Im Juni 1780 erlebte London fünf Tage schwere Unruhen, die in die Geschichtsbücher als die Gordon-Riots eingingen, benannt nach ihrem Anführer Lord George Gordon. Dieser pensionierte Marinelieutnant und Präsident der Protestantischen Vereinigung führte Anfang Juni eine Menge von 40.000 Menschen an, die auf dem Weg zum Unterhaus waren, um dort eine Petition zur Aufhebung des Roman Catholic Relief Acts von 1778 zu überreichen. Dabei handelte es sich um ein bedeutendes Gesetz, dass einige Diskriminierungspraktiken gegen die Katholiken abschaffte, jedoch keine volle Religionsfreiheit gewährte. Alle, die mit Gordon zum Parlament zogen, trugen blaue Kokarden und hielten blaue Fahnen mit der Aufschrift „Kein Papstum“ in den Händen. Der Protest geriet jedoch schnell außer Kontrolle, und am Abend begann der Mob, prominente katholische Kirchen anzugreifen. Erste Opfer waren die Sardinische Kapelle, nahe Lincoln’s Inn Fields und die Bayerische Kapelle in der Warwick Street. Die Fenster wurden eingeschlagen und die Türen gewaltsam geöffnet, und nachdem die Aufständischen ins Innere gelangt waren, verwüsteten sie das Interieur und setzten die Möbel in Brand, was zur vollständigen Zerstörung einiger Gebäude führte. Nur die Bemühungen von Soldaten und Passanten retteten die Bayerische Kapelle vor der totalen Vernichtung. Später richteten die Aufständischen ihre Aufmerksamkeit auf die Wohnungen und Geschäftsbetriebe von Katholiken und griffen auch einige große öffentliche Gebäude wie die Bank of England, das King’s Bench Prison sowie die Gefängnisse Newgate, Fleet und Marshalsea an. Am Mittwochabend wurde berichtet, dass man von der London Bridge aus nicht weniger als sechsunddreißig verschiedene Gebäude sehen konnte, die in Flammen standen. Glücklicherweise war es ein stiller Sommerabend, und die Feuer breiteten sich nicht allzu sehr aus. Es dauerte bis Freitag, den 9. Juli, bis die Unruhen endgültig niedergeschlagen wurden. Bei den Gordon-Riots gab es schätzungsweise 285 Todesopfer, 173 Verletzte und 139 Festnahmen. Die meisten Opfer waren unter den Aufständischen zu finden, nachdem die Armee am Mittwoch, dem 7. Juni, eingriff, um die Unruhen zu beenden. Anfangs hatte die Regierung nur zögerlich auf die Unruhen reagiert. Das erste Treffen zur Diskussion darüber fand erst am Montag statt, drei Tage nach Beginn der Unruhen, und selbst dann gab es eine sehr halbherzige Reaktion. Das Parlament tagte am Dienstag, dem 6. Juni, und wurde durch die Proteste des Mobs gestört. Einige der Richter stellten sich auf die Seite der Protestantischen Vereinigung, andere waren einfach nicht mutig genug, den Riot Act zu lesen, welcher eine Voraussetzung dafür war, dass Soldaten und Polizisten bemächtigt waren die Aufstände gewaltsam aufzulösen. Erst am Mittwoch griff König George ein und befahl der Armee, die aus 12.000 Soldaten bestand, die Aufständischen zu erschießen und festzunehmen. Die Zahl der Opfer war wie bereits erwähnt sehr hoch. Bis Donnerstagabend waren die Gordon-Unruhen so gut wie vorbei, und hinterließen einen riesigen Schaden. Lord George Gordon wurde wegen Hochverrats angeklagt, doch seine Verteidigung durch den berühmten Anwalt Thomas Erskine führte zu einem Freispruch und er setzte seine Tätigkeit als Abgeordneter fort. Später wurde er wegen Verleumdung von Marie Antoinette inhaftiert und starb 1793 im Newgate-Gefängnis. Zwei der Gefangenen, die verhaftet wurden, waren Mary Roberts und Charlotte Gardiner, die am 8. Juni zusammen mit 40 anderen Personen das Wohnhaus von Mr. John Lebarty verwüstet hatten. Mr. Lebarty war ein italienischer Herr, der ein Gasthaus und Geschäft in St. Catherine’s Lane betrieb. Mary Roberts war eine ehemalige Nachbarin von Mr. Lebarty und er hatte sie wegen ihres asozialen Verhaltens von der Gemeindepolizei aus ihrem Quartier entfernen lassen. Mary wohnte immer noch in einer der angrenzenden Straße, die einen Groll gegen Mr. Lebarty hegte. Als sie am Montagabend vor seinem Haus auftauchte, beschimpfte sie ihn und versprach, sein Eigentum zu zerstören, da es ein katholisches Haus sei. Sie wiederholte diese Drohungen am Dienstag und setzte sie dann am Mittwoch mit Hilfe anderer in die Tat um. Die Drohungen wurden auch von Mr. Lebartys Nachbarn gehört. In den frühen Morgenstunden des Donnerstags hatten Mary und ihre Mitangeklagte Charlotte die Überreste des Hauses übernommen und wurden dabei gesehen, wie sie Dinge aus dem Haus warfen. Die beiden Frauen wurden am 28. Juni 1780 zusammen vor Lord Chief Baron Skynner verurteilt. Mr. Lebarty, seine Dienstmagd, die fünfzehnjährige Elisabeth Frazer und mehrere seiner Nachbarn erschienen zur Anklage. Sie legten dem Gericht klare Identifikationsnachweise für Mary vor und berichteten von den Ereignissen der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Zeugen bezeugten Charlottes sehr aktive Rolle bei der Zerstörung und wie sie die anderen Aufständischen dazu anspornte, daran teilzuhaben. Nach kurzer Beratung befand die zweite Middlesex-Jury beide für schuldig. Mary und Charlotte wurden in das Tothill Fields-Gefängnis gebracht, um auf ihre Hinrichtung zu warten. Zusammen mit William McDonald wurden sie am Dienstag, dem 11. Juli 1780, an einem speziell errichteten Galgen auf Tower Hill gehängt. An beiden Frauen war damit ein Exempel statuiert worden. Der berühmte englische Autor Charles Dickens schrieb über die Gordon-Riots 1841 sogar das Buch „Barnaby Rudge“, da die Aufstände der Protestanten gegen die Katholiken fast zum totalen Umsturz Englands geführt hätten. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von London. 🙂




















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