Schon immer war Hamburgs sündige Meile, die Reeperbahn, ein heiß umkämpftes Revier unter rivalisierenden Banden, die mit Prostitution, Drogen und Schutzgelderpressung ihr Geld verdienten. Eine dieser Banden, die es tatsächlich schaffte um 1980 über große Teile von St. Pauli zu herrschen, war die Nutella-Bande. Diese Gruppierung bildete sich Mitte der 1970er Jahre aus selbständigen Zuhältern, die zwischen 18 bis 21 Jahre alt waren. Kein Wunder, dass damals die den Kiez kontrollierende GMBH, auch Opas genannt, die Milchbubis spöttisch Nutella-Bande nannten, da diese erstmal Nutella-Brote essen sollten, um groß und stark zu werden. Doch die Milchbubis konnten ihr Revier auf der Reeperbahn und in der Herbertstraße gegen die GMBH abstecken. Die GMBH hatte seit den 1970er Jahren das Sagen im Rotlichtmilieu, deren Name sich aus den Vornamen ihrer Mitglieder Gerd Glissmann, Michael Luchting, Walter „Beatle“ Vogeler und Harry Voerthomann zusammensetzte. Niemand ahnte, dass dieses mächtige und erste Zuhälterkartell auf St. Pauli, das 200.000 Mark im Monat verdiente, bald von den Jungluden der Nutella-Bande abgelöst werden würde. Die Gründer der Nutella-Bande waren der Zuhälter Klaus Dieter Barkowsky, ein ehemaliger Matrose, der aufgrund seines guten Aussehens und der Tatsache, dass er einen schwarzen Lamborghini fuhr auch „Schöner Klaus“ oder „Lambo-Klaus“ genannt wurde, Peter Töpfer und Horst Reinleder. Das Stammlokal der Nutella-Bande wurde das Galerie-Café Adler von Uschi Obermaier und Dieter Bockhorn in Hamburg-Eimsbüttel. Von dort aus organisierten diese ihre Geschäfte. Dabei gab es eine klare Arbeitsaufteilung. Während der „Schöne Klaus“ und andere sogenannte Poussierer neue Frauen zur Prostitution anwarben, kümmerten sich die Bordellwirtschafter um die Tagesgeschäfte. Die Nutella-Bande war äußerst beliebt bei den Prostituierten, da diese im Gegensatz zur GMBH die Frauen nicht durch massive Gewalt zur Prostitution zwang. Dies schmeckte natürlich der GMBH überhaupt nicht. Es kam zu erbitterten Revierkämpfen. Um sich vor den tätlichen Angriffen zu schützen, warb die Nutella-Bande von der GMBH Thomas Born alias „Karate Tommy“ ab. Dieser war Vizeeuropameister im Kickboxen und Inhaber einer Kampfsportschule, der sich fortan mit der „Abteilung Stress“ um die Sicherheit der Nutella-Bande kümmerte. Die Nutella-Bande wuchs stetig, der Mitte der 1980er Jahre über 80 Zuhälter mit 120 Prostituierten in 11 Bordellen, 3 Peepshows, 3 Restaurants und einem Club angehörten. Die Konkurrenz war darüber so erbost, dass der bis dato geltende Ehrenkodex keine Waffen zu gebrauchen zuerst beim Mord am 28. September 1981 an Fritz Schroer alias „Chinesen-Fritz“ gebrochen wurde. Dieser wurde mit 3 Schüssen am Barhocker in der Kiez-Kneipe „Ritze“ regelrecht hingerichtet. Dies war der Beginn einer tödlichen Blutserie. Angeblich hatte dieser sein Partner Peter Nusser, besser bekannt als „Wiener Peter“ auf dem Gewissen. Doch der Auftragsmord konnte ihm nie nachgewiesen werden. Dafür andere schon. Der langsame Zerfall der Nutella-Bande bahnte sich 1981 an, als das Gründungsmitglied Peter Töpfer die Nutella-Bande verließ. Er wandte sich dem Christentum zu, der heute christlicher Prediger der evangelisch-freikirchlichen Glaubensgemeinschaft Mission Kwasizabantu ist. Die Weltwirtschaftskrise und die Ansteckung vor Aids ließ die Umsätze in St. Pauli rapide einbrechen. Dann wanderte Thomas Born als erster Zuhälter durch die Aussage einer seiner Prostituierten in den Knast. Diese war seine schwangere Verlobte Sunny, die Thomas Born mit einem Bügeleisen misshandelt hatte. Sunny war die erste Person, die in das Zeugenschutzprogramm der Spezialeinheit FD 65, die seit 1982 gegen die organisierte Kriminalität ermittelte, aufgenommen wurde. Thomas Born wurde 1983 zu 2 Jahren Haft verurteilt. Dies schwächte die Nutella-Bande, die zwar den Großteil des Eros-Centers, das größte Bordell Europas, das der „König von St. Pauli“, Willi Bartels groß gemacht hatte, kontrollierte. Doch es gab immer noch die GMBH sowie die Rockerbande „Hells Angels“, und die seit den 1970er Jahren aufstrebende Chikago-Bande, eine Zuhälterbande um Reinhard „Ringo“ Klein, deren Hauptquartier das ehemalige Eiscafé „Chikago am Hans-Albers-Platz war, wo sich deren Bordell befand. In den Hinterzimmern fanden Pokerspiele statt. Diese Zuhältergruppe stieg später groß in das Kokaingeschäft ein, die mit dem weißen Pulver, auch „weiße Dame“ genannt, viel Geld verdienten. Es herrschte seit den 1980er Jahren ein blutiger Krieg auf St. Pauli. Dieser erreichte seinen Höhepunkt nachdem sich die Ehefrau eines der Nutella-Anführers mit einer Prostituierten der GMBH im Kontakthof des Eros-Center geprügelt hatte, woraufhin Klaus Breitenreicher aka „SS-Klaus“ und Jürgen „Angie“ Becker im Kugelhagel mit der GMBH erschossen wurden. Es kam daraufhin zu einer Großrazzia in den Bordellen der Nutella-Bande. Insgesamt wurden 5 Mitglieder wegen Förderung der Prostitution verhaftet. Die Nutella-Bande brach immer mehr auseinander, deren Revier schließlich unter den Gangs Streetboys, Chikago-Bande sowie den Hells Angels aufgeteilt wurde. Damit endete die Ära der Nutella-Bande in der „Sex-Hauptstadt der Welt“ wie das Boulevardblatt Daily Mirror Hamburg einst bezeichnete. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Hamburgs Alster. 🙂

















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