Das Colombischlössle, ein neugotisches Meisterwerk, thront majestätisch auf einer ehemaligen Bastion der Vaubanschen Festungsanlage in Freiburg. Diese beeindruckende Villa im Tudorstil ließ zwischen 1859 und 1861 die extravagante Gräfin Maria Gertrudis Antonia de Colombi y de Bode nach einem Entwurf des Architekten Georg Jakob Schneider errichten. Doch die Gräfin lebte nur knapp drei Jahre in diesem prachtvollen Bau, der bis heute einen zentralen Platz in der Stadt einnimmt und das Erbe einer Familie ist, deren Namen und Geschichten immer noch lebendig sind. Die Villa, die im englischen Gotikstil erbaut wurde, gibt bereits einen Hinweis auf die faszinierende Herkunft der schillernden Bauherrin.So kam deren Großmutter Mary Kynnersley of Loxley Park aus England, die 1775 mit dem deutschen Freiherrn Karl Ludwig Friedrich August von Bode in London den Bund fürs Leben einging. Das Ehepaar bekam 11 Kinder, eines davon war die berühmte Baroness Marie, mit denen sie nach der Französischen Revolution emigrieren mussten. Der Freiherr, der als Offizier in einem fremden Regiment diente, fand 1796 Zuflucht in Sankt Petersburg. Dort gelang es ihm, durch die Unterstützung von Zarin Katharina ein Gut auf der Krim zu erhalten und eine lebenslange Rente, die auch über seinen Tod hinaus gewährleistet war. Die Baroness Marie, geboren 1782, erlebte wiederum eine außergewöhnliche Verbindung in ihrem Leben. Anno 1805 lernte die damals 27 Jahre alte Baroness den 60 Jahre alten spanischen Generalkonsul Don Antonio Colombi y Payet kennen. Ein Mann, der erfolgreich mit Wein, Öl und kolonialen Produkten handelte und sich in aristokratischen Kreisen bewegte. Kurz gesagt, er war eine äußerst gute Partie. Trotz ihrer Mutter, die große Bedenken wegen des Altersunterschiedes hatte, kam es 1807 durch Vermittlung des Zaren Alexander I. zur Eheschließung. Doch Don Antonio starb bereits 1811, der seine junge Witwe mit ihrer erst zwei Jahre alten Tochter, Maria Gertrudis Antonia Clementia, zurückließ. Dank des Engagements ihres Vaters erhielt die kleine Komtess den Titel einer Gräfin Colombi, einer Vizegräfin von Bode sowie den Rang einer Grande von Spanien. Die Witwe, Gräfin Marie de Colombi, war nun gefordert, ihr Leben neu zu gestalten. Sie lebte in Frankreich und England, bevor sie schließlich in Freiburg an der Erasmusstraße sesshaft wurde. Am 1. Februar 1830 erwarb Gräfin Marie das Bürgerrecht von Freiburg. Ihre Tochter, Maria Gertrudis, heiratete 1832 den Grafen Salvador de Zea Bermudez y Buzo. Auch er war in diplomatischen Diensten tätig und die Familie zog nach Paris, später nach Brüssel, Lissabon und Wien. Doch das Glück war der Gräfin nicht immer hold, da ihr Ehemann 1852 im Alter von nur 49 Jahren an einer Blinddarmentzündung verstarb. Die Gräfin Colombi y de Bode war nun alleine mit ihren sieben Kindern, von denen mehrere früh verstarben. Nach Jahren des Umherirrens beschloss sie, mit ihren beiden Töchtern Maria do Loreto und Maria Cristina nach Freiburg zurückzukehren. Zunächst lebten sie am Karlsplatz, bevor die Gräfin ihren eigenen Witwensitz, das legendäre Colombischlössle, errichten ließ, den sie jedoch nur drei Jahre bewohnte, bis sie am 6. August 1863 starb. Drei Jahre nach dem Tod der Gräfin starb ihre Tochter Maria Cristina an einer Lebensmittelvergiftung, die am nächsten Tag den Grafen Richard von Kageneck ehelichen wollte. Nach den tragischen Todesfällen verkauften die Geschwister Fernando, Salvador José und Maria do Loreto die Villa und das dazugehörige Parkgelände zwischen 1867 und 1869. In diesem geschichtsträchtigen Gebäude, das wie durch eine Wunder allen Kriegen standhielt, ist seit dem 28. November 1983 das Museum für Ur- und Frühgeschichte, heute besser bekannt als das Archäologische Museum, beheimatet, das nicht nur Geschichtsinteressierte anzieht, sondern auch neugierige Besucher, die bereit sind, sich auf die mysteriösen Geschichten einzulassen, die mit diesem Ort verbunden sind. Denn wenn die Sonne untergeht, werfen die Schatten der alten Mauern unheimliche Bilder auf die Wiese davor. Die Legende besagt, dass in den nächtlichen Stunden ein schwarzer Pudel mit glühenden Augen über den Hof streift. Sein eindringlicher Blick lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Die Herkunft des schwarzen Pudels wird in den Überlieferungen auf den Vater der Gräfin zurückgeführt, den spanischen Generalkonsul Don Antonio Colombi y Payet, dessen Reichtum aus angeblich fragwürdigen Quellen stammte. Es wird gemunkelt, dass er sein Vermögen nicht nur durch den Handel mit Waren, sondern auch durch den Sklavenhandel anhäufte. Als Strafe für seine Gier und Untaten soll seine Seele in die Gestalt eines Pudels verbannt worden sein, ruhelos und auf ewige Wanderschaft in den Nachtstunden verdammt. Viele sagen, man könne noch immer sein Heulen hören, wenn Vollmond ist und der Wind durch die Bäume pfeift. Neben dem schwarzen Pudel gibt es noch eine Frau in einem weißen Kleid, die nachts über dem Dach des Schlösschens schwebt. Diese geheimnisvolle Frauengestalt, die weiße Braut von den Freiburgern genannt wird, soll die Tochter Maria Cristina der Gräfin sein, die auf mysteriöse Weise vor ihrer Hochzeit mit dem Grafen Richard von Kageneck durch eine vergiftete Speise ums Leben kam. Seitdem erscheint die gefallene Braut in ihren weißen Kleidern und wandelt über die Dächer des Schlösschens, ihre Präsenz ist eine ständige Erinnerung an die Verluste und Geheimnisse ihres Lebens. Wer sich nun fragt, wie all diese Geschichten mit der Stadt Freiburg in Verbindung stehen, dem sei ein Spaziergang zum Alten Friedhof empfohlen, da dort Maria Gertrudis Antonia de Colombi y de Bode, ihre Mutter Marie de Colombi und die Tochter Maria Cristina de Zea Bermudez y Colombi ihre letzte Ruhestätte fanden. Das Colombischlössle und seine Umgebung sind nicht nur ein Ort von historischem Interesse, sondern auch ein Raum, in dem sich die Geschichten von Verlust, Trauer und dem Übernatürlichen miteinander verweben. Ob man nun auf der Suche nach Erholung ist oder sich für die unheimlichen Erzählungen interessiert, dieser Ort bietet für jeden etwas. Die Legenden um die Gräfin Maria, die tragische Geschichte ihrer Familie und die ruhelosen Seelen sind dichte Gewitterwolken, die über der Stadt hängen. Aber vielleicht ist es genau diese schaurig-schöne Atmosphäre, die die Freiburger und Touristen Jahr für Jahr in ihren Bann zieht. Und so bleibt die Frage offen: Was wird man beim nächsten Besuch entdecken? Vielleicht begegnet man ja dem schwarzen Pudel oder sieht gar die weiße Braut über das Dach des Colombischlössle gleiten, denn die Geschichten der Vergangenheit warten nur darauf, wieder erzählt zu werden. In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Freude mit meinen Fotos vom Colombischlössle in der Schwarzwaldmetropole Freiburg. 🙂


















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