Die Meuterei auf der „Flowery Land“

Die britische Geschichte ist reich an außergewöhnlichen Ereignissen, und unter ihnen sticht der Fall der Meuterei auf dem britischen Handelsschiff „Flowery Land“ im Jahr 1863 besonders hervor, das mit einer spektakulären Fünffachhinrichtung endete. Diese faszinierende und zugleich schreckliche Geschichte bietet Einblicke in die harten sozialen Verhältnisse der viktorianischen Ära sowie in die Strenge des damals geltenden Rechtssystems. Am 29. Juli 1963 stach das 400 Tonnen schwere britische Handelsschiff „Flowery Land“ beladen mit Kisten voll mit Wein, Eisen und Baumwolle von London aus in See mit Ziel Singapur. An Bord befand sich neben dem Kapitän John Smith, auch dessen Bruder George, der als Passagier mitreiste sowie mehrere Seeleute, die aus England, Spanien, Frankreich, Norwegen, Griechenland, Indonesien und den Philippinen stammten. Die angeheuerten Matrosen, kamen oft aus armen Verhältnissen, die kaum Englisch sprachen. Die Arbeitsbedingungen auf solchen Handelsschiffen waren zu jener Zeit oft extrem hart. Die Bezahlung war gering, das Essen schlecht, und die Disziplin an Bord wurde durch strenge Regeln und harte Strafen aufrechterhalten. Konflikte zwischen der Besatzung und dem Kapitän waren keine Seltenheit, und genau ein solcher Konflikt führte letztendlich zu einer unvorstellbaren Tragödie. Besonders die Seeleute aus Manila wurden vom Kapitän Smith und seinem Ersten Offizier Mr. Carswell schlecht behandelt, deren Essen und Trinken stark rationiert wurde. Wenn diese sich beschwerten, dann setzte der Kapitän Gewalt ein, da er sie aufgrund ihrer mangelnden Englischkenntnisse nicht verstand. Die Lage spitzte sich nach fünf Wochen auf See als das Schiff die afrikanische Küste erreichte und Kurs nach Westen zur Atlantiküberquerung nahm weiter zu, als sich der Spanier George Carlos krank meldete. Dies verärgerte den Ersten Offizier Carswell so sehr, dass er ihn zur Strafe fesselte und an den Mast band. Erst als der Kapitän einschritt, bekam Carlos Medizin verabreicht. Als dieser ein paar Tage später in einen Streit mit anderen Besatzungsmitgliedern verwickelt war, ging Carswell erneut dazwischen, der ihn ordentlich verprügelte. Dies schürte den Hass der Besatzung auf die Schiffsoffiziere, weshalb acht Seeleute am 9. September 1863 an Bord der „Flowery Land“ rebellierten. Sie töteten zunächst den Ersten Offizier, Mr. Carswell, in dem sie ihn lebendig über Bord warfen. Anschließend ermordeten sie den Kapitän John Smith und dessen Bruder George. Mit diesen Morden übernahmen die Meuterer die Kontrolle über das Schiff. Danach zwangen sie den Zweiten Offizier Mr. Taffer die Navigation zu übernehmen, da er der einzige an Bord war, der die nötigen Kenntnisse besaß, um das Schiff sicher zu führen. Doch die Piraten hatten keine Absicht, die „Flowery Land“ lange zu behalten. Am 2. Oktober sichtete die Crew Land in der Nähe von Montevideo. Zu diesem Zeitpunkt entschieden sich die Meuterer, das Schiff zu versenken. Sie nahmen nur wenige Mitglieder der Besatzung in zwei Rettungsbooten mit und ließen den Koch sowie einen 17-jährigen Kabinenjungen namens Richard Early zurück, um sie ihrem Schicksal zu überlassen. Beide starben an Bord. Der Steward des Schiffes wurde ebenfalls ermordet. Das Ziel der Meuterer war klar: Montevideo erreichen und dort Zuflucht finden, was ihnen auch gelang. Doch dem Zweiten Offizier Taffer und einem französischen Crewmitglied gelang es zu fliehen und den britischen Konsul in Montevideo zu benachrichtigen. Ihre Aussagen führten dazu, dass die Täter aufgespürt und festgenommen wurden. Die mutmaßlichen Verbrecher wurden am 14. Dezember 1863 nach London zurückgebracht, wo sie sich vor dem Old Bailey, dem damals bedeutendsten Strafgerichtshof Englands, verantworten mussten. Der Prozess begann am 4. Februar 1864 und endete mit einem Urteil, das für öffentliche Aufmerksamkeit und heftige Diskussionen sorgte. Sieben der Angeklagten wurden des Mordes für schuldig befunden und am 11. Februar zum Tod durch den Strang verurteilt. Ein achter Mann, der Spanier George Carlos, wurde vom Mord freigesprochen, jedoch wegen der Beteiligung an der Versenkung des Schiffes zu einer 10-jährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Von den sieben Todeskandidaten wurden zwei später begnadigt. Basilio de Los Santos und Marcelino Santa Lacroix verdankten ihre Begnadigung der Intervention ihres Verteidigers und des spanischen Konsuls. Die Entscheidung wurde vom damaligen Innenminister Sir George Grey am Freitag, dem 19. Februar, verkündet, nur drei Tage vor der geplanten Hinrichtung. Die verbleibenden fünf Männer waren John Leone, auch als Lyons bekannt, Francisco Blanco, Ambrosio Duranno alias Mauricio, Miguel Lopez und Marcus Vartus. Am Montag, dem 22. Februar 1864, fand deren ungewöhnliche und schockierende Hinrichtung im Londoner Newgate-Gefängnis statt. Die fünf Männer, alle ursprünglich aus Manila oder mit starken Verbindungen zu den Regionen Spanien sowie einem weiteren Mann mit levantinisch-türkischer Abstammung griechischen Ursprungs, wurden durch den berüchtigten Henker William Calcraft hingerichtet. Es war die erste Fünffach-Hinrichtung in Newgate seit fast 36 Jahren und zog trotz widriger Wetterverhältnisse über 20.000 Schaulustige an. Die Hinrichtung dieser fünf Männer war das tragische Ende einer blutigen Geschichte, die auf See ihren Anfang genommen hatte und die brutale Härte des Lebens zur See und die gefährlichen Spannungen innerhalb von Schiffsmannschaften offenbarte. Die Hinrichtung verlief in einer grausamen Routine. Der Henker Calcraft ließ in aller Ruhe die Bolzen los, die die Falltüren sicherten, und die fünf Männer fielen etwa einen halben Meter in den Tod. Alle bis auf Lopez starben laut Augenzeugenberichten schnell und ohne längeres Kämpfen. Lopez hingegen soll einige Sekunden lang gekämpft haben, bevor er reglos wurde. Um 9 Uhr wurden die Leichen der Männer abgenommen und später innerhalb des Newgate-Gefängnisses beerdigt. Über ihrem Grab wurde ihre Verbindung zur „Flowery Land“ verewigt: Die Initialen „B, L, D, L, W“ sowie die Inschrift „Schiff Flowery Land, 22. Februar“. Der Fall der „Flowery Land“ und die darauf folgende Fünffach-Hinrichtung war eine der bemerkenswertesten Ereignisse im viktorianischen England. Er brachte die Grausamkeiten auf hoher See ins Rampenlicht und zeigte zugleich die Tiefe von Gesetz und Ordnung in einer Zeit, in der öffentliche Hinrichtungen sowohl Spektakel als auch Abschreckung waren. Dieses tragische Kapitel verdeutlichte die Brutalität der Piraterie und die Härte der britischen Justiz ebenso wie die finstere Faszination, die solche Ereignisse auf die Öffentlichkeit ausübten, weshalb auch Sir Arthur Conan Doyle einen Artikel über die Meuterei auf der „Flowery Land“ mit dem Titel „A True Story of the Tragedy of the Flowery Land“ verfasste. Selbst heute bleibt die Geschichte der „Flowery Land“ und ihrer Crew ein mahnendes Zeugnis für die dunklen Seiten der maritimen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von London. 🙂


Entdecke mehr von Spannende Krimis und Abenteuertipps für wahre Entdecker!

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Verfasst von

Herzlich Willkommen auf meiner Reise durch Kreativität und Entdeckung! Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die faszinierenden kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Mit TrueCrime Blog 187.news geht’s in die Abgründe des Verbrechens. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Schließlich lädt truecrime.ch dazu ein, die dunklen Seiten der Schweiz und Europas zu entdecken: wahre Verbrechen, wahre Geschichten. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!