Die berühmteste und schönste Ruine Deutschlands ist das Heidelberger Schloss aus rotem Neckarsandstein, das am Nordhang des Königstuhls über der Altstadt thront. Das diese populäre Sehenswürdigkeit und das Wahrzeichen der Stadt Heidelberg heute noch existiert, ist dem unermüdlichen Einsatz des Franzosen Louis Charles François de Graimberg-Belleau zu verdanken, der 1810 sich Hals über Kopf in die Heidelberger Schlossruine verliebte und deren Erhalt zu seiner Lebensaufgabe machte. Doch wer war dieser „Hüter der Schlossruine“, wie er von der Heidelberger Bevölkerung genannt wurde? Charles erblickte am 30. Juni 1774 auf Schloss Paars bei Château-Thierry als Sohn eines wohlhabenden französischen Grafen das Licht der Welt. Er und seine Geschwister gehörten zum französischen Landadel. Da es der Familie nicht an Geld mangelte, wuchs er in recht behüteten Verhältnissen auf. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für die Malerei, besonders für Landschaften. Diese wurde während seiner Schulzeit in der Ècole royale militaire in Lebais von den Benediktinermönchen gefördert. Charles Welt änderte sich jedoch mit der Französischen Revolution schlagartig. Er und seine Brüder nahmen gemeinsam mit seinem Vater am Ersten Koalitionskrieg teil. Danach schied Charles aus dem aktiven Militärdienst aus und lebte zunächst auf der Kanalinsel Guernsey, wo er sich wieder dem Zeichnen widmete. Mit dem Verkauf seiner Zeichnungen und seiner Tätigkeit als Haus- und Zeichenlehrer verdiente er sich seinen Lebensunterhalt, bis er auf Wunsch seines Vaters wieder ins Château-Thierry zurückkehrte, wo er liebend gern die Ruine der alten Festungsanlage von Château-Thierry zeichnete. Anno 1807 zog Charles nach Paris, um sich im Atelier des Malers Jean-Victor Bertin ausbilden zu lassen. Paris galt seit dem der Sonnenkönig Ludwig XIV. dort 1648 die Acdémie Royale de Painture et de Sculpture gegründet hatte, die fortan federführend war, was als Kunst bezeichnet wurde, als die Kunststadt schlechthin. Der jährliche Salon lockte viele Künstler an, deren Heimat und Atelier der Louvre wurde. Nach 3 Jahren reiste Charles nach Deutschland, da ihn nicht nur die Druckgraphik interessierte, sondern er auch das Handwerk des Kupferstechers erlernen wollte. Sein Bruder Louis hatte ihm den Kontakt zu dem badischen Hofkupferstecher Christian Haldenwang in Karlsruhe hergestellt. Bevor Charles wieder nach Frankreich zurückkehren wollte, erfüllte er sich den sehnlichen Wunsch die Heidelberger Schlossruine zu zeichnen. Dafür mietete er sich eine Stube auf dem Schloss im Torturm des Gläsernen Saalbaus, was bis zu seiner Heirat 1923 sein neues Zuhause wurde. Denn Charles hatte vom ersten Moment an, sein Herz an die Schlossruine verloren. Diese befand sich nach dem Dreißigjährigen Krieg und den Pfälzischen Erbfolgekriegen sowie dem Blitzeinschlag im Jahr 1764 in einem erbärmlichen Zustand. Dies lag auch daran, dass die Schlossruine als Steinbruch geplündert wurde. Da die neuen Besitzer, das Haus von Baden, keinerlei Wert auf den Erhalt der einst imposanten Residenz legten, machte sich Charles dies zur Aufgabe. Er bewachte die Ruine höchstpersönlich, meldete unentwegt den badischen Behörden, wenn Unbefugte die Ruine betraten und finanzierte sogar einen Wachschutz, wenn er selbst nicht zugegen sein konnte. Schließlich erreichte er, dass 1823 der Zugang zum Rittersaal des Ottheinrichsbau geschlossen wurde. Charles nutzte seinen Graimbergschen Kupferstichverlag, um die Schlossruine bekannt zu machen und dadurch Mittel zu deren Erhaltung zu generieren. Darüber hinaus sammelte Charles Gemälde, Porzellan, Graphiken und allerhand Objekte der Pfälzer Kurfürsten, die er dann im Friedrichssaal präsentierte. Sein altes Zimmer im Schloss nutze er nach seiner Heirat als Atelier und Verkaufsraum seiner Kupferstiche von der romantischen Schlossruine. Dieser war sozusagen der erste Museumsshop des Heidelberger Schlosses. Unterstützt wurde Charles von seiner Familie und seiner Ehefrau mit der er am Kornmarkt im Palais Graimberg lebte, wo er am 10. November 1864 starb. In diesem gründete 1911 Maria Gräfin Graimberg-Belleau die erste Deutsche Katholische Soziale Frauenschule. Seine letzte Ruhestätte fand Charles und seine Familie auf dem Heidelberger Bergfriedhof. Dir wünsche ich viel Freude mit der wohl berühmtesten Schlossruine der Welt, dem Heidelberger Schloss. 🙂