Die zerstückelte Leiche im Aasee

Isabella Mueller @isabella_muenchen Münster

Ein absoluter Albtraum ist plötzlich verhaftet, mitten aus dem Leben gerissen und vollkommen unschuldig hinter Gitter zu landen. Dies wurde für Maria Rohrbach bittere Realität. Doch wie konnte es zu diesem Justizskandal kommen? Alles begann damit, dass am 17. April 1957 zwei Kinder beim Spielen in Münster zwei große Pakete im Gebüsch des Aasee-Ufers entdeckten. Als sie diese öffneten, fanden sie eine zerstückelte männliche Leiche ohne Kopf. Anhand des Gürtels, der in einem der Pakete lag und in dem ein Name eingeritzt war, konnte die Polizei die kopflose Leiche als Hermann Rohrbach identifizieren. Schnell geriet seine Ehefrau, Maria Rohrbach, ins Visier der Ermittler. Da diese eine Affäre mit einem 16 Jahre älteren englischen Soldaten hatte, wegen der es in letzter Zeit zum Streit zwischen den Eheleuten gekommen war, obwohl Hermann Rohrbach diese duldete, weil er selbst homosexuell war. Hermann Rohrbach war ein Gelegenheitsarbeiter, der nur von seiner Ehefrau Maria Rohrbach getötet worden sein konnte, das dachte zumindest die Polizei. Doch es gab keine Beweise und Maria Rohrbach bestritt vehement ihren Ehemann getötet zu haben. Zudem blieb der Kopf der Leiche verschwunden. Um Maria Rohrbach als Täterin zu überführen, wurde der bayerische Gutachter Prof. Specht zu den Ermittlungen hinzugezogen. Dieser stellte bald fest, dass Maria Rohrbach ihren Ehemann mit dem Rattengift Celiopaste vergiftet hatte. Dieses enthält den Giftstoff Thalliumsulfat, den der Prof. Specht im Ofenrohr in der Wohnung der Rohrbachs gefunden hatte. Prof. Specht ging davon aus, dass Maria Rohrbach den Kopf ihres Ehemannes im Kohleofen verbrannt hatte. Maria Rohrbach wurde anhand dieser Indizien vom Landgericht Münster wegen Mordes an ihrem Ehemann angeklagt und tatsächlich am 18. April 1958 zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Doch im Sommer 1959 passierte das Unfassbare, der Kopf von Hermann Rohrbach wurde in einem ausgetrocknetem Tümpel gefunden. Am 3. Mai 1961 kam es deshalb zu einem Wiederaufnahmeverfahren des Falles Hermann Rohrbach. In diesem wurden die Fehler bei der Durchführung des Gutachten von Prof. Specht aufgedeckt. So ließ sich aus hundert Rußproben aus Münsters Haushalten feststellen, dass diese eine ähnlich hohe Giftkonzentration von Thalliumsulfat wie in Rohrbachs Ofenrohr hatten. Damit war das Gutachten von Prof. Specht hinfällig. Am 30. Juni 1961 wurde Maria Rohrbach aus Mangel an Beweisen von dem Schwurgericht im Landgericht Münster freigesprochen. Dieser Freispruch hatte aber einen faden Beigeschmack, da lediglich festgestellt wurde, dass Hermann Rohrbach nicht durch Rattengift ermordet worden war. Maria Rohrbach hatte nachdem Freispruch bereits vier Jahre und zwei Monate im Gefängnis verbracht. Danach erhielt Maria Rohrbach eine neue Identität und wanderte zunächst nach England aus. Jahre später kehrte sie nach Deutschland zurück und lebte einige Zeit in einer süddeutschen Kleinstadt, bevor sie nach Krefeld zog und als Kellnerin arbeitete. Am 28. September 1963 heiratete sie einen kaufmännischen Angestellten mit dem sie eine Tochter zeugte. Doch schon 1964 galt die Ehe als gescheitert. Ihr Ehemann brachte Maria Rohrbach sogar fast noch einmal ins Gefängnis, da er behauptete, dass diese ihn ermorden wollte und ihm den Mord an ihrem ersten Ehemann gestanden hatte. Doch die Aussage hielt die Oberstaatsanwaltschaft in Münster für eine „nicht glaubwürdige Aussage“. Danach kehrte Maria Rohrbach Deutschland den Rücken und soll heute in der Schweiz leben. Der Mord an Hermann Rohrbach wurde nie aufgeklärt. Zwar führten Spuren ins homosexuelle Milieu, in dem Rohrbach regelmäßig verkehrte. Diese wurden aber nicht weiter verfolgt, obwohl wenige Wochen vor Rohrbachs Mord eine kopflose Leiche eines Bekannten von Rohrbach im Dortmund-Ems-Kanal gefunden worden war. Auch die Tatsache, dass Hermann Rohrbach laut dem Prof. Schratz der Rohrbachs Darminhalt untersucht hatte, treuen Trüffel gegessen hatte, was Rohrbach sich hatte gar nicht leisten können, wurde außer Acht gelassen. Dank moderner Kriminaltechnik könnte man heute den Mord an Hermann Rohrbach aufklären, aber leider sind die damals sicher gestellten Beweismittel auf wundersame Weise verschwunden. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“ In diesem Sinne wünsche ich dir viel Freude mit meinen Fotos vom idyllischen Aasee, dem Ort an dem damals Hermann Rohrbachs kopflose Leiche gefunden wurde. 🙂

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