Miami, die pulsierende Metropole im Süden Floridas, ist bekannt für ihre traumhaften Strände, lebhaften Stadtviertel und ihr aufregendes Nachtleben. Doch zwischen September 1994 und Januar 1995 wurde die Stadt von einer dunklen Wolke des Terrors überschattet. Der kolumbianisch-amerikanische Serienmörder Rory Enrique Conde, später bekannt als der „Tamiami-Trail-Würger“, hinterließ eine blutige Spur und ermordete auf brutale Weise sechs Sexarbeiterinnen. Seine Verbrechen schockierten nicht nur die Stadt, sondern die gesamte Nation. Wer war dieser Mann, und was trieb ihn dazu, solch abscheuliche Taten zu begehen? Rory Enrique Conde wurde am 14. Juni 1965 in Barranquilla in Kolumbien geboren. Schon in den ersten Monaten seines Lebens erlitt er einen schrecklichen Verlust: Seine Mutter starb an Tetanus, als er gerade einmal sechs Monate alt war. Rory und seine Schwester Nelly wurden daraufhin von ihrer Großmutter Maria Rojas großgezogen. Im Alter von zwölf Jahren zog die Familie nach Miami, um bei Rorys Vater Gustavo Conde, einem Angestellten einer Fluggesellschaft, zu leben. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn war jedoch alles andere als harmonisch. Rory empfand seinen Vater als emotional missbräuchlich, während Gustavo seinen Sohn als introvertiert und isoliert beschrieb. Auch Rorys spätere Ehe zeigte von Anfang an Anzeichen von Instabilität und Gewalt. Rory war 21 Jahre alt, als er mit der erst 15 Jahre alten Carla Boddel den Bund für Leben einging. Sie bekamen zwei Kinder, doch die Ehe war nicht glücklich, da Rory oftmals gewalttätig gegenüber seiner Ehefrau wurde. Seine Frau Carla behauptete später, dass Rory möglicherweise sexuell von seinem Vater missbraucht worden sei – eine Unterstellung, die nie bewiesen wurde, die aber vielleicht Aufschluss über sein späteres Verhalten gab. Nach ihrer Hochzeit im Jahr 1987 schien es zunächst so, als führe Rory ein normales Leben: Er arbeitete für ein Holzunternehmen, ging in die Kirche und war Vater von zwei Kindern. Doch die Fassade begann bald zu bröckeln. Rory und Carlas Ehe war geprägt von Gewalt und Kontrollzwang. Carla berichtete später, wie ihr Mann sie mehrfach geschlagen und gedemütigt hatte – selbst während ihrer Schwangerschaft war sie vor seinen Übergriffen nicht sicher. Ein besonders beunruhigender Vorfall ereignete sich, als Rory seine hochschwangere Frau nackt aus der Wohnung warf, um sie später wieder hereinzulassen. In den 1990er Jahren eskalierten die Spannungen weiter. Rory zog sich immer mehr zurück, und sein Verhalten wurde zunehmend bizarr. Carla entdeckte, dass er anderen Frauen nachspionierte und nicht nur heimlich vor deren Schlafzimmer onanierte, sondern sie auch regelmäßig mit Prostituierten betrog, um sexuelle Fantasien auszuleben. Als sie ihn damit konfrontierte, reagierte er mit Gewalt. Die Ehe hielt dieser Belastung nicht stand – Carla nahm schließlich die Kinder und verließ ihn. Dies war der Wendepunkt in Rorys Leben. Was folgte, war eine Serie brutaler Morde, getrieben von Wut, Frustration und, wie es scheint, tiefsitzenden psychischen Problemen. Am 17. September 1994 wurde die Leiche von Rorys ersten Opfers entdeckt: Lazaro Comesana, ein sich als Frau verkleidender Sexarbeiter, bekannt unter den Namen „Vanessa“ oder „Jessica“. Nach Condes späteren Aussagen tötete er Comesana, nachdem er beim Geschlechtsverkehr festgestellt hatte, dass Comesana ein Mann war. Doch das war erst der Anfang. Innerhalb von fünf Monaten hatte Conde fünf weitere Opfer auf dem Gewissen, allesamt Frauen, die als Sexarbeiterinnen im Bereich des Tamiami Trail tätig waren. Die Brutalität seiner Verbrechen schockierte Ermittler und Öffentlichkeit gleichermaßen. Sein zweites Opfer war die 44 Jahre alte drogenabhängige Sexarbeiterin Elisa „Daphne“ Martinez, deren Leiche Anwohner nahe der Florida International University am 8. Oktober 1994 entdeckten. Insbesondere die Botschaften, die er am Leichnam seines dritten Opfers, der 23 Jahre alten Prostituierten Charity Fay Nava, hinterließ, offenbarten die abgrundtiefe Psyche des Täters. Mit einem Stift hatte er er auf ihrem Gesäß und Rücken folgende Notiz hinterlassen: „Drittes! (ein Smiley als Punkt über dem ‚i‘) Ich werde Dwight Chan anrufen“ – ein direkter Verweis auf den bekannten Nachrichtensprecher Dwight Lauderdale. Damit wollte er die Polizei und die Medien direkt herausfordern. Einige der Leichen wurden auf Parkplätzen, in Seitenstraßen oder sogar in der Nähe einer Polizeileitstelle abgelegt. Die Öffentlichkeit war in Aufruhr, und viele Sexarbeiterinnen verließen aus Angst vor dem Würger die Gegend. Nur wenige Tage nach dem Leichenfund von Charity Fay Nava, wurde die Leiche der 38 Jahre alten Wanda Cook Crawford gefunden. Zwei Monate später am 19. Dezember gab es erneut eine Leiche, diesmal die der 28 Jahre alten Prostituierten Necole Schneider. Nach diesem Leichenfund bestätigten die Ermittler, dass entlang des Tamiami Trail, ein Serienkiller wütete. Daraufhin zogen viele Prostituierte aus der Gegend weg, aus Angst das nächste Opfer des gefürchteten „Tamiami-Trail-Strangler“ zu werden. Das letzte Opfer von Conde war die 21 Jahre alte Sexarbeiterin Rhonda Dunn, deren Leiche am 12. Januar 1995 gefunden wurde. Im Februar 1995 traf Conde die Sexarbeiterin Cheryl Peterson, die eine Schlüsselrolle bei den Ermittlungen spielen sollte. Ohne zu ahnen, dass sie es mit dem Serienmörder zu tun hatte, verbrachte sie Zeit mit ihm und bemerkte seine Traurigkeit, als er von seiner zerbrochenen Ehe und seinen Kindern sprach. Ob bewusst oder unbewusst – diese Begegnung markierte den Beginn seines Untergangs. Bei ihrem zweiten Treffen spürte Peterson, dass etwas Ungewöhnliches an ihm war, und notierte sich vorsichtshalber sein Kfz-Kennzeichen – ein Detail, das sich später als entscheidend erweisen sollte. Der ausschlaggebende Wendepunkt kam jedoch erst Monate später, als Bewohner eines Wohnblocks durch das Fenster von Condes Wohnung eine nackte, gefesselte Frau sahen. Alarmiert riefen sie die Polizei. Als diese eintraf, befreiten sie aus Condes Wohnung die 30 Jahre alte Sexarbeiterin Gloria Maestre, die berichtete, dass Conde sie vergewaltigt und gefesselt hatte. Conde war zu diesem Zeitpunkt außer Haus, da er bei einer Gerichtsverhandlung im Zusammenhang mit einer anderen Straftat war. Als er die Polizei vor seiner Wohnung bemerkte, ergriff er sofort die Flucht. Insgesamt war Conde 5 Tage auf der Flucht, bevor er im Haus seiner geliebten Großmutter von der Polizei festgenommen wurde. Die Ermittler hatten endlich den Mann gefunden, nach dem sie suchten, doch die Beweise mussten ihre Erkenntnisse untermauern. DNA-Analysen brachten Conde mit fünf der sechs Mordopfer in Verbindung. Bei intensiven Verhören gestand er schließlich seine Schuld und offenbarte ein beunruhigendes Motiv: Sein Hass auf seine Frau und der Schmerz über ihren Verlust hatten ihn dazu getrieben, diese Verbrechen zu begehen. Er beschrieb sogar, wie er mit den Leichen gesprochen und ihnen die Schuld am Zerbrechen seiner Familie gegeben hatte. Rory Conde wurde schließlich wegen sechsfachen Mordes sowie wegen Vergewaltigung und Diebstahls angeklagt. Der erste Prozess konzentrierte sich auf den Mord an Rhonda Dunn, seinem letzten Opfer. Die Beweislage war erdrückend – sein Geständnis, die DNA-Spuren und die Zeugenaussagen machten eine Verteidigung praktisch unmöglich. Conde wurde zum Tode verurteilt. Im Jahr 2001 bekannte er sich schuldig, die übrigen fünf Morde begangen zu haben, um weitere Gerichtsverfahren zu vermeiden, und wurde zu fünf lebenslangen Freiheitsstrafen ohne Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung verurteilt. Nach Jahren der Berufungen und rechtlichen Anfechtungen gelang Conde schließlich ein Durchbruch. Im Jahr 2016 wurde sein Todesurteil auf der Grundlage des Präzedenzfalls „Hurst v. Florida“ aufgehoben, der vorschrieb, dass die Geschworenen einstimmig für ein Todesurteil stimmen müssen. Seitdem wartet er auf ein mögliches Wiederaufnahmeverfahren bezüglich seines Urteils. Dennoch bleibt eine Frage unbeantwortet: Kann eine neue rechtliche Entwicklung jemals die Schrecken seiner Taten mildern? Der Fall von Rory Enrique Conde offenbart die komplexe Natur von Gewalt, psychischen Traumata und einem tiefsitzenden Hass, der in einer Reihe grausamer Verbrechen gipfelte. Angesichts der Aussicht auf ein neues Verfahren bleibt der „Tamiami-Trail-Würger“ eine düstere Erinnerung an die dunklere Seite von Miami. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Miami. 🙂











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