Ein berüchtigter Serienkiller, der ein Hotel baute, um darin Frauen zu foltern, war Herrman Webster Mudgett, besser bekannt als Henry Howard Holmes. Dieser Mann, der tagsüber den sympathischen Hotelier mimte, entpuppte sich nachts laut der sensationslüsternen Presse als mordende Bestie, die Frauen mit Chloroform betäubte, um diese in ihrer Folterkammer auf ihrem Operationstisch auszuweiden oder mit einem Skalpell, einem Messer und allerhand Folterwerkzeug malträtieren zu können. Doch wer war diese Bestie in Menschengestalt, die nach außen den perfekten Gentleman spielte, der stets gut gekleidet war und mit seinen strahlend blauen Augen und akkuratem Oberlippenbart, die Frauenwelt betörte, sich selbst aber als vom Teufel besessen bezeichnete? Herrman Webster Mudgett erblickte am 16. Mai 1861 als drittes Kind von Levi Horton Mudgett und Theodate Page Price in Gilmanton in New Hampshire das Licht der Welt. Seine Eltern waren gläubige Methodisten, die eine Farm besaßen, wo Henry bereits in jungen Jahren kleine Tiere bei lebendigem Leib sezierte. Henrys Vater hatte angeblich ein Alkoholproblem, weshalb er seine Familie immer wieder mit dem Rohrstock misshandelte. Wenn Henry wieder einmal auf dem Dachboden eingesperrt war, entwickelte dieser technische Apparate. Henry galt als guter Schüler, der nach dem Besuch der Phillips Exeter Academy, erfolgreich die High School an der Gilmanton Academy mit Auszeichnung abschloss. Kurz danach heiratete er im Alter von 16 Jahren Clara A. Lovering in New Hampshire. Danach studierte er 1 Jahr lang Medizin an der University of Vermont, bevor er 1882 an die University of Michigan wechselte, wo er im Juni 1884 sein Medizinstudium erfolgreich abschloss. Während seiner Studienzeit arbeitete er im Anatomielabor unter Professor William James. Dort begann er Lebensversicherungen auf die Leichen abzuschließen, die er sich dann zur Finanzierung seines Studiums und seines Lebens in die eigne Tasche steckte. Nach seinem abgeschlossenen Medizinstudium praktizierte Henry zunächst in Philadelphia. Da sein Verdienst sehr gering war, arbeitete Henry unter anderem als Wärter in einer Psychiatrie, als Schulleiter und verkaufte Bücher an der Haustüre, bis er 1886 beschloss nach Chicago zu ziehen. Diese galt als aufstrebende Metropole, wo Henry beschloss sich von seinem alten Namen Herrman Webster Mudgett endgültig zu verabschieden und sich fortan nur noch Henry Howard Holmes zu nennen. Henry ließ sich im Stadtteil Englewood nieder, wo er von der Apothekerehefrau Elizabeth Holton in der Apotheke ihres schwerkranken Ehemannes Everett Holton als Apotheker angestellt wurde. Henry, der später die Apotheke übernahm, kaufte das Nachbargrundstück, auf dem er ein zweistöckiges Haus errichten wollte. Henrys erste Ehe war zwischenzeitlich längst Geschichte. Er hatte sich zwar nie offiziell scheiden lassen, ehelichte aber 1887 in Minneapolis Myrta Z. Belknap, mit er er eine Tochter namens Lucy zeugte. Im selben Jahr begann er mit den Bauarbeiten, die er durch die Einnahmen der Apotheke und zahlreiche Hypotheken finanzierte. Da Henry immer wieder in großen finanziellen Schwierigkeiten steckte und sich der Bau des Gebäudes durch ständig wechselnde Handwerker und Geldmangel in die Länge zog, beging er Versicherungsbetrug, Urkundenfälschung und sogar Morde. Nachdem Henry erfahren hatte, dass vom 1. Mai bis 30. Oktober 1893 in Chicago die World´s Columbian Exposition stattfinden sollte, beschloss er, aus seinem Gebäudekomplex ein Hotel mit 60 Zimmern zu errichten. Dieses Hotel hatte laut der Yellow Press einen Keller mit Folterbank und Operationstisch, schall- und luftdichte Räume, in die über eine Düse Gas floss sowie Räume, die ins Nichts führten oder mit Eisenplatten ausgestattet waren, um diese aufzuheizen. Darüber hinaus gab es zudem auch ein Krematorium, Säurebäder und Kalkgruben, um die Leichen zu beseitigen, die per eingebauter Falltür in den Keller fielen, ohne dass andere Hotelgäste davon Wind bekamen. Nachdem das Hotel fertiggestellt worden war, bezeichnete Holmes dieses als seine Burg. Holmes erwarb zu jener Zeit große Mengen an Chloroform. Schnell machte das Gerücht die Runde, dass viele Vermisstenanzeigen bei der Polizei in Chicago eingingen, nachdem die Personen, oftmals alleinstehende Frauen, im Horrorhotel ein Zimmer gemietet hatten. Im Herbst 1893 flüchtete Henry vor seinen Gläubigern mit seiner dritten Ehefrau aus Chicago. Schließlich wurde dieser am 17. November 1894 in Boston wegen des Mordes an seinem Bekannten Benjamin Pitezal verhaftet, der aufgrund eines ausstehenden Pferdediebstahls bereits in Texas festgehalten wurde. Henry Howard Holmes hatte auf diesen eine Lebensversicherung abgeschlossen, dessen Summe er nach dessen Ermordung kassierte. Die drei Kinder von Pitezal hatte Henry ebenfalls ums Eck gebracht. Alice und Nellie hatte er im Keller seines Hauses in Toronto verscharrt, während Howard, das dritte Kind von Pitezal im US-Bundestaat Indiana ermordet worden war. Henry wurde im Oktober 1895 wegen dem Mord an Pitzeal vor Gericht gestellt und für schuldig befunden. Er wurde zum Tode verurteilt. Henry wurde am 7. Mai 1896 im Philadelphia County Prison erhängt, der zuvor gestanden hatte 27 Menschen ermordet zu haben. Zuvor hatte er seine Story noch gewinnbringend an die Presse verkauft. Doch die von Henry begangenen Morde stellten sich als teilweise als unwahr heraus, da viele der angeblich ermordeten Personen, noch lebten. Henry Howard Holmes wurde nach seiner Hinrichtung auf dem Holy Cross Cemetery in Yeadon in Philadelphia beigesetzt. Danach wurde er durch die Medien zu Amerikas grausamsten Serienkiller hochstilisiert. Zahlreiche Schauermärchen wurden über das Horror-Hotel und Henry Howard Holmes verbreitet, die einfach frei erfunden waren. Das Horror-Hotel gab es so nie. Fakt ist, dass Holmes jedoch ein Mörder, Betrüger und Bigamist war, dessen Hotel 1895 in Flammen aufging. Da ich leider keine Fotos vom Horror-Hotel habe, wünsche ich dir viel Freude mit meinen Fotos von Wiens Horror-Haus am Prater. 🙂