Die Tragödie und das Verbrechen von Toni Jo Henry, geboren als Annie Beatrice McQuiston, gehören nach wie vor zu den berüchtigtsten Kriminalfällen in Louisiana. Diese Frau, die am 28. November 1942 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde, hinterließ Spuren, die bis heute nachwirken. Toni Jo Henry wurde am 3. Januar 1916 in der Nähe von Shreveport im US-Bundesstaat Louisiana, als drittes von fünf Kindern geboren. Schon in jungen Jahren erlebte sie eine Tragödie: Ihre Mutter starb an Tuberkulose, als Toni Jo erst sechs Jahre alt war. Ihr Vater heiratete erneut, aber ihr neues Familienleben brachte ihr kein Glück. Im Alter von dreizehn Jahren nahm sie eine Stelle in einer Pasta-Fabrik an, verlor diese jedoch, als bekannt wurde, dass ihre Mutter an einer ansteckenden Krankheit gestorben war. Ihr Vater reagierte gewalttätig, was Toni Jo dazu veranlasste, das Elternhaus für immer zu verlassen. Bald fand sie einen Weg, in der Welt, in die sie hineingezogen worden war, zu überleben. Sie begann eine Karriere als Prostituierte in der Unterwelt von Shreveport und geriet in einen Strudel aus Drogenkonsum und Kriminalität. Mit ihrer zierlichen Figur und ihrem auffallend schönen rabenschwarzen Haar hatte sie kein Problem, Kunden zu finden. Mit sechzehn Jahren war Toni Jo vollständig in diesem Milieu gefangen – sie rauchte, trank und konsumierte Cannabis. Sie wurde mehrmals wegen verschiedener Vergehen, darunter Körperverletzung, verhaftet, entging jedoch aufgrund ihres jungen Alters einer Gefängnisstrafe. 1939 lernte Toni Jo den gut aussehenden Claude „Cowboy” Henry in dem Bordell kennen, in dem sie nun arbeitete. Der in Ungnade gefallene Cowboy hatte eine kriminelle Vergangenheit und stand kurz vor seinem zweiten Prozess wegen des Todes eines ehemaligen Polizisten. Trotz seiner Probleme und ihrer Drogenabhängigkeit funkte es zwischen den beiden. Cowboy schaffte es, Toni Jo von den Drogen zu befreien, und die beiden heirateten am 25. November 1939. Aber ihr Glück währte nicht lange, da Cowboy sich schon bald erneut vor Gericht wegen dem Polizistenmord verantworten musste. Trotz Toni Jos Bitten, zu fliehen, erschien er vor Gericht und wurde zu 50 Jahren im Staatsgefängnis in Huntsville verurteilt. Für Toni Jo brach eine Welt zusammen, die Cowboys Notwehr-Version geglaubt und fest mit einem Freispruch gerechnet hatte. Sie war entschlossen, ihn um jeden Preis zu befreien, und schmiedete daher gewagte Pläne, um Cowboy aus dem Gefängnis zu holen. Diese Pläne führten sie schließlich auf einen dunklen Weg und der Bekanntschaft mit dem jungen Harold Burks, genannt Arkinsaw oder Arkie, einem Deserteur aus der Armee und ehemaligen Häftling in Huntsville, der angeblich über Kenntnisse verfügte, von dort zu fliehen. Toni Jo beschloss mit Arkie eine Bank zu überfallen, um dadurch das Geld für die Flucht aus dem Gefängnis zu erhalten. Die Waffen für den Überfall hatte sie aus einem Waffengeschäft stehlen lassen. Am Valentinstag 1940 wollte Toni Jo mit Arkie ihren Plan eine Bank auszurauben in die Tat umsetzen. Sie bewaffneten sich und machten sich auf den Weg nach Arkansas, wo sie sich als frisch verheiratetes Paar ausgaben und per Anhalter fuhren. Als sie in Orange angekommen waren, suchten sie nach einem passenden Auto für den Banküberfall, als sie auf Joseph P. Calloway stießen, der in einem neuen Ford V8 Coupé unterwegs war. Diesen wollte er an einen Freund ausliefern. Als er das junge Paar sah, bot er ihnen spontan eine Mitfahrangelegenheit an, was ihm zum Verhängnis werden sollte. Denn nachdem sie Lake Charles passiert hatten, zwang Toni Jo ihn schließlich mit vorgehaltener Waffe, von der Hauptstraße abzubiegen. Sie fuhren auf eine ruhige Straße, wo Calloway anhalten sollte. Dann musste dieser sich entkleiden. Nachdem sie ihn ausgeraubt und in den Kofferraum gesperrt hatten, fuhren die beiden weiter, bis Toni Jo einen abgelegenen Ort fand. Dort befahl sie Calloway, sich hinzuknien und zu beten, bevor sie ihn kaltblütig erschoss. Nach dem Mord flohen Toni Jo und Arkie zunächst. Sie fuhren nach Camden und checkten in einem Motel ein. Als Toni Jo endlich schlief, machte sich Arkie klangheimlich aus dem Staub, da er entsetzt über die Brutalität von Toni Jos eiskalten Mord an dem unschuldigen Calloway war. Allein und mittellos kehrte Toni Jo per Busticket nach Shreveport zurück, wo sie bei einer ehemaligen Freundin Unterschlupf fand. Diese informierte jedoch ihre Tante, die wiederum ihren Bruder, einen Polizisten verständigte, der seinem Kollegen Bescheid gab. Dieser fuhr zu Toni Jos Haus, wo Sergeant Dave Walker schließlich Toni Jo verhaftete, nachdem sie ihm das gesamte Verbrechen gestanden und ihm sogar den Revolver ausgehändigt hatte, mit dem sie Calloway erschossen hatte. Die Ermittlungen führten zur Entdeckung von Calloways Leiche und zur eindeutigen Identifizierung der Tatwaffe als Eigentum von Toni Jo. Sie wurde wegen Mordes angeklagt und vor Gericht gestellt. Der Prozess stieß auf großes Medieninteresse, und Toni Jo wurde als „sinnliche Brünette” beschrieben, was die Dramatik des Verfahrens noch verstärkte. Im ersten Prozess im März 1940 wurde sie schnell für schuldig befunden und zum Tode durch den Strang verurteilt. Nach mehreren Berufungen und Wiederaufnahmeverfahren wurde sie schließlich erneut zum Tod, aber diesmal durch den elektrischen Stuhl verurteilt – eine damals in Louisiana neue Hinrichtungsmethode. Während ihrer Zeit im Gefängnis zeigte Toni Jo keine Reue für ihre Taten. Kurz vor ihrer Hinrichtung sprach sie mit ihrem Ehemann Cowboy und drängte ihn, auf sich aufzupassen und etwas aus seinem Leben zu machen. Cowboy war so verzweifelt über die Hinrichtung seiner geliebten Toni Jo, dass er am 23. November 1942 einen Fluchtversuch mit einem Komplizen aus dem Gefängnis unternommen hatte, um Toni Jo zu befreien, doch beide wurden schnell wieder gefasst. Toni Jo wurde schließlich am 28. November 1942 um 12:05 Uhr auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Zuvor hatte man ihren Schädel rasiert, um die Elektroden anzubringen. Dabei soll Toni Jo bitterlich geweint haben. Ihre letzten Worte waren eine kurze Weigerung, weitere Aussagen zu machen, und sie ging mit bemerkenswerter Gelassenheit in den Tod. Toni Jos Komplize Arkie erlitt das gleiche Schicksal wie Toni Jo und wurde einige Monate später ebenfalls auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Cowboy wurde 1945 aus dem Gefängnis entlassen, starb jedoch wenig später am 15. Juli 1945 als er während einer Schlägerei mit einem Barkeeper erschossen wurde. Die Geschichte von Toni Jo Henry, die durch die Tücken des Lebens zur Mörderin wurde und schließlich als einzige Frau in Louisiana auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde, bleibt eine warnende Erzählung über die Abgründe der menschlichen Existenz, zeigt aber auch, dass tiefe Gefühle, zu irrationalen Handlungen führen können. Letztendlich hat Toni Jo durch Cowboy Liebe gefunden, die sie niemals zuvor gespürt hatte. Vielleicht war sie deshalb so gelassen, als sie hingerichtet wurde. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Baton Rouge im US-Bundesstaat Louisiana. 🙂









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