Der Mord an dem Schachgenie Gilles Andruet, der in den 1990er Jahren die französische Schachszene erschütterte, ist nicht nur eine tragische Geschichte eines talentierten Schachspielers, sondern auch ein faszinierendes Beispiel für ein komplexes Verbrechen, das mit Intrigen, Glücksspiel und einem langwierigen Gerichtsprozess verbunden ist. Gilles Andruet, ein internationaler Schachmeister, der auch „Mozart des Schachs“ genannt wurde, fiel in der Nacht vom 21. auf den 22. August 1995 einem grausamen Mord zum Opfer. Die darauf folgenden Ermittlungen führten zu einem Netz aus Lügen und einem Mangel an endgültiger Gerechtigkeit. Gilles Andruet, dessen Vater der legendäre ehemalige Rallye-Champignon Jean-Claude Andruet war, erlangte Berühmtheit als Schachspieler, nachdem er 1988 die französische Schachmeisterschaft gewann. Sein Erfolg auf dem Schachbrett führte ihn jedoch in die Welt des Glücksspiels, wo er seinen Fokus auf Black Jack legte. Mit seinem außergewöhnlichen Gedächtnis und einer cleveren Spielstrategie erzielte er anfangs bemerkenswerte Gewinne. Doch je mehr Gewinne er hatte, desto stärker war der Druck, weiterzuspielen, und bald wurde ihm der Zutritt zu vielen Casinos aufgrund seiner Erfolge verwehrt. In der verzweifelten Suche nach Geld und dem Kick des Erfolges wendete er sich dem Roulette zu, was zu einem dramatischen Rückgang seiner Finanzen führte. Gilles hatte nicht nur viel Geld verloren, sondern auch hohe Schulden, da er ungedeckte Schecks ausstellte, verhängten die französischen Banken das sogenannte „Interdit bancaire“ über ihn. Dadurch konnte er weder weitere Kredite aufnehmen, noch ein Bankkonto bei einer französischen Bank führen. In der ersten Augustwoche 1995 kam Gilles durch den Verkauf einer Familienimmobilie in den Besitz eines Verrechnungsschecks über 398.000 Francs, doch ohne ein eigenes Bankkonto war dieser Scheck letztlich wertlos für ihn. Um Zugang zu diesem Geld zu erhalten, wandte er sich an Joseph Liany, einen Mann, den er im Casino von Enghien-les-Bains kennengelernt hatte. Liany und sein Sohn Franck halfen ihm, ein Bankkonto bei einer Pariser Niederlassung eines marokkanischen Bankhauses zu eröffnen. Die Vollmacht für dieses Konto erhielt Franck, was schließlich die letzten Schritte auf dem Weg zu seinem tödlichen Schicksal ebnete. In der Nacht des 21. August 1995 sah Yolanda Z., Gilles Freundin, ihn zum letzten Mal. Er besuchte sie im Restaurant, das zur „L’Entrecôte“-Kette gehörte, und es scheint, dass er kurz davor war, seine Pläne für die bevorstehende Auszahlung seines Schecks zu besprechen. Im Auto saßen auch drei weitere Personen. Obwohl die genauen Gespräche unbekannt sind, deutet alles darauf hin, dass die drei Personen im Auto planten Gilles ums Eck zu bringen, um so das Geld sich anzueignen. Am frühen Morgen des 22. August fand eine Gärtnerin in Saulx-les-Chartreux Gilles Leiche, eingewickelt in ein blutverschmiertes Bettlaken. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass Gilles mit einem Baseballschläger attackiert wurde, wobei der tödliche Schlag anscheinend seinen Kehlkopf zerschmettert hatte. Kurze Zeit später entdeckten die Gendarmen einen Ford Sierra in der Nähe, der Blutspuren aufwies und Andruets Ausweispapiere enthielt. Nur drei Tage nach dem Mord an Gilles, wurde am 25. August 1995 bei der marokkanischen Bank der Betrag des Verrechnungsschecks abgehoben. Der Albtraum für die Familie und Freunde hatte begonnen. Als die Ermittlungen eingeleitet wurden, traten mehrere Personen in den Fokus der Polizei. Joseph Liany, ein Geschäftsmann und leidenschaftlicher Spieler, wurde schnell identifiziert, und auch sein Sohn Franck war involviert. Sacha Rhoul, der Neffe von Joseph Liany und Geschäftsführer des Restaurants „Golf de l’Étoile“, war ebenfalls unter Verdacht, vor allem aufgrund seiner familiären Verbindung und der Tatsache, dass er im gleichen Umfeld wie die anderen Verdächtigen lebte. Loïc Simon, ein weiteres Mitglied des „Golf de l’Étoile“-Teams, stellte sich später als ein zentrales Puzzlestück in diesem Verbrechen heraus. Durch seine Aussagen erlangte die Staatsanwaltschaft wichtige Informationen, doch Simon beging im Jahr 1996 Selbstmord, bevor er gründlich vernommen werden konnte. Dies ließ viele Fragen offen und verwirrte die Ermittler. Doch vor seinem Suizid hatte er laut Zeugen zugegeben Gilles im Auftrag von Joseph Liany und Sacha Rhoul mit dem Baseballschläger zu Tode geprügelt zu haben. Nachdem Mord hatten sich beide jedoch geweigert, ihm den versprochenen Anteil der Summe von Gilles Konto auszuzahlen. Im April 2001 ergab eine DNA-Analyse von Haaren, die auf dem Bettlaken gefunden worden waren, in dem Gilles eingewickelt war, dass die DNA mit der von Sacha Rhoul und Joseph Liany übereinstimmte. Die ersten gerichtlichen Schritte begannen im November 2003, mehr als acht Jahre nach dem Mord. Joseph und Franck Liany wurden angeklagt, während die einzige Zeugin, Yolanda Z., Drohungen bekam. In einem chaotischen Prozess beschuldigten sich die beiden gegenseitig der Mittäterschaft. Der Staatsanwalt musste feststellen, dass die Situation beinahe wie ein Zirkus wirkte. Joseph Liany wurde schließlich zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt, während Franck mit sieben Jahren davonkam. Doch die Geschichte nahm eine unerwartete Wendung. Im Jahr 2006 wurde Joseph Liany aufgrund von neuen Beweisen freigesprochen, da die DNA-Analyse nicht eindeutig Joseph Liany, sondern auch seinem Neffen Sacha Rhoul zugeordnet werden konnte. Gleichzeitig wurde Sacha Rhoul in Abwesenheit verurteilt, nachdem er sich 1998 durch die Auswanderung nach Marokko der Justiz entzogen hatte. Er wurde zu 15 Jahren verurteilt. Die Bemühungen von Jean-Claude Andruet, dem Vater des Opfers, um Gerechtigkeit gingen unermüdlich weiter. Seine Hartnäckigkeit führte dazu, dass ein internationaler Haftbefehl gegen Sacha Rhoul erwirkt wurde, der schließlich 2010 festgenommen und nach Frankreich ausgeliefert wurde. Jahrelang hatte Sacha Rhoul in Marrakesch das Luxushotel „Palais Rhoul“ geleitet. In der Zwischenzeit meldete sich Sacha Rhouls Mutter Sylvia zu Wort, die ihren Bruder als alleinigen Auftraggeber des Mordes an Gilles bezichtigte. Im Januar 2014 fand der dritte Prozess gegen Sacha Rhoul statt. Obwohl der Staatsanwalt von Rhouls als Schlüsselfigur überzeugt war, mangelte es erneut an eindeutigen Beweisen, und das Geschworenengericht sprach ihn frei. Dies führte zu Frustration und Enttäuschung für die Andruets Familie, die nie wirklich einen Schlussstrich ziehen konnte. Der Mordfall Gilles Andruet bleibt bis heute ein unvollendetes Kapitel in der Geschichte des französischen Strafrechts. Während einige Täter verurteilt wurden, scheint der eigentliche Auftragsgeber des Mordes ungestraft davongekommen zu sein. Die Komplexität der Beziehungen zwischen den Verdächtigen und die Unfähigkeit der Justiz, klare Beweise zu liefern, werfen Fragen über die Effektivität des Rechtssystems auf. Die Tragödie von Gilles Andruet wird wohl immer ein mahnendes Beispiel dafür sein, wie Dunkelheit und Intrigen selbst die hellsten Sterne vom Himmel holen können. Sein Vermächtnis als Schachmeister lebt fort, doch die Schatten seines Lebens und seiner gewaltsamen Tötung werden nie ganz vergehen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Frankreichs Hauptstadt Paris, wo einst das Schachgenie Gilles Andruet auf brutale Weise für immer aus dem Leben gerissen wurde. 🙂













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