen nach Johns Verschwinden immer lauter wurden, meldete diese ihn am 10. März 1948 bei der Kriminalpolizei Elmshorn als vermisst. Bereits im Sommer 1947 hatten Kinder beim Spielen in den Liether Lehmkulen in Klein Nordende einen grausigen Fund gemacht. Sie hatten in einem Sack die stark verweste Leiche eines nackten Mannes gefunden. Aufgrund seines bis zur Unkenntlichkeit zertrümmerten Gesichtes konnte der Mann nicht sofort identifiziert werden. Einziger Anhaltspunkt war ein Goldzahn und eine Narbe von einer Blinddarmoperation. Zwar wurde Ruth später aufgrund ihrer Vermisstenanzeige befragt, aber diese wusste nicht, ob ihr Ehemann einen Goldzahn gehabt hatte. Erst nachdem im November 1953 der Kriminalkommissar Otto Paukstadt aus Itzhoe sich die Akte der unbekannten Leiche aus der Kiesgrube erneut aus der Versenkung hervorholte, nahm der Fall Fahrtwind auf. Denn dieser fand heraus, dass der Draht, mit dem der Sack verschnürt worden war, derselbe war, mit dem Horst seine Kunstwerke an seine Kunden verschnürte. Auch die Mordwaffe stammte aus der Werkstatt von Horst. Nachdem Zeugen zudem bestätigt hatten, dass John einen Goldzahn im Gebiss hatte, wurde Ruth und Horst, die beide mittlerweile im Schwarzwald lebten, zum Verhör geladen. Dort verstrickten sich beide in Widersprüche und gestanden schließlich den Mord. Jedoch schoben sie sich die Schuld gegenseitig in die Schuhe. Beide wurden im August 1954 wegen dem gemeinschaftlich begangenen Mord an John Blaue verhaftet. Doch noch vor Prozessbeginn am 9. November 1955 beging Horst Buchholz in seiner Gefängniszelle Suizid. Ruth schob danach die ganze Schuld Horst in die Schuhe. Sie hatte John lediglich Schlaftabletten ins Essen gemischt. Danach hatte ihn Horst mit der Axt getötet und das Gesicht zertrümmert. Doch Ruths Version, die in den Medien als die „Mörderin mit dem Madonnengesicht“ bezeichnet wurde, da Horst Madonnenfiguren mit Gesichtszügen, die Ruths glichen, fertigte, glaubte das Gericht nicht. Ruth wurde wegen Mordes an ihrem Ehemann zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe mit Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Der Mord war so populär, dass er in der beliebten und quotenstarken Krimiserie“ Stahlnetz“ thematisiert wurde. Ruth selbst wurde am 31. Januar 1969 aus dem Zuchthaus Lauerhof aufgrund ihrer unheilbaren Brustkrebserkrankung durch Erlass des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten entlassen. Bis zu ihrem Tod am 27. Dezember 1972 lebte sie von der Außenwelt abgeschirmt in der Hansestadt Lübeck. Bis heute sorgt dieser Mord für reichlich Lese- und Filmstoff. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der Schwarzwaldmetropole Freiburg, wo Ruth und Hans bis zu ihrer Verhaftung gelebt hatten. 🙂

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