Am 10. November 2021 starb Alma Cleotilde Grand Pérez, besser bekannt als „La Bruja Cleo“ („Cleo, die Hexe“), in Honduras Hauptstadt Tegucigalpa. Sie war nicht nur als erste Serienmörderin des Landes berüchtigt, sondern auch als eine der grausamsten Verbrecherinnen in der jüngeren Geschichte Mittelamerikas. Im Alter von nur 63 Jahren fand ein Leben voller tiefem Leid, Gewalt und brutalster Verbrechen sein Ende. Ihre Geschichte ist eine düstere Reise ins Herz der Finsternis einer Frau, die aus den schlimmsten Lebensumständen hervorging und in einen Albtraum aus Mord und Okkultismus versank. Alma Cleotilde Grand Pérez wurde in die Garífuna-Gemeinschaft hineingeboren, eine ethnische Gruppe mit afrikanischen, karibischen und indigenen Wurzeln. Ihre frühe Kindheit war von Grausamkeit und Missbrauch geprägt. Berichten zufolge wurde sie von ihrer Mutter und ihren Geschwistern verlassen und mehrfach von ihrem eigenen Vater sexuell missbraucht. Noch schockierender: Ihr Vater verkaufte sie sogar viermal an andere Männer, was eine jahrelange Spirale aus Leid und Entfremdung auslöste. Trotz allem kehrte Alma immer wieder in das Haus ihrer Eltern zurück – eine Tatsache, die ihr psychisches Trauma nur noch vertiefte. Diese frühen Erfahrungen schürten einen tiefsitzenden Hass und eine Abneigung gegenüber Männern, die sich später öffentlich in ihren Verbrechen manifestierten. Ihre Lebensgeschichte veranschaulicht, wie Traumata und familiäre Vernachlässigung verheerende Folgen haben können. Alma entwickelte einen psychologischen Abwehrmechanismus, der sie zu einer gefährlichen und zerstörerischen Person machte. Bevor sie zur gesuchten Kriminellen wurde, lebte Alma Cleotilde in El Porvenir, einer Gemeinde im Bezirk Francisco Morazán. Dort bot sie Dienste im Bereich der Santería an – einer afro-karibischen religiösen Praxis, die Elemente des Katholizismus und westafrikanischer Religionen vereint und oft mit Magie und Ritualen in Verbindung gebracht wird. Ihre Aktivitäten dort gingen jedoch bald weit über den Rahmen einer traditionellen Heilerin hinaus. Ende des 20. Jahrhunderts reiste Alma sogar nach Belize, wo sie in Rituale verwickelt wurde, die mit Sex, Drogen und schwarzer Magie zu tun hatten. Ihr selbst gewählter Titel „La Doncella de Satanás“ („Die Jungfrau des Satans“) lässt vermuten, dass sie sich mit satanischen Kräften verbunden sah und diese Faszination bis zu ihrer Verhaftung aufrechterhielt. Diese Mischung aus okkulten Praktiken und brutalen Verbrechen führte zu einer einzigartigen, zugleich schockierenden und faszinierenden Kriminalgeschichte, die den honduranischen Behörden und der gesamten Gesellschaft Angst einflößte. Zwischen Juni 1998 und ihrer Festnahme beging Alma Cleotilde mindestens drei bestätigte Morde an Männern, die in vielerlei Hinsicht die Schatten ihrer Vergangenheit widerspiegelten. Ihre Vorgehensweise war ebenso grausam wie einzigartig: Sie tötete ihre Opfer mit einer Axt, zerstückelte die Leichen und führte anschließend satanische Rituale mit den Überresten durch. Die Leichenteile wurden oft in ihrer eigenen Wohnung versteckt. Eine besonders makabre und bislang unbewiesene Behauptung besagt, dass sie Menschenfleisch in Form von lokalen Gerichten wie Nacatamales verkaufte – einer in Mittelamerika beliebten Speise aus gedämpftem, mit Fleisch gefülltem Teig. Diese Gerüchte trugen zum Mythos von „Cleo, der Hexe“ bei und ließen ihr Image noch dämonischer erscheinen. Das dritte Opfer, ein Mann aus Guatemala, dessen Verschwinden den Durchbruch für die Polizei bedeutete, wurde schließlich in ihrer Wohnung entdeckt. Dies war der entscheidende Hinweis, der zur Aufdeckung aller Gräueltaten führte. Am 26. Juni 1998 wurde Alma Cleotilde Grand Pérez in der Gemeinde El Porvenir festgenommen. Die Polizei war verdeckt als Kunden aufgetreten, die magische Dienste suchten, und hatte so Zugang zu ihrem Kreis erhalten. Im Laufe der Ermittlungen fanden die Beamten nicht nur die Leichenteile mehrerer Männer, sondern auch verschiedene Beweismittel, die auf satanistische Rituale hindeuteten. Aufgrund der Brutalität der Verbrechen und der schockierenden Umstände wurde sie zu 44 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt – eine der längsten Haftstrafen, die jemals in der honduranischen Geschichte gegen eine Frau verhängt wurden. Trotz dieser langen Haftstrafe verbüßte Alma Cleotilde ihre Zeit in Einzelhaft in der „Penitenciaría Nacional Femenina de Adaptación Social“ (PNFAS) in Támara, unweit von Tegucigalpa. Die Bedingungen dort sind berüchtigt – überfüllte und unhygienische Zellen, mangelnde medizinische Versorgung und häufige Misshandlungen gehören zum Alltag. Für „La Bruja Cleo“ bedeutete dies Isolation und Einsamkeit, ohne Besuche von Angehörigen. Während ihrer 23-jährigen Haftstrafe änderte Alma Cleotilde öffentlich ihre Haltung und erklärte wiederholt, eine gläubige Christin zu sein. In einer Handvoll Interviews und Botschaften behauptete sie, eine „veränderte Frau“ zu sein, die Gott nahe stehe. Dennoch blieb sie eine umstrittene Figur, die sowohl von Mitgefangenen als auch von Gefängnisbeamten gefürchtet und gemieden wurde. Besonders beunruhigend waren ihre Aussagen, dass sie nach wie vor vom Teufel zum Töten angestiftet werde, was Zweifel an ihrer Reue aufkommen ließ. Außerdem erhob sie Vorwürfe gegen die Gefängnisleitung und behauptete, man verweigere ihr Wasser, Essen und einen angemessenen Schlafplatz. Ob diese Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen, lässt sich nur schwer überprüfen, doch sie spiegeln die oft unmenschlichen Haftbedingungen wider. Menschenrechtsorganisationen, darunter auch Vertreter der Garífuna-Gemeinschaft, setzten sich zeitweise für bessere Haftbedingungen und Besuchsrechte ein. Dennoch blieb die Frau zutiefst isoliert – selbst ihre eigene Familie hatte keinen Kontakt zu ihr. Die Tragödie von Alma Cleotilde Grand Pérez ist auch eine Geschichte über die fatalen Folgen von Kindesmissbrauch und familiärer Vernachlässigung. Experten der Kriminalpsychologie sehen in ihrem Fall ein klares Beispiel dafür, wie ein Trauma in Gewalt umschlug. Der Hass auf Männer, den sie entwickelte, ist fast schon symptomatisch für Menschen, die jahrelang körperlich und seelisch misshandelt wurden. Auch das Infektionsrisiko nach ihrer HIV-Diagnose spielte eine Rolle: Einer ihrer ehemaligen Partner hatte ihr das Virus übertragen, was offenbar zu einer schweren emotionalen Krise führte. Es wird vermutet, dass diese Diagnose die Eskalation ihrer Gewalttaten auslöste, zumal einer ihrer ermordeten Partner genau die Person war, die sie angesteckt hatte. Als erstes weibliches Opfer einer Serienmordserie des Landes bietet „La Bruja Cleo“ einen einzigartigen Einblick in die Tiefen der menschlichen Psyche und wirft Fragen zu den gesellschaftlichen Mechanismen auf, die solche tragischen Entwicklungen überhaupt erst zulassen. Nach ihrem Tod gab es in den honduranischen Medien und der breiteren Gesellschaft erneut Berichterstattung über Alma Cleotilde. Während einige sie ausschließlich als Monster verurteilen, sehen andere in ihr das Produkt eines Systems, das Kinder nicht schützt und Opfer zu Tätern macht. Das Fehlen familiärer Unterstützung bis zum allerletzten Moment ihres Lebens – keine Besuche, keine Abschiedsbriefe – offenbart eine tragische soziale Isolation. Ihr Fall ist nach wie vor eine eindringliche Mahnung daran, wie Opfer von Gewalt in Honduras behandelt werden, und verdeutlicht zugleich auf eindringliche Weise, wie gefährlich die Situation werden kann, wenn traumatisierte Menschen keinen Ausweg mehr sehen. Alma Cleotilde Grand Pérez, die berüchtigte „Hexe Cleo“, hinterlässt ein komplexes Vermächtnis. Sie war Opfer schwerer Gewalt und Vernachlässigung, wurde zur kaltblütigen Mörderin und verbreitete Angst und Schrecken im ganzen Land. Ihre Geschichte dokumentiert eine tragische Verschmelzung aus persönlicher Qual, okkultem Schrecken und gesellschaftlichem Versagen. Der Fall ist ein Paradebeispiel dafür, wie traumatisierte Seelen in den Abgrund der Gewalt gerissen werden können, wenn kein Schutz und keine Hilfe in Sicht sind. Für Honduras bleibt sie eine düstere Mahnung an fast unfassbares Leid – und an die Notwendigkeit, endlich wirksame Strategien gegen Kindesmissbrauch und soziale Ausgrenzung zu entwickeln. Dir wünsche ich viel trotz dieser nervenaufreibenden True Crime Story viel Freude mit meinen Fotos von Honduras Hauptstadt Tegucigalpa. 🙂







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