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Wiens letztes Rädern

Isabella Müller Wien Stephansdom @isabella_muenchen

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Der letzte Mensch, der in der Donaumetropole Wien durch Rädern hingerichtet wurde, war der adelige Raubmörder Franz de Paula Zaglauer von Zahlheim. Dieser war auch der Einzige, an dem unter der Herrschaft von Kaiser Joseph II. das Todesurteil vollstreckt wurde. Obwohl Kaiser Joseph II. ein Gegner der Todesstrafe war, der bei seinem Antritt seiner Regentschaft die Todesstrafe inoffiziell abgesetzt hatte, ließ er wegen der Brutalität der Tat und dem Umstand, dass der Mörder ein adeliger Beamter war, keine Gnade walten. Franz stammte aus einer angesehenen Beamtenfamilie aus Wien, die durch die besonderen Verdienste von Sebastian von Zahlheim 1719 in den erblichen Adelsstand erhoben worden war. Der Sohn von Sebastian von Zahlheim war sogar von 1737 bis 1740 Bürgermeister in Wien. Franz erblickte am 2. November 1754 in Wien als Sohn des Stadthauptinspektors Franz Joseph von Zahlheim und dessen Ehefrau Anna Katharina das Licht der Welt. Bereits neun Tage nach Franz Geburt verstarb seine Mutter. Im Alter von 16 Jahren besuchte Franz eine Jesuitenschule. Ab 1774 war er als Praktikant und Kanzleianwärter beim Magistrat der Stadt Wien tätig. Franz stach durch seine hervorragende Leistung hervor, dem jeder eine glänzende Zukunft in Aussicht stellte. Seit 1783 war Franz Kanzleibeamter, der ein stattliches Jahreseinkommen von 400 Gulden hatte. Jedoch hatte er als Praktikant kein Gehalt erhalten. Da er zudem einen extravaganten Lebensstil mit einer ausgeprägten Spielsucht pflegte, war sein Gehalt schnell aufgebraucht. Franz, der außerdem sich oftmals wegen Krätze in ärztliche Behandlung begeben musste, machte Schulden, die er schon bald nicht mehr zurückzahlen konnte. Immer wieder half ihm seine wesentlich ältere Geliebte, Josefa Ambrokin aus der Patsche. Diese ehemalige, unverheiratete Prostituierte verfügte über ein beachtliches Vermögen. Sie wohnte im exklusiven „Großen Waaghaus“, indem auch Franz mit seinem Vater lebte. Als dieser jedoch 1785 verstarb, musste Franz dort schweren Herzens aus finanziellen Gründen ausziehen. Danach verbrachte Franz lange Zeit aufgrund eines schweren Ausschlages im Spital, wo ihm die Gläubiger besuchten, um Schulden in Höhe von 1600 Gulden von ihm einzutreiben. Franz war verzweifelt, dem das Schuldgefängnis drohte. Aus diesen Gründen versprach er Josefa die Ehe, die einen Teil seiner Schulden bezahlte, aber nicht alle. Franz wusste keinen Ausweg mehr, der am 28. Januar 1786 heimlich die Schlüssel von Josefa entwendete. Mit diesem verschaffte er sich Zugang zu Josefas Wohnung am Salzgries, wo er Bargeld und Obligationen von hohem Wert stahl. Nur einen Tag später hatte Josefa den Diebstahl bemerkt, die sofort Franz verdächtigte, weshalb sie dessen Wohnung in der Elendbastei Nr. 1170 aufsuchte. Da Franz nicht da war, durchsuchte sie die Wohnung. Als sie im Dachgeschoss eine Truhe durchwühlen wollte, stand plötzlich Franz hinter ihr, der ihr mehrfach ein Küchenmesser in ihren Körper rammte, bis er ihr ihre Kehle durchschnitt. Danach versteckte er ihre Leiche in der Truhe. Nach wenigen Tagen meldete Josefas Schwester diese bei der Polizei als vermisst. Sofort geriet Franz ins Visier der Ermittler, der im Rathaus in der Wipplingerstraße vom Wiener Bürgermeister Josef Georg Hörl zum Sachverhalt befragt wurde. Schon kurze Zeit später wurde Franz von seinem Nachbarn, dem Polizeikommissar Fiebisch, wegen dringendem Tatverdacht verhaftet. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung wurde die tote Josefa in der Truhe sowie ein Teil der Beute gefunden. Daraufhin gestand Franz den Mord an Josefa, der wegen Diebstahl und meuchlerischen Raubmord zum Tod durch das Rad und Aberkennung des Adelstitels verurteilt wurde. Dieses Urteil wurde nachdem zahlreiche Gnadengesuche abgelehnt worden waren, am 10. März 1786 vollstreckt. Einen Tag zuvor wurden wie üblich dessen Haare abgeschnitten und am Richtplatz eingegraben. Franz wurde einen Tag später von der Schranne zur Richtstätte am Rabenstein in der Rossau gefahren. Während der Fahrt zwickte ihn der Freimann mit einer glühenden Zange in die linke und rechte Brust. An der Richtstätte wurden seine Beine und Arme vom Freimann und seinen Knechten an Pflöcken am Boden fixiert. Dann schwang der Freimann das Rad über Franz, um damit seine Arme und Beine zu brechen. Anschließend wurde ihm, da er gestanden und seine Tat bereut hatte, der Gnadenstoß versetzt, in dem das Rad über die Herzgegend gezogen wurde. Danach wurde Franz auf ein zweites Rad geflochten und auf einen Pflock aufgerichtet, das an einem Strang eines Galgens befestigt wurde. Der Galgen war ein Zeichen, dass Franz sich nicht nur des Mordes, sondern auch des Diebstahls schuldig gemacht hatte. Sein Kopf wurde zu wissenschaftlichen Zwecken mumifiziert und ist im Wiener Kriminalmuseum ausgestellt, wo auch sein ganzer Kriminalfall dokumentiert ist. Die Todesstrafe wurde nur ein Jahr später mit der Einführung des neuen Gesetzbuches im Jahr 1787 endgültig abgeschafft. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Wien, wo Franz bis zu seiner Hinrichtung gelebt hatte. 🙂

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