Lloyd Avery II war ein Name, der einst mit Hollywoodglanz verbunden war, bevor er durch eine düstere Wendung zu einem Sinnbild für das tragische Ende eines vielversprechenden Lebens wurde. Einst gefeierter Schauspieler, der durch seine Rolle im Gangsterdrama „Boyz n the Hood“ Berühmtheit erlangte, stürzte Avery nicht nur ab, sondern wurde selbst Teil der kriminellen Welt, die er einst nur spielte. Sein Leben endete auf schockierende Weise, und die Umstände um seinen Tod werfen noch heute Fragen auf. Lloyd Avery II erblickte am 21. Juni 1969 in Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien das Licht der Welt. Er wuchs in einer relativ wohlhabenden Familie auf, die ihm Zugang zu Bildung und sozialen Möglichkeiten bot. Während Averys Vater Lloyd in seiner eigenen Firma als Klempner, Elektriker und Zimmermann arbeitete, kümmerte sich seine Mutter Linda um seine 3 Geschwister und den Haushalt, bis sie später eine Stelle in einer Bank annahm. Avery lebte mit seiner Familie in einem großen Haus mit Pool im Arbeiterviertel View Park, das neben Baldwin Hills lag, dem sogenannten „Black Beverly Hills“. Avery besuchte die Beverly Hills High School, wo er Baseball und Wasserball spielte. Avery, der 1,85 Meter groß und sehr beliebt war, galt als Partygänger, der jedoch weder Alkohol noch Drogen konsumierte, dafür ließ er gern auf Partys kleine Gegenstände mitgehen, was als Partyspiel „Party and Pouch“ bekannt war. Diese privilegierte Grundlage unterschied ihn von vielen anderen jungen Männern in den Straßen von South Central Los Angeles, die von Gewalt und Armut geprägt waren. Erstmals mit der Polizei in Konflikt geriet Avery 1988 als er nach dem Verlassen einer Party an der UCLA mit Studenten aneinander geriet. Es kam zu einer Schlägerei, bei der Schüsse fielen. Avery wurde schließlich wegen des Besitzes eines gefälschten Ausweises inhaftiert, was ihm drei Tage Gefängnis einbrachte. Avery strebte eine Musikkarriere an, der mit den Kindern von Quincy Jones, Smokey Robinson und Clarence Avant befreundet war. Doch statt einer Karriere als Musiker schaffte es Avery mit seinem markanten Aussehen und seiner Präsenz die Aufmerksamkeit der Casting-Direktoren auf sich zu ziehen. Er war mit John Singleton befreundet, der ihn unbedingt in seinem Regiedebüt „Boyz n the Hood“ dabei haben wollte. Dieser Film, der dem 23 Jahre alten John Singleton Oscarnominierungen für die Beste Regie und das beste Originaldrehbuch einbrachte, wurde Averys Durchbruch. Der Film spiegelte die brutale Realität des Lebens in den vernachlässigten Stadtteilen von Los Angeles wider. Avery spielte darin die Rolle eines Mitglieds der Bloods-Gang, das eine zentrale Figur des Films erschießt – eine Szene, die sowohl ikonisch als auch verstörend war. Als Knucklehead Nr. 2 erschoss er mit einer abgesägten Schrotflinte aus dem offenen Fenster eines roten Hyundai den flüchtenden Footballstar Ricky Baker. Diese kleine Rolle mit gerade einmal vier Szenen und acht Dialogzeilen machte ihn weltberühmt. Doch ironischerweise zog diese Rolle ihn später in die Art von Leben hinein, die der Film zu kritisieren versuchte. Nach dem Kinostart von „Boyz n the Hood“, der Unsummen an den Kinokassen einspielte, zog Avery 1991 in „The Jungle“, ein Viertel im Süden von Los Angeles, dass als Hochburg der Bloods-Gang gilt, der sich so stark mit dem dort herrschenden Straßenleben verbunden fühlte, dass er sich über seine linke Augenbraue das Wort „JUNGLEZ“ tätowieren ließ. Avery erhielt nach seinem Durchbruch weitere Rollen, darunter kleinere Auftritte in Filmen wie „Poetic Justice“ und „Don’t Be a Menace to South Central While Drinking Your Juice in the Hood“. Dennoch blieb ihm die große Hollywoodkarriere verwehrt. Viele Berichte aus dieser Zeit zeichnen das Bild eines Mannes, der zunehmend mit persönlichen und beruflichen Herausforderungen kämpfte. Obwohl Avery ursprünglich aus einer stabilen Umgebung kam, begann er sich in den gefährlichen Straßen von Los Angeles aufzuhalten, wo Bandenkriminalität und Gewalt an der Tagesordnung waren. Freunde und Bekannte berichteten später, dass Avery eine Faszination für die Lebensweise von Gangmitgliedern entwickelte, die in direktem Widerspruch zu seiner Herkunft stand. Es war, als würde er versuchen, die Rolle, die er einst gespielt hatte, auch in seinem Alltag zu leben. Mitte der 1990er Jahre hatte Avery nicht nur beruflich Probleme, sondern auch außerhalb der Filmwelt geriet sein Leben zunehmend außer Kontrolle. Er wurde Mitglied einer Straßengang, die in West Los Angeles operierte, und war Berichten zufolge in mehrere gewaltsame Vorfälle verwickelt. Freunde und Familienmitglieder konnten nur hilflos zusehen, wie sich Lloyd Avery II immer weiter von seiner ursprünglichen Identität als vielversprechender Schauspieler entfernte. Im Jahr 1999 erreichte sein Leben einen Wendepunkt als er am 1. Juli 1999 Annette Lewis und Percy Branch im sogenannten „Jungle“ mit einer Pistole vom Kaliber .45 erschoss, um eine Drogenschuld einzutreiben. Danach flüchtete er und schaffte es sogar eine Rolle im Film „Lockdown“ zu ergattern, weshalb er nach New Mexico reiste. Doch bald musste er New Mexico aufgrund verschiedener krimineller Delikte verlassen. Zurück in Los Angeles konzentrierte sich Avery ganz auf die Schauspielerei. Er spielte im Film Shot mit, wurde aber kurz nach Abschluss der Dreharbeiten wegen Doppelmordes von 1999 verhaftet. Der einstige Schauspieler, der für viele als Vorbild galt, saß nun hinter Gittern und wartete auf seinen Prozess. Im Jahr 2005 wurde Lloyd Avery II zu lebenslanger Haft wegen zweifachen Mordes verurteilt und in das Pelican Bay State Prison, eine Hochsicherheitsanstalt in Kalifornien, überstellt. Während seiner Inhaftierung gab es Berichte, dass Avery sich spirituell verändert habe. Er soll sich zum Christentum bekehrt und versucht haben, andere Insassen zu inspirieren, ein besseres Leben zu führen. Er erhielt aufgrund seines neu gefundenen Glaubens den Namen „Baby Jesus“. Trotz dieser äußerlichen Transformation änderten sich die harten Gefängnisbedingungen nicht. Das Pelican Bay State Prison hat einen Ruf für Gewalt und grausame Kämpfe zwischen rivalisierenden Insassen, und Avery war mittendrin. Am 4. September 2005 ereignete sich jedoch etwas, das die Nachrichten von Los Angeles bis weit darüber hinaus erschütterte. Lloyd Avery II wurde tot in seiner Zelle aufgefunden. Er war von seinem Zellengenossen Kevin Roby, einem berüchtigten Satanisten, brutal ermordet worden. Laut offiziellen Berichten hat Roby Avery stranguliert und dessen Leiche anschließend verstümmelt. Die Sicherheitskräfte des Gefängnisses entdeckten die Tat erst Tage später, da Roby Averys Leiche in die Mitte eines Pentagramms gelegt hatte, das er mit Averys Blut gezeichnet hatte. Die Hintergründe seines Todes werfen noch heute viele Fragen auf. Warum konnte ein so brutaler Mord in einer angeblich gut überwachten Hochsicherheitsanstalt geschehen? Hätte Avery besser geschützt werden können? Die Antworten bleiben unklar, doch sein Tod verdeutlicht nicht nur die Brutalität des Gefängnislebens, sondern auch die Tragik seines gesamten Abstiegs. Averys Geschichte ist eine schmerzliche Erinnerung daran, wie schnell sich ein Leben ändern kann – von Hoffnung und Erfolg zu Verzweiflung und Gewalt. Seine Faszination für die Lebensrealität von Straßengangs scheint zunächst harmlos gewesen zu sein, entwickelte sich jedoch zu einem Sog, dem er nicht entkommen konnte. Obwohl Avery talentiert und charismatisch war, ließ er sich von einer düsteren Umwelt beeinflussen, die ihn letztendlich verschlang. Seine Geschichte wirft auch Fragen über die Verantwortung der Film- und Unterhaltungsindustrie auf. Filme wie „Boyz n the Hood“ sollen soziale Missstände aufzeigen und kritisieren, doch es besteht immer die Gefahr, dass sie genau jene Lebensweise glorifizieren, die sie eigentlich anprangern wollen. Im Fall von Avery führte die Darstellung der Realität offensichtlich dazu, dass er sich mit den falschen Idealen identifizierte. Das Leben und der Tod von Lloyd Avery II sind eine komplexe und tragische Geschichte, die zeigt, wie leicht sich ein vielversprechendes Leben auf dunkle Wege begeben kann. Es ist eine Mahnung sowohl an junge Menschen als auch an die Gesellschaft insgesamt, vorsichtig mit den Botschaften umzugehen, die sie vermitteln. Während Lloyd Avery II einst Hoffnung für eine erfolgreiche Karriere in Hollywood hatte, wurde er später zu einem weiteren tragischen Opfer der Gewalt und der Verlorenheit, die in den Straßen von Los Angeles herrschen. Sein Vermächtnis ist zweifellos zwiespältig. Einerseits bleibt er als talentierter Schauspieler in Erinnerung, der im Film Geschichten erzählte, die Millionen Menschen berührten. Andererseits steht er als warnendes Beispiel für die zerstörerischen Auswirkungen eines Lebens, das von Gewalt und falschen Entscheidungen geprägt ist. Bis heute fasziniert und entsetzt sein Schicksal gleichermaßen, und es bleibt abzuwarten, ob seine Geschichte andere davon abhalten kann, denselben Fehler zu machen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Los Angeles. 🙂










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