Im Jahr 1934 ereignete sich in einem ruhigen Dorf in der Nähe von Horncastle in der Grafschaft Lincolnshire ein abscheuliches Verbrechen, das die Nation erschütterte und die Öffentlichkeit in seinen Bann zog. Am 24. Mai 1934 vergiftete die 43-jährige Ethel Major ihren 44-jährigen Ehemann Arthur mit Strychnin. Dieses hatte sie in sein Corned-Beef-Sandwich gemischt, weshalb sie den Namen „Corned-Beef-Killerin“ von der Presse verpasst bekam. Der Mord an Arthur Major war ein Verbrechen, das die Abgründe einer gescheiterten Ehe und die dunklen Geheimnisse zweier Menschen offenlegte. Ethel Lillie Brown, wie sie vor ihrer Heirat hieß, erblickte 1891 im beschaulichen Dorf Little Cawthorpe als Tochter des Wildhüters Thomas Brown, der auf dem Gut von Sir Henry Hawley arbeitete und dort im Pförtnerhäuschen wohnte, das Licht der Welt. Ethel wuchs mit ihren drei Brüdern in bescheidenen Verhältnissen auf, die im Alter von 14 Jahren die Schule beendete und danach eine Ausbildung als Schneiderin absolvierte. Anschließend arbeitete Ethel in Grimsby als Dienstmädchen, wo sie 1914 heimlich ihre uneheliche Tochter Auriel zur Welt brachte, deren Vater sie stets geheim hielt. Um den Schein zu wahren, wurde Auriel von Ethels Eltern aufgezogen und als Ethels Schwester ausgegeben, da es zur damaligen Zeit ein Skandal ein uneheliches Kind zur Welt zu bringen. Vier Jahre später, im Sommer 1918, heiratete Ethel den Veteranen des Ersten Weltkrieges Arthur Major, der als LKW-Fahrer in einer Kiesgrube tätig war. Anno 1920 brachte sie ihren Sohn Lawrence zur Welt. Dennoch sollten die Schatten der Vergangenheit ihre Ehe bald einholen. Denn immer wieder gab es Gerüchte um Auriel, die schließlich auch Arthur zu Ohren kamen. Arthur konfrontierte damit Ethel, die ihm die ganze Wahrheit über Auriel gestand. Doch als Arthur unbedingt wissen wollte, wer der Vater war, weigerte sich Ethel, dies preiszugeben. Dies belastete ihre ohnehin schon angespannte Beziehung zusätzlich. Arthur distanzierte sich immer mehr von Ethel, der sich nicht nur dem Alkohol, sondern auch anderen Frauen zuwandte. Ethel hingegen wurde durch ihre jähzornige Art in der Gemeinde immer unbeliebter, die sich zunehmend distanzierte und jeden Abend einen Kilometer Fußmarsch in Kauf nahm, um bei ihren Eltern zu übernachten. Im Frühjahr 1934 beschuldigte Ethel Arthur, Briefe von einer anderen Frau erhalten zu haben, und es gab Spekulationen, dass Ethel diese Briefe möglicherweise selbst geschrieben hatte, um ihn zu belasten. Die Ehe von Arthur und Ethel war toxisch. Täglich kam es zu Streitereien und Arthur drohte Ethel gegenüber Gewalt an. Ethel hingegen war frustriert, da Arthur offenbar eine Affäre mit ihrer Nachbarin namens Rose Kettleborough hatte. Ethel setzte alles daran, Arthur aus ihrer Sozialwohnung in Kirkby-on-Bain zu vertreiben, in dem sie ihn nicht nur bei der Polizei anzeigte, weil er betrunken bei seiner Arbeit LKW fuhr, sondern sie erzählte jedem über dessen Seitensprünge. Dies führte dazu, dass Arthur sich rächte, in dem er einen Artikel in den Horncastle News publizierte. Darin teilte er mit, dass er nicht mehr für die Schulden seiner Ehefrau aufkommen würde. Die Lage spitzte sich immer mehr zu. Als Arthur am 22. Mai 1934 ein Corned-Beef-Sandwich aß, bekam er starke Bauchschmerzen, Krämpfe und konnte kaum mehr sprechen. Daraufhin wurde der Arzt Dr. Smith geholt, der glaubte, dass Arthur an einer leichten Form von Epilepsie litt. Zwei Tage später starb er. Auch der Hund eines Nachbarn starb, nachdem er Reste des Corned-Beef-Sandwiches gefressen hatte. Arthurs Tod wurde zunächst auf Epilepsie zurückgeführt, und die Beerdigung war für den 26. Mai angesetzt. Doch ein Brief änderte alles. Dieser war von einem anonymen Hinweisgeber, der sich „Fairplay“ nannte, an die Gerichtsmedizin geschickt worden. Darin teilte er mit, dass Arthur von seiner Ehefrau vergiftet worden sei. Die Gerichtsmedizin kontaktierte die Polizei, die die Beerdigung stoppte und Ethel zum Verhör mitnahm. Die Autopsie, durchgeführt vom renommierten Pathologen Dr. Roche Lynch, ergab, dass sowohl Arthur als auch der Hund mit Strychnin vergiftet worden waren. Ethels Vater hatte zu Hause verschiedene Gifte in einer verschlossenen Truhe zur Schädlingsbekämpfung aufbewahrt. Der Schlüssel zu der Truhe, der zunächst verschwunden war, wurde schließlich in Ethels Handtasche gefunden. Während ihres Verhörs behauptete Ethel, sie wisse nichts von den Giften, und bestritt zudem, dass ihr Mann an einer Strychninvergiftung gestorben sei – eine Tatsache, die die Polizei bis dahin noch nicht einmal erwähnt hatte. Diese Widersprüche führten schließlich dazu, dass Ethel wegen Mordes angeklagt wurde. Während des Verhörs gab Ethel an, dass sie nicht mehr im selben Zimmer wie ihr Mann schlafen konnte, weil er so stark roch. Als sie zu ihrer Tat befragt wurde, sagte sie, Arthur sei ein verabscheuungswürdiger Mensch gewesen und sie fühle sich nach seinem Tod viel besser. Ethel Majors Prozess begann am 28. Oktober 1934 vor Richter Charles. Sie wurde von dem renommierten Anwalt Norman Birkett QC verteidigt, der bis dato noch nie einen Mordprozess verloren hatte. Doch trotz seiner Bemühungen brauchte die Jury nur etwas mehr als eine Stunde, um Ethel für schuldig zu befinden. Während des Prozesses kam ans Licht, dass Ethel ihrem Arzt gesagt hatte: „Ein Mann wie der verdient es nicht zu leben. Ich werde ihn umbringen!“ Der Arzt hatte diese Aussage jedoch nicht ernst genommen. Ethels Schuld zeigte sich auch während der polizeilichen Verhöre. Auf ihre Behauptung, sie habe nie Strychnin besessen, entgegnete Chief Inspector Young: „Ich habe Strychnin nie erwähnt. Woher wussten Sie, dass Ihr Mann daran gestorben ist?“ Ethels Antwort: „Oh, tut mir leid. Das muss ein Irrtum gewesen sein.“ Ethel brach nach der Urteilsverkündung in Tränen aus und musste aus dem Gerichtssaal geführt werden. Ihr Versuch, gegen das Urteil mit der Begründung zu Berufung einzulegen, der Richter sei befangen gewesen, scheiterte. Ungewöhnlicherweise schrieb Richter Charles an den Innenminister, Sir John Gilmour, und empfahl Milde. Dennoch blieb das Todesurteil bestehen, da Begnadigungen in Fällen von Vergiftung nicht möglich waren. Auch der Oberbürgermeister von Hull setzte sich für eine Begnadigung für Ethel ein, in dem er an den Buckingham Palast schrieb. Doch auch der König und die Königin griffen nicht ein. Am 19. Dezember 1934 wurde Ethel Lillie Major im Gefängnis von Hull von Tom Pierrepoint und seinem Neffen Albert hingerichtet. Dies war die letzte von zehn Hinrichtungen und die einzige Hinrichtung einer Frau in Hull. Ihre Geistergeschichte dient bis heute als düstere Erinnerung an diese tragischen Ereignisse. Im April 2011 eröffnete Ethels Enkel Lawrence im Gefängnis von Hull eine Ausstellung mit dem Titel „Within These Walls“. Diese Ausstellung erinnert an die Geschichte von Ethel Major und hält die Erinnerung an die dunklen Tage des Jahres 1934 lebendig. Mit seinem schockierenden Ausgang und seinen historischen Komplexitäten bleibt der Fall Ethel Major eines der faszinierendsten und zugleich tragischsten Kapitel der britischen Kriminalgeschichte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von London. 🙂







Entdecke mehr von Spannende Krimis und Abenteuertipps für wahre Entdecker!
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
