Der Al Capone von der Pfalz

Isabella Mueller @isabella_muenchen Zweibrücken

Ein Mann, der als Al Capone von der Pfalz in die deutsche Kriminalgeschichte einging, war Bernhard Kimmel. Dieser wurde am 21. Mai 1936 in der Schweizer Gemeinde Liestal geboren und verbrachte seine frühe Kindheit dort und bei seiner Großmutter in Basel, bevor ihn sein Vater nachdem Scheitern der Ehe während des Zweiten Weltkrieges ins pfälzische Lambrecht mitnahm. Er absolvierte erfolgreich Anfang der 1950er Jahre eine Lehre als Tuchweber. Doch seine wahre Berufung fand er als Anführer der fünfköpfigen, kriminellen Kimmel-Bande, die spezialisiert auf Überfälle war. Die Bande setzte sich aus Rudi Hartmann, der Mann fürs Grobe, Lutz Cetto, der als Vertreter lukrative Gegenstände auskundschaftete, Benno Kratz, der Fahrer und Mathilde Dohn, Bernhard Kimmels Freundin, auch Revolver-Tilly genannt. zusammen. In berüchtigter Manier des Gangsterbosses Al Capone begann die Kimmel-Bande zwischen 1957 bis 1961 mit gefundenen Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg in der Gegend um Lambrecht über 187 Strafdelikte und erbeutete dabei die stolze Summe von 150.000 Mark, die sie in Aluminium-Milchkannen versteckten und im Pfälzerwald vergruben. Die Polizei tappte völlig im Dunkel bis es zu der verhängnisvollen Nacht am 31. Dezember 1960, der Silvesternacht kam, die alles veränderte. Die Kimmel-Bande trieb wieder ihr Unwesen in ihrem geliebten Pfälzerwald, wo sie im angetrunkenen Zustand die Totenkopfhütte in Brand steckten. Danach machten sie sich zur 1 Kilometer entfernten Hellerhütte auf, wo sie wild um sich schossen. Als der Hüttenwart Karl Werk die Jugendlichen zur Rede stellen wollte, schoss Lutz Cetto völlig unerwartet gegen 3 Uhr morgens mit einer 9-Millimeter-Armeepistole, einer Walther P88, auf den Hüttenwart, der noch auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb. An ihn erinnert bis heute ein Ritterstein vor der Hellerhütte. Die Polizei konnte die Kimmel-Bande bis auf ihren Anführer und seine Freundin fassen. Diese hatten sich im Pfälzerwald versteckt und wurden in einer Großfahndung von 1.000 Polizisten gesucht, jedoch ohne Erfolg. Nach einer Woche stellten sich Bernhard Kimmel und seine Freundin Mathilde Dohn, da die Temperaturen im Wald auf Dauer zu frostig waren. Doch wenige Tage danach passiert bei einem Ortstermin am Brechloch das Unglaubliche, Bernhard Kimmel floh erneut mit seiner Freundin. Doch wie konnte es dazu kommen, dass Bernhard Kimmel trotz Anwesenheit des Kripochefs Fleischmanns und drei Polizisten fliehen konnte? Ganz einfach, er bat die Beamten ihm seine Handschellen abzunehmen, um seinen Mantel ganz gentlemanlike seiner frierenden Freundin zu geben. Als die Polizisten ihm die Handschellen abnahmen, sprang Kimmel einen sechs Meter tiefen Hang hinunter, holte aus einem nahe gelegenen Versteck seine Waffen, befreite danach seine Freundin und flüchtete in den Pfälzerwald. Nach vier Tagen stellte er sich wieder der Polizei. In einem aufsehenerregenden Prozess am Landgericht Frankenthal wurde Bernhard Kimmel im Jahr 1963 zu 14 Jahren Haft verurteilt und 1970 wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Der Todesschütze Lutz Cetto wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, brachte sich nach wenigen Monaten Haft schließlich selbst um. Bernhard Kimmel wurde dank seines Al Capone-Images zum gefragten Medienstar der Yellow Press, dessen Verbrechen sogar unter der Regie von Franz Peter Wirth mit den Schauspielern Christof Wackernagel und Rainer Werner Fassbinder unter dem Titel „Al Capone im deutschen Wald“ verfilmt wurde. Bernhard Kimmel genoss den Rummel um seine Person in vollen Zügen. Da er den Nervenkitzel vermisste, überfiel er zusammen mit zwei Komplizen am 12. Dezember 1981 in Bensheim eine Sparkasse. Als die Bande von herbeigeeilten Polizisten gestellt wurde, zündete Kimmel eine Splittergranate, die den 26 Jahre alten Polizeibeamten Achim Beck zum Krüppel machte. Sein 31 Jahre alter Kollege Hubert Rupprecht, verheiratet und Vater von zwei Kindern, schoss er in den Kopf. Dieser erlag wenige Tage danach seiner schweren Schussverletzung. Kimmel, der selbst von einer Kugel getroffen wurde, konnte zwar fliehen, wurde aber kurz darauf in seiner Wohnung verhaftet und anschließend zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Von dieser saß er 22 Jahre im Hochsicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt ab, wo er sich als Künstler versuchte und Plastiken und Skulpturen aus Ton herstellte, die sogar ausgestellt wurden. Nach seiner Entlassung war Bernhard Kimmel gefragter denn je. So drehte der Regisseur Peter Fleischmann 2006 eine 45 Minuten lange Dokumentation über Bernhard Kimmel, der bis heute ausreichend Stoff für Filme und Bücher liefert. Heute lebt Bernhard Kimmel in einer kleinen Wohnung im Altenheim, von der aus er bis heute Interviews der Presse gibt und von seiner Zeit als Al Capone schwärmt, dessen Beute in den vergrabenen Aluminium-Milchkannen nie gefunden wurde. Im Gegensatz zu seinen Opfern, vor allem Achim Beck, der heute im Rollstuhl sitzt, bleibt Bernhard Kimmel unvergessen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom Naturerlebnispfad der rheinlandpfälzischen Stadt Zweibrücken. 🙂

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