Die Wilde Wanda: Wiens einziger weiblicher Strizzi

Isabella Mueller @isabella_muenchen Wien

Wiens einziger weiblicher Zuhälter, in Österreich Strizzi genannt, war Wanda Gertrude Kuchwalek, besser bekannt als die „Wilde Wanda“. Diese lesbische Revoluzzerin, die nach dem Motto: „Entweder du kriegst oder du teilst aus“ lebte, avancierte durch ihre unverwechselbare Art zu einer Kultfigur in Wien. Wanda bekennende Lesbe, die 1,75 Meter groß war und herbe Gesichtszüge hatte, trug stets einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd, Cowboymascherl und Schlapphut, die es tatsächlich schaffte ihren Platz im Männer beherrschten Rotlichtmilieu zu sichern. Selbst Rotlichtgrößen wie Heinz Bachmeier alias der „Rote Heinz“ oder Franz Altmann „Der Oide“ hatten Respekt vor ihr, deren Markenzeichen eine ausziehbare Stahlrute war, die sie versteckt in ihrem Cowboystiefel trug. Doch wer war die „Wilde Wanda“, die sich zu einem der unvergessenen Wiener Originale gemausert hat? Wanda erblickte am 22. Januar 1947 in der Donaumetropole Wien das Licht der Welt. Ihre Mutter war eine Zirkusakrobatin, die als Schlangentänzerin auftrat und ihr Vater war ein russischer Besatzungssoldat, den sie jedoch nie kennen lernte. Ihre Kindheit war bis zu ihrem sechsten Lebensjahr vom Zirkusleben der Mutter geprägt. Dann kam sie in ein Erziehungsheim in der Wiener Neustadt, in dem sie von Männern und Frauen vergewaltigt wurde. Im Alter von 14 Jahren musste sie zum ersten Mal ins Gefängnis. Bereits mit 20 Jahren gingen schon zehn Vorstrafen auf ihr Konto. In dieser Zeit lernte sie ihren langjährigen Strafverteidiger Herbert Eichenseder kennen. Insgesamt kam sie auf 25 Strafen. Wanda entdeckte früh, dass sie sich zum weiblichen Geschlecht hingezogen fühlte und ihre erste Geliebte wurde die rothaarige Prostituierte namens Winnetou. Um Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen schnupperte Wanda ab den 1960er Jahren Rotlicht-Luft. Doch zunächst selbst als Prostituierte bis sie ihr eigenes Business im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt rund um den Prater aufbaute und junge, bisexuelle Frauen, mit denen sie auch Sex hatte, für sich arbeiten ließ. Wenn diese nicht spurten, griff Wanda zu brutalen Mitteln. So zerschnitt sie mit einer Rasierklinge einer ihrer Prostituierten das Gesicht, wofür sie 1970 zu drei Haft verurteilt wurde. Genauso rigoros ging sie gegen nicht bezahlende Freier oder Rotlichtgrößen vor. Mit ihrer selbstbewussten und brutalen Art konnte sie sich unter den männlichen Zuhältern behaupten, die sie regelmäßig im „Cafe Elvira“ in Wiens 22. Gemeindebezirk Donaustadt traf. Die Wilde Wanda war einfach nicht zu bändigen, vor allem wenn sie Alkohol und Unmengen des Aufputschmittels Preludin genommen hatte. Dann konnte es passieren, dass sie im Nachtcafé einen Mann die Armbanduhr mit einem Revolver vom Handgelenk schoss oder im „Wirtshaus Goller“ im 21. Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf einfach dem Stammgast Alfred V. ein Messer in den Hals rammte, weil er ihrem Pitbull Terrier „Lady“ in den Bauch getreten hatte. Wanda war unberechenbar und streckte selbst vor Gericht die Zunge heraus oder verführte einfach zwei Justizbeamtinnen als sie 1972 im Gefängnis saß, die fortan nach ihrer Pfeife tanzten. Dafür wurden diese zu 5 Jahren Haft verurteilt und Wanda bekam wegen Anstiftung weitere 10 Jahre. Neben ihrer Liebe zu Pitbull Terriern war Wandas wichtigste Bezugsperson ihre Großmutter. Als diese 1991 starb, fiel Wanda in ein tiefes Loch. Danach verliebte sie sich in die blonde Inge Marchi, die sie während eines ihrer Gefängnisaufenthalte kennen gelernt hatte. Doch wenige Monate nachdem beide in Freiheit offen ihre Liebe lebten, verließ Inge Wanda. Für Wanda brach eine Welt zusammen. In ihrer Verzweiflung betrank sie sich mit Barcardi-Cola und rief Inge bei der Arbeit an. Sie drohte ihr so fürchterlich, dass die Polizei sogar vor ihrer Wohnung in der Engerthstraße auf sie wartete. Mit zunehmenden Alter wurde Wanda tatsächlich ruhiger. Zwar gehörten gelegentliche Zechtouren mit ihren alten Bekannten noch immer zu ihrem Alltag, doch mit ihren rund 350 Euro, die sie zur Verfügung hatte, waren keine großen Sprünge drin. Für Abwechslung neben ihrem neuen Pitbull Terrier „Kojak“ sorgten gelegentliche Interviews beim ORF, die sie aus der Alltagsroutine herausrissen. Ausgerechnet Weihnachten 1995 meldete sich wieder ihre blonde Ex-Geliebte Inge bei ihr. Es kam erneut zu einem Intermezzo, das in einer kalten Januarnacht aber wieder endete. Denn Wanda schlug Inge in deren Auto zwei Mal so heftig, dass deren Unterlippe platzte. Daraufhin landete Wanda wieder in Untersuchungshaft. Am 4. September 2004 im Alter von 58 Jahren starb die mittellose Wanda Gertrude Kuchwalek, nach der sich die 2012 gegründete Wiener Pop-Band Wanda benannte. Bis heute zählt die „Wilde Wanda“ zu einer der Wiener Kultfiguren, die bis und nach ihrem Tod immer für eine Schlagzeile gut war. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Wiener Prater, dem einstigen Revier der „Wilden Wanda“. 🙂


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Herzlich Willkommen auf meiner Reise durch Kreativität und Entdeckung! Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die faszinierenden kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Mit TrueCrime Blog 187.news geht’s in die Abgründe des Verbrechens. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Schließlich lädt truecrime.ch dazu ein, die dunklen Seiten der Schweiz und Europas zu entdecken: wahre Verbrechen, wahre Geschichten. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!