Ende der 1980er Jahre erschütterte ein wahrhaft furchterregender Kriminalfall das Vereinigte Königreich und die ganze Welt: Der ehemalige Detective Sergeant Rodney Whitchelo, einst ein hoch angesehener Beamter der Metropolitan Police, verwandelte sich in einen skrupellosen Erpresser, der bereit war, unschuldige Menschenleben zu gefährden, um seine finsteren Ziele zu erreichen. Es war 1986, als Whitchelo und seine Kollegen ein Vortrag über Konsumterrorismus und Unternehmenserpressung besuchten. Der Referent erklärte ausführlich, wie Erpresser Unternehmen bedrohen konnten, indem sie ihnen mit der Manipulation ihrer Produkte drohten und damit den Ruf ihrer Marke ruinierten, wenn sie keine hohen Geldsummen zahlten. Dieses Wissen sollte später für Whitchelo eine entscheidende Rolle spielen. Whitchelo wurde 1947 im belebten Londoner Stadtbezirk Hackney geboren, der nach dem Besuch der Hackney Secondary Modern School, einen Job beim Chemieunternehmen Johnson Matthey annahm, bevor er in einem Marketingunternehmen in Greenwich tätig wurde. Anno 1976 entschied er sich im Alter von 29 Jahren sich am Hendon Police College einzuschreiben, um der Metrolitan Police beizutreten, was seinen Wunsch nach mehr direkten Kontakt zu den Menschen entsprach. Nach seinem erfolgreichen Abschluss wurde er zunächst Waffenoffizier. Im Laufe seiner Karriere stieg er schließlich zum Detective Sergeant auf. Er galt unter seinen Kollegen als rechtschaffener und ehrlicher Polizist, der nebenbei eine Computerfirma gründete. Doch diese trieb ihn letztendlich in den Bankrott, weshalb er einen perfiden Plan schmiedete, als ihn sein Asthma in den Ruhestand zwang. In seiner Verzweiflung griff er auf das zurück, was er in dem Vortrag gelernt hatte. Whitchelo wurde zu einem Erpresser, der im August 1988 unter dem Pseudonym „Romeo und Julia” einen Brief sowie eine mit Gift präparierte Dose Hundefutter an Pedigree Petfoods schickte. Er drohte, ihre Produkte mit farblosen, geruchlosen und hochgiftigen Substanzen zu vergiften, wenn sie nicht 100.000 Pfund zahlen würden. Diese Drohung war mehr als nur heiße Luft. Vor seiner Karriere bei der Polizei hatte Whitchelo für ein Chemieunternehmen gearbeitet und verfügte über das nötige Wissen, um diese Drohungen in die Tat umzusetzen. Als ehemaliger Kriminalbeamter wusste er auch, dass das größte Risiko bei Erpressungen im Zahlungsprozess liegt. Um nicht erwischt zu werden, wies er Pedigree an, das Geld auf drei verschiedene Konten bei drei verschiedenen Banken einzuzahlen, die er unter einer anonymen Postadresse eingerichtet hatte. Das Abheben des Geldes an verschiedenen Geldautomaten, die ein Tageslimit von 300 Pfund hatten, wäre mühsam gewesen, aber Whitchelo war alles andere als faul. Die Polizei wies Pedigree an, das Geld nur auf das Konto bei der Halifax Bank einzuzahlen. Sie hoffte, dadurch die Bewegungen des Erpressers besser überwachen zu können. Aber Whitchelo war schlauer und hob das Geld an zufällig ausgewählten Geldautomaten im ganzen Land ab, sodass es fast unmöglich war, seine Bewegungen vorherzusagen. Im März 1989 verschlechterte sich die Lage drastisch. Heinz erhielt einen Erpresserbrief von „Romeo und Julia“, in dem damit gedroht wurde, Babynahrung zu vergiften und mit zerbrochenen Rasierklingen zu spicken, wenn das Unternehmen nicht fünf Jahre lang jährlich 100.000 Pfund zahlen würde. Die Polizei musste nun eine umfassende Überwachungsaktion starten und Beamte an jedem der 900 Halifax-Geldautomaten im Land postieren. Man hoffte, dass der Erpresser glauben würde, eine so gewaltige Aufgabe sei für die Polizei unmöglich zu bewältigen. Aber Whitchelo wusste genau, was vor sich ging. Obwohl er offiziell im Ruhestand war, gehörte er immer noch zur Polizeigemeinschaft und traf sich regelmäßig mit den Ermittlern, die an seinem Fall arbeiteten. Da er sich bewusst war, dass alle Geldautomaten überwacht wurden, stellte er seine Abhebungen ein. Als er später beim Abheben des Geldes gefilmt wurde, trug er einen Motorradhelm und blieb unerkannt. Whitchelos Handlungen hatten verheerende Folgen. Mit giftigen Substanzen versetzte Babynahrung und zerbrochene Rasierklingen führten dazu, dass fünf Babys ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Eine Untersuchung ergab, dass ein Glas genug Gift enthielt, um 27 Kinder zu töten. Es war ein Wunder, dass niemand starb, und die Polizei stand unter enormem Druck, den Fall aufzuklären. In ihrer Verzweiflung ging die Polizei schließlich an die Öffentlichkeit. Dieser Schritt führte zu Tausenden von Nachahmerbriefen und einem dramatischen Rückgang der Verkäufe von Heinz-Produkten. Das Unternehmen beschloss, eine Belohnung von 100.000 Pfund für Hinweise zum Täter auszusetzen – ein Köder, der schließlich zu Whitchelos Untergang führte. Entschlossen, das Belohnungsgeld selbst zu kassieren, schickte Whitchelo einen Brief, in dem er behauptete, Informationen über die „Romeo und Julia”-Bande zu haben. Die Ermittler vermuteten, dass es sich eher um den Erpresser als um einen Informanten handelte, und wiesen Heinz an, das Geld auf die angegebenen Konten zu überweisen, um weitere Abhebungen zu provozieren. Am 18. Oktober 1989 hatte Whitchelo Pech. Er wählte einen Geldautomaten, der von Polizisten überwacht wurde. Als diese einen Mann mit Motorradhelm aus einem Auto steigen sahen, schlugen sie zu und Whitchelos Schreckensherrschaft fand ein Ende. Die Erleichterung über seine Verhaftung wurde durch die Enthüllung getrübt, dass der Täter keineswegs Teil einer organisierten Verbrecherbande war, sondern ein ehemaliger Polizeimitarbeiter. Whitchelo wurde zu einer 17-jährigen Haftstrafe verurteilt, aber 1998 nach nur neun Jahren aus der Haft entlassen. Seine grausame Tat, Babynahrung mit Natriumhydroxid und Rasierklingen zu vergiften, schockierte das ganze Land. Heinz erlitt durch den Produktrückruf einen Verlust von 30 Millionen Pfund. Whitchelos Wissen und sein ehemaliges Polizeinetzwerk ermöglichten es ihm, sich lange Zeit den Behörden zu entziehen. Letztendlich waren es jedoch genau diese Fähigkeiten, die zu seinem Untergang führten. Rodney Whitchelo gilt als einer der furchterregendsten Verbrecher der Moderne. Sein Fall ist eine düstere Erinnerung daran, wie tief ein Mensch sinken kann, wenn er sich auf den Weg der Kriminalität begibt. In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Freude mit meinen Fotos von London. 🙂






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