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Die St. Vituskirche in der Festungsstadt Naarden

Die Stadt Naarden in der niederländischen Provinz Nordholland in der Gemeinde Gooise Meren besitzt eine der ältesten Festungen Nordeuropas, deren Silhouette von der imposanten St. Vituskirche, auch Grote Kerk genannt, geprägt wird. Der älteste Teil der mehr als 5 Jahrhunderte alten Kirche, die sich mitten in der Festung Naarden befindet, ist der 73 Meter hohe Turm, der aus dem Jahr 1440 stammt. Dieser Turm, der 5 Glocken beheimatet, dessen älteste und kleinste Glocke Yosé heißt, die 1460 gegossen wurde, diente ursprünglich als Wachturm zum Schutz der Festung Naarden. Die gotische Kreuzbasilika wurde zwischen 1380 bis 1479 erbaut, die nach dem Heiligen Vitus benannt ist und früher eine römisch-katholische Kirche war. Doch dies änderte sich durch die Reformation im 16. Jahrhundert, so dass die Kirche heute evangelisch ist. Sie besitzt typisch für diesen vorherrschenden Baustil von Kirchengebäuden hohe Fenster, Spitzbögen und ein Tonnengewölbe. Während die Seitenschiffe aus Steingewölbe sind, wurde das Mittelschiff mit einem Tonnengewölbe aus Eichenholz bedeckt. Dieses mit biblischen Szenen bemaltes Tonnengewölbe aus dem Jahr 1518 ist einzigartig in den Niederlanden, das auch als „Sixtinische Kapelle des Nordens“ bezeichnet wird. Um 1500 konnten die meisten Menschen nicht lesen und da die katholische Messe zudem in Latein war, waren Abbildungen von großer Bedeutung. Wenn die Menschen nach oben zum 25 Meter hohen Gewölbe schauten, sahen sie auf der Nordseite Tafeln, die die Geschichte der Passion Christi in zehn Szenen erzählen. Im Altarraum ist das Jüngste Gericht dargestellt, der Tag, an dem Gott über alle Menschen richten wird. Dieses bietet rechts einen Blick auf die Hölle und links einen Blick in den Himmel. Ebenfalls bemerkenswert ist die Hauptorgel mit ihren 2.700 Pfeifen, drei Klaviaturen und 44 Registern, die von der renommierten Firma Bätz-Witte hergestellt wurde. Ein weiteres Highlight ist die Holzskulptur „Gooisch Vrouwtje“ des Künstlers Jan Eesrsteszoon van Schayck aus dem Jahr 1515. Diese Holzstatue zierte bis 1862 zusammen mit 14 weiteren aus Holz geschnitzten Tafeln das Gehäuse einer spätmittelalterlichen Orgel, die durch die Hauptorgel ersetzt wurde. Die anderen Holztafeln befinden sich im Reichsmuseum in Amsterdam. Eine weitere Besonderheit ist die spätgotische Kanzel aus dem Jahr 1472, die erst 1965 bis 1975 bei der Restaurierung der Kirche entdeckt wurde, da sie unter der Kanzel aus dem 17. Jahrhundert verborgen war, die sich noch immer im Kirchenschiff befindet. Die St. Vitukirche ist nicht nur ein Ort für Gottesdienstbesuche, sondern auch für Kultur- und Musikliebhaber. Jährlich findet dort die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach sowie andere kulturelle Veranstaltungen statt. Auch ich machte bei meinem Besuch der Festungsstadt Naarden einen Abstecher zu diesem Nationaldenkmal, mit dessen Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂

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