Mario Stiebitz, geboren 1962 in Ost-Berlin, gilt als einer der berüchtigtsten Serienmörder der DDR. Im Jahr 1985 wurde er wegen fünffachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, eine Strafe, die beinahe vier Jahrzehnte andauerte, bis sie schließlich im Jahr 2024 aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes unterbrochen wurde. Die Geschichte von Stiebitz ist ebenso erschreckend wie faszinierend und lässt uns einen Blick in die dunklen Abgründe eines Menschen werfen, der zeitweise die gesamte Region in Angst und Schrecken versetzte. Mario Stiebitz wuchs in der kontrollierten Umgebung von Ost-Berlin auf. Er absolvierte seine Schulausbildung und begann danach eine Lehre als Elektromonteur. Sein Weg führte ihn weiter zur Nationalen Volksarmee, wo er seinen Grundwehrdienst ableistete und sich entschloss, als Berufssoldat zu bleiben. Er erreichte den Rang eines Feldwebels und war am Militärflugplatz Cölpin bei Neubrandenburg stationiert. Diese Position verschaffte ihm nicht nur einen festen sozialen Status im sozialistischen System, sondern auch Zugang zu einem Lebensstil, der weitgehend reglementiert und überwacht wurde. Unerklärlicherweise brach Stiebitz im Jahr 1983 in eine mörderische Gewaltorgie aus. Seine Mordserie begann am 16. Juli 1983, als er einen 22-jährigen Mann in Neubrandenburg auf einer Parkbank erstach. Das Opfer, angetrunken nach einem Gaststättenbesuch, war auf der Bank eingeschlafen und wurde von Stiebitz durch mehrere Messerstiche getötet. Die Leiche des Mannes versteckte er skrupellos in einem Gebüsch nahe eines Ziegengeheges. Passanten entdeckten die Überreste erst am 1. August desselben Jahres, womit der Albtraum für die Polizei begann.

Eine Woche nach seinem ersten Mord, am 26. Juli 1983, fand das nächste Verbrechen statt. Diesmal war das Opfer ein neun Jahre alter Schüler in der Nähe des Tollensesees. Auch hier gelang es zunächst nicht, Stiebitz mit der Tat in Verbindung zu bringen. Ein Verdächtiger, Karl-Heinz D., ein alkoholkranker und polizeibekannter Rowdy, wurde festgenommen. Fälschlicherweise gestand er die Morde, was ihn zu einer langjährigen Haftstrafe wegen Verbrechen, die er nie begangen hatte, führte. Erst im August 1984 konnte seine Unschuld bewiesen werden, und er wurde freigelassen. In der Nacht zum 3. September 1983 ging Mario Stiebitz erneut auf die Suche nach einem Opfer. In Strasburg bemerkte er einen betrunkenen jungen Mann, der ein Haus betrat. Stiebitz nutzte eine Leiter, um durch ein offenes Fenster ins Schlafzimmer des Mannes einzubrechen. Doch das Opfer wehrte sich heftig und alarmierte seine Eltern, woraufhin Stiebitz fluchtartig den Tatort verließ und sein Messer zurückließ. Aufgrund der ungenauen Beschreibung des Opfers, das zum Zeitpunkt des Übergriffs betrunken war, konnte die Polizei Stiebitz nicht fassen. Am 23. September 1983 traf Stiebitz auf zwei junge Brüder, neun und zehn Jahre alt. Beim Pilze sammeln in einem Waldstück bei Oranienburg wurden sie sein nächstes Ziel. Er machte auch vor diesen Kindern nicht Halt und ermordete sie mit derselben kaltblütigen Brutalität. Schließlich, am 7. Februar 1984, entführte er einen sechsjährigen Schüler in Neubrandenburg und erwürgte ihn im Hausflur eines Wohnblocks. Der Mordrausch endete fast tragisch am 8. Juli 1984, als Stiebitz am Kiessee bei Schildow zwei zehnjährige Jungen angriff. Diese konnten sich jedoch befreien und alarmierten ihre Eltern. Der Vater eines der Jungen zog unverzüglich mit Bekannten los, um den Mörder zu stellen. Stiebitz wurde gewaltsam bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. In der Untersuchungshaft zeigte Stiebitz keine Reue und gestand schriftlich die ihm vorgeworfenen Taten. Dabei kamen noch weitere geplante Verbrechen und Morde ans Licht, die er akribisch dokumentiert hatte. Die Ermittler entdeckten in seiner Wohnung ein Buch mit dem Titel „Geheime Privatsache“, in dem Stiebitz die Morde detailliert beschrieben hatte. Am 19. November 1985 stand Mario Stiebitz vor dem Bezirksgericht Neubrandenburg. Die Beweislage war erdrückend, und angesichts der Schwere der Taten erging das erwartete Urteil: lebenslange Haft für Mord in fünf Fällen, versuchten Mord in einem Fall und geplanten Mord in zwanzig weiteren Fällen. Stiebitz wurde in die Justizvollzugsanstalt Bautzen überführt, wo er lange Zeit inhaftiert blieb. Seine Versuche, eine vorzeitige Entlassung zu erreichen, scheiterten wiederholt, zuletzt im November 2013. Im Jahr 2024 kam es zu einer bemerkenswerten Wendung. Die Staatsanwaltschaft Berlin entschied auf Grundlage medizinischer Gutachten, dass Stiebitz‘ Gesundheitszustand eine erneute Gefährdung von Menschen eher unwahrscheinlich erscheinen ließ. Deshalb wurde am 4. April 2024 die Vollstreckung der lebenslangen Haftstrafe ausgesetzt. Diese Entscheidung entfachte eine kontroverse Diskussion über die ethischen und rechtlichen Dimensionen der Haftentlassung schwerkrimineller Täter. Die Gesellschaft sah sich mit Fragen konfrontiert: Kann ein Mensch, der solch grausame Taten verübt hat, jemals rehabilitiert werden? Wie stark darf der Gesundheitszustand eines Verurteilten die Entscheidung über seine Freiheit beeinflussen? Mario Stiebitz Geschichte bleibt eine erschreckende Mahnung, die sowohl die dunkelsten Seiten der menschlichen Natur als auch die Komplexität von Gerechtigkeit und Strafvollzug beleuchtet. Die Angst, die er einst verbreitete, verblasst vielleicht mit der Zeit, doch die Erinnerung an die Opfer und die Trauer ihrer Angehörigen bleiben bestehen. Die Geschichte ruft dazu auf, wachsam zu bleiben und mit den unbegreiflichen Facetten menschlicher Destruktivität verantwortungsbewusst umzugehen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Berlin. 🙂





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