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Der spannende Mordprozess der französischen Giftmörderin Marie Besnard

Isabella Mueller @isabella_muenchen Straßburg

Isabella Mueller @isabella_muenchen Straßburg

In Frankreichs Kriminalgeschichte verewigte sich Marie Besnard als die Giftmörderin von Loudon, die wegen 12 Menschen, die sie mit Arsen vergiftet haben soll, angeklagt wurde. Der Mordprozess, der fast 10 Jahre dauerte, zählt zu einem der spannendsten in der französischen Justizgeschichte. Marie, die am 15. Februar in Saint-Pierre-de-Maillé als Tochter der Bauern Pierre und Marie-Louise Devailland geboren wurde, wuchs in behüteten Verhältnissen auf. Sie heiratete nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ihren Cousin Auguste Antigny. Mit diesem zog Marie auf das Château de Saint-Martin, um dieses als Hausmeister-Ehepaar zu betreuen. Im Alter von 33 Jahren verstarb Auguste. Als Todesursache gab der Arzt Tuberkulose an. Zwei Jahre nach dessen Tod, ehelichte Marie im Jahr 1929 Léon Besnard, der ein Haus und eine Seilerei in Loudon sein Eigen nannte. Dort lebte das Paar fast zwanzig Jahre lang glücklich, bis Léon am 25. Oktober 1947 nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb. Vor seinem Tod hatte Léon der Posthalterin, Madame Pintou, mitgeteilt, dass er annahm, von seiner Ehefrau vergiftet worden zu sein. Durch die Information wurde der Stein ins Rollen gebracht, der letztendlich Maries Schicksal besiegelte. Denn seitdem ermittelte die Polizei gegen Marie. Noch während der Ermittlungen verstarb am 16. Januar 1949 im Alter von 87 Jahren Maries Mutter Marie-Louise Devailland, die seit 1940 bei Marie und ihrem Ehemann Léon im Haus gelebt hatte. Aufgrund einer Grippeepidemie, die in Loudon grassierte, bescheinigte der Arzt eine natürliche Todesursache. Seit 1947 kamen immer wieder Gerüchte auf, dass Marie ein außereheliches Verhältnis zu dem deutschen Kriegsgefangenen Adi Dietz pflegte, der auf ihrem Hof arbeitete. Dies stellte für die ermittelnden Polizisten das Motiv für den wo möglichen Mord an Léon dar, den Marie aus dem Weg räumen wollte, um für Anton frei zu sein. Deshalb wurde im Mai 1949 der Leichnam von Léon exhumiert und auf Gift getestet. Tatsächlich fand der Toxikologe Béroud 39 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht in Léons Leichnam. Diese Dosis wies auf eine tödliche Arsenvergiftung hin. Da Maries Mutter erst vor Kurzem verstorben war, wurden auch deren sterbliche Überreste exhumiert. Bei ihr wurden 58 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht gefunden. Marie kam daraufhin in Untersuchungshaft. Anschließend wurden alle erst kürzlich verstorbenen Familienmitglieder und Nachbarn von Marie exhumiert. Den Anfang machte der Leichnam von Maries erstem Ehemann Auguste, in dem 60 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht gefunden wurden. Danach wurden die sterblichen Überreste von Maries Großtante Louis Lecomte untersucht. Diese hatte 1938 im Alter von 80 Jahren das Zeitliche gesegnete und zuvor Marie wohlwollend in ihrem Testament bedacht. Ihr Leichnam wies 35 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht auf. Anschließend wurde die Leiche von Maries Nachbarn, dem Konditor Toussaint Rivet untersucht, der 1939 verstorben war. Bei dessen sterblichen Überresten wurden 18 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht entdeckt. Bei dem Leichnam von Maries Vater, Pierre Devailland, wurden 30 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht festgestellt. Einzig die sterblichen Überreste von Léons Großmutter, Madame Gouin, die im September 1940 verstorben war, war so wenig Arsen nachgewiesen worden, dass es für eine Mordanklage nicht ausreichte. Nur zwei Monate nach deren Tod war Maries Schwiegervater Marcellin gestorben, der Léon die stolze Summe von 227.000 Francs vermacht hatte. In dessen Leichnam wurden 38 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht entdeckt. Drei Monate danach starb dessen Ehefrau Marie-Louise, die Léon und Marie eine sechsstellige Summe vererbte. In ihren sterblichen Überresten wurden 60 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht festgestellt. Léons Schwester Loucie war im Mai 1941 erhängt auf dem Dachboden gefunden worden, was seltsam war. Denn Marie war eine gläubige Katholikin, weshalb diese nie Selbstmord begangen hätte, was als Todstünde galt. In deren Leichnam wurden 30 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht entdeckt. Nachdem Léons Cousinen Pauline und Virginie Lalleron zu diesen vor den deutschen Truppen geflohen waren und Marie zur Alleinerbin in ihrem Testament bedacht hatten, starben diese plötzlich und unerwartet. Die Exhumierung und anschließende Untersuchung ihrer Leichen ergab, dass Pauline 48 mg Arsen und Virginie 24 bis 30 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht aufwies. Kurz nach dem Tod der beiden Cousinen war Léons und Maries Nachbarin Blanchet Rivet, die Ehefrau des Konditors gestorben. Diese hatte nach dem Tod ihres Mannes bei Marie und Léon gewohnt und gegen eine kleine Rente, ihnen ihr Haus überschrieben. In ihren sterblichen Überresten wurden 18 mg Arsen pro Kilogramm Körpergewicht gefunden worden. Es kam zum Prozess gegen Maries Besnard, der am 20. Februar 1952 in Poitiers startete. Marie wurde von dem 64 Jahre alten Staranwalt Albert Gautrat vertreten. Marie trug während des gesamten Prozesses immer eine schwarze Spitzenmantilla, die ihren Kopf und ihren Hals bis auf die Schultern verhüllte. Zunächst wurde Marie wegen unberechtigt angenommener Rentenzahlungen zu 2 Jahren Gefängnis und 50.000 Francs Geldstrafe verurteilt. Maries Anwalt ging bei deren Verteidigung äußerst smart vor, in dem er die Richtigkeit der toxikologischen Befunde anzweifelte. Denn bei keinem der Todesfälle hatte es Anzeichen einer akuten oder chronischen Arsenvergiftung gegeben. Zudem gab es keine Zeugen, außer der Posthalterin, Madame Pintou. Der Prozess stützte sich nur auf Indizien. Das Gericht von Poitiers beauftragte nun erneut 4 Toxikologen und Gerichtsmediziner mit den Untersuchungen. Diese dauerten zwei Jahre und erwiesen sich als recht schwierig. Denn nach der ersten Exhumierung waren die Knochen von den Toten in ein gemeinschaftliches Grab gelegt worden. Doch die Ergebnisse bestätigten das Gutachten von Bérouds. Aber Maries Anwalt hatte währenddessen an einem Gegengutachten arbeiten lassen, das sich mit den Grundlagen der Untersuchungsmethoden der Gegenseite befasste. Dieses brachte das neue Gutachten zum Wackeln, weshalb das Gericht beschloss, wieder neue Gutachten einholen zu lassen. Am 15. März 1954 begann der zweite Prozess in Bordeaux gegen Marie Besnard, der wie der erste bereits am 31. März 1954 damit endete, neue Sachverständigengutachten einzuholen. Denn Maries Anwalt setzte alles daran die neuen Gutachten zu diskreditieren, in dem er immer wieder Gegengutachten anfertigen ließ. Tatsächlich schien diese Strategie aufzugehen. Marie kam gegen eine Kaution von 1,2 Millionen Francs auf freien Fuß. Nach 7 Jahren Gutachtertätigkeit startete am 1. November 1961 der dritte und letzte Prozess gegen Marie Besnard. Da die Gutachter des Gerichts nicht eindeutig beweisen konnten, dass das Arsen nicht aus der Erde des Friedhofes in die sterblichen Überreste der Toten gelangt war, wurde Marie Besnard am 12. Dezember 1961 aus Mangel an Beweisen von der Anklage des 12-fachen Giftmordes freigesprochen. Ein unglaubliches Urteil, das für Entsetzen in der französischen Bevölkerung sorgte. Am 14. Februar 1980 verstarb Marie Besnard in Loudun als freie Frau. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der malerischen Stadt Straßburg, die im Nordosten Frankreichs liegt. 🙂

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