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Martin Lecián: Der tschechische Serienmörder

Isabella Müller Prag @isabella_muenchen

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Martin Lecián, geboren am 31. Oktober 1900 in Ostrožské Předměstí, war ein tschechischer Krimineller und Serienmörder, dessen Leben von Gewalt und Verbrechen geprägt war. Sein Fall erregte nicht nur in Tschechien, sondern auch international großes Aufsehen. Ein Artikel nach dem anderen berichtete über seine Taten, und er wurde posthum zum Symbol für die dunkle Seite der menschlichen Natur. Doch wie kam es zu diesem schrecklichen Ruhm? Lecián wuchs in einer Besserungsanstalt auf, eine Tatsache, die seine spätere kriminelle Laufbahn prägen sollte. Bis zu seinem 18. Lebensjahr blieb ihm der Zugang zur „normalen“ Gesellschaft verwehrt. Nach seiner Entlassung begann er sofort, sich mit kriminellen Aktivitäten zu beschäftigen. Seine ersten Begegnungen mit dem Gesetz erfolgten vor dem Bezirksgericht in Uherské Hradiště, wo er zweimal verurteilt wurde. In dieser Zeit stellte sich bereits heraus, dass er ein Talent für das Verbrechen hatte. Während seines Militärdienstes, beging er fünfmal Fahnenflucht. Nach seinem letzten Deserteur-Streich, der ihn in Kontakt mit der äußerst kriminellen Maria Křenovská brachte, wandte er sich dem Raubgeschäft zu. Lecián und Maria wurden eine Art Bonnie und Clyde, deren Vorliebe dem Diebstahl von Registrierkassen galt, was sich als eine lukrative Quelle für schnelles Geld entpuppte. Am 10. Dezember 1926, während eines Aufenthalts in einem Krankenhaus in Olomouc, machte er Bekanntschaft mit dem kriminellen Szekely. Diese Begegnung markierte den Beginn seiner blutigen Mordserie. Leciáns Aufstieg zur Legende ist untrennbar mit seinen grauenhaften Taten verbunden. Am 19. Januar 1927 vollzog er seinen ersten Mord, als er den Stadtpolizisten Rudolf Hanák erschoss, der ihn bei einem Einbruch gestört hatte. Es folgten weitere Morde, die von einer beispiellosen Brutalität zeugten. Sein zweiter Mord fand statt, als er versuchte, den Besitzer eines Ladens, Poledňák, zu töten, und einen Monat später tötete er den Wachmann František Marčík. Die Schießereien zogen sich über Monate hin und wurden in den Zeitungen ausführlich dokumentiert, häufig mit einer Art Verherrlichung seines Verhaltens. Lecián wurde rasch zu einer Art Legende bestehend aus Mut und Gefährlichkeit, was sein Ansehen in der Bevölkerung noch steigerte. Diese Anerkennung war paradox, denn sie fiel mit seinem weiteren Abstieg in die Gewalttaten zusammen. Am 8. März 1927 erschoss Lecián den Tschetnik-Wächter Antonín Stuchlé, der kurz zuvor geheiratet hatte. Dies löste eine umfassende Fahndung aus. In den folgenden Wochen lieferten sich Lecián und die Polizei wiederholt Feuergefechte, und seine Verhaftungen sowie anschließenden Fluchtversuche aus den Händen der Gendarmerie wurden legendär. Trotz seiner enormen Bekanntheit, die Bürger schrieben Lieder über seine „Heldentaten“, endete seine Flucht am 23. April 1927, als er in Nové Bohumín gefasst wurde. Nach einem viermonatigen Verfahren, das von einer Vielzahl von Beweismitteln und Zeugenaussagen geprägt war, wurde er am 3. September 1927 zum Tode verurteilt. Leciáns Prozess war von öffentlichem Interesse geprägt. Während die Medien über seine Vergehen berichteten, gab es eine gewisse Faszination für seine Resilienz und seinen Mut. Am 25. September 1927 unternahm er einen weiteren Fluchtversuch, bei dem er einen Wächter tötete. Dennoch gelang es den Behörden, ihn erneut zu fassen. Sein Begnadigungsantrag wurde vom tschechoslowakischen Präsidenten abgelehnt, was schließlich zu seiner Hinrichtung am 6. Oktober 1927 führte. Die Hinrichtung fand im Hof des Olmützer Militärgefängnisses statt. Über 27 Jahre hinweg hatte der Henker Leopold Wohlschlager die Exekutionen für das Gebiet der böhmischen Krone durchgeführt. Leciáns Tod markierte das Ende seiner Karriere. Leciáns Tod führte nicht zu einem Ende der Gewalt in der Region. Sechs Jahre später trat František Ondráš auf den Plan, der sich selbst als „Erbe“ von Lecián bezeichnete. Er beobachtete, dass Lecián berühmt geworden war, und behauptete, dass er schlimmer werden würde. Ondráš tötete zwei Gendarmen, wurde jedoch selbst heimtückisch von seinen eigenen Vertrauten ermordet. In den nächsten Jahren kam Jozef Prekop, ein Gefreiter aus Červený Kamenő, ins Rampenlicht, der ebenfalls versuchte, das Vermächtnis von Lecián zu übernehmen. Doch auch sein Vorhaben endete abrupt, als er verletzt und gefangen genommen wurde, während er um medizinische Hilfe flehte. Das Leben und Sterben von Martin Lecián bleibt ein faszinierendes Thema der kriminologischen Forschung und ein Beispiel für die Komplexität des menschlichen Verhaltens. Die Berichterstattung über ihn zeigt, wie die Gesellschaft auf extrem abweichendes Verhalten reagiert. Mit bewunderndem Staunen, aber auch mit erheblichem Schrecken. Sein Name mag seit mehr als einem Jahrhundert in den Geschichtsbüchern stehen, doch der Einfluss seines Lebens auf das kollektive Bewusstsein bleibt bestehen. Ob als Symbol des Bösen oder als tragische Figur, Lecián wird weiterhin untersucht, analysiert und diskutiert werden. In diesem Sinne viel Freude mit meinen Fotos von Tschechiens Hauptstadt Prag. 🙂

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