Eines der Wahrzeichen der Universitäts- und Porzellanstadt Delft in der niederländischen Provinz Südholland ist die Oude Kerk mit ihrem 75 Meter hohen Kirchturm, auch „Scheve Jan“ auf deutsch „Schiefer Jan“ genannt. Bereits 1050 existierte in Delft eine 12 x 30 Meter große Kirche aus Tuffstein, die um 1240 von Bartholomeus van der Made umgebaut wurde, weshalb er auch als Gründer der Kirche gilt, die seitdem den Namen ihres Schutzpatrons „Sankt Bartholomäus“ trug. Gegen Ende 14. Jahrhunderts war die Kirche fertiggestellt, die nun dem Gegenpapst, Märtyrer und Schutzpatron von Delft, Sankt Hippolytus, geweiht wurde. Nach der Reformation wurde diese als „Oude Kerk“ im Gegensatz zur „Nieuwe Kerk“ am Marktplatz bezeichnet. Mit dem Bau ihres gotischen Turms mit 4 Ecktürmen wurde 1325 begonnen. Doch durch die Gracht mangelte es an genügend Platz, weshalb das Wasser umgeleitet und die Gracht zugeschüttet wurde. Schon während des Baus sackte der Turm ab. Die Ursache wurde im Fundament aus Kuhhäuten vermutet, was sich jedoch als Mythos herausstellte. Der Untergrund war schlichtweg zu weich. Dieser Fehler wurde behoben, so dass der Bau fortgesetzt werden konnte. Da einfach senkrecht nach oben weiter gebaut wurde, weist der Kirchturm auf halber Höhe einen Knick auf, was zu seinem Spitznamen „Scheve Jan“ führte, da dieser sich 2 Meter aus dem Lot neigt. Einzig die 4 Ecktürme, die 1900 ausgetauscht wurden, stehen gerade. Der schiefe Turm sorgte besonders bei den Bewohnern des Klosters und des gegenüber liegenden Beginenhofes für Kopfschmerzen, die regelmäßig aus Sorge dieser könnte einstürzen, sich in Sicherheit brachten. Anno 1843 drohte sogar die Gemeindeverwaltung mit dem Abriss des Turms, der jedoch nach umfangreicher Restaurierung stabilisiert wurde. In diesem schiefen Turm hängt die größte historische Glocke der Niederlande, die sogenannte Bourdon- oder Trinitusglocke aus dem Jahr 1570, die der Dreifaltigkeit gewidmet ist. Insgesamt wiegt diese 9.000 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 2,3 Meter. Da die schweren Schwingungen Schäden am Turm verursachen können, wird diese äußerst selten geläutet. Die Oude Kerk ist die älteste Pfarrkirche von Delft, in der 400 Niederländer, unter anderem auch der Maler Johannes Vermeer im Familiengrab seiner Schwiegermutter beigesetzt wurde. Denn der heute weltbekannte Maler starb völlig verarmt, erst nach seinem Tod bekam er für seine Gemälde die wohlverdiente Anerkennung. Die Oude Kerk ist nicht nur für ihre herrlichen Bleiglasfenster bekannt, die wie Comicstrips biblische Geschichten erzählen, sondern auch für ihre Hauptkanzel, die zu den schönsten der Niederlande zählt. Mittlerweile prägt der schiefe Turm der Oude Kerk seit rund einem Jahrtausend die Stadtsilhouette von Delft, der zu einem echten touristischen Hotspot geworden ist. Auch ich kam bei meinem Besuch an dieser Kirche mit ihrem schiefen Turm vorbei, mit deren Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂