Ein dunkles Kapitel in der deutschen Geschichte war die Hexenverfolgung, bei der unzählige Menschen auf grausame Weise hingerichtet wurden und die als Inbegriff von Massenwahn und Frauenfeindlichkeit gilt. Ein Opfer dieser abscheulichen Hexenverfolgung war Anna Katharina Spee, die 1590 als jüngste Tochter des Vogtes Apollonarius Nurenberg und seiner zweiten Ehefrau Margaretha in Rheinbrohl zur Welt kam und die eine Urahnin des BAP-Frontmanns Wolfgang Niedecken war. Anno 1610 heiratete Anna den 30 Jahre älteren Juristen Robert Spee von Langenfeld, der im Dienst des Kölner Domkapitels stand und auch das Bürgermeisteramt von Erpel einige Zeit innehatte. Anna hatte eine gute Partie gemacht, die fortan mit ihrem Ehemann in der Spee-Burg von Bruchhausen lebte. Anna zeugte mit Robert einen Sohn und vier Töchter, drei ihrer Töchter entschieden sich für ein Leben im Kloster. Die Familie war hochangesehen, aber alles änderte sich nach dem Robert im Alter von 70 Jahren am 14. Januar 1629 das Zeitliche gesegnet hatte. Er fand im Chor der Bruchhausener Kirche seine letzte Ruhestätte. Die zwischenzeitlich 40 Jahre alte Anna erbte ein stattliches Vermögen. Neben zwei Häusern in Rheinbreitbach und Sohlschneid, auch Weingärten und Äcker in Ariendorf sowie Erbrenten im Asbacher Kirchspiel und Gärten in Nieder- und Oberbreitbach. Nachdem die reiche Witwe dann auch noch nach nur einem Jahr Trauerzeit ihren Pferdeknecht Konrad Cron ehelichte, echauffierten sich die Dorfbewohner über Annas Verhalten. Immer wieder kamen Gerüchte auf, dass Anna Ehebruch begangen und den Pferdeknecht ohne Einwilligung ihrer Kinder geheiratet hatte. Der Neid zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, in dem die Menschen vom Krieg, den Missernten und Hungersnöten gebeutelt waren, war groß. Anna wurde ständig von Nachbarn denunziert. Im Frühjahr 1631 starteten in Erpel die Hexenprozesse unter der Leitung des berüchtigten Hexenkommissars Dr. Johann Möden, der für seine grausame Folterungen bekannt war. Nachdem Anna während der Hexenprozesse von gefolterten Frauen, unter anderem ihrer Patentante Els Ilsfeld, der Hexerei beschuldigt worden war und Anfang September 1631 Baw Jans Gritten zu Orsberg und Margarethe Faßbender zu Unkel bestätigten, dass sie Anna beim Tanz als Hexenkönigin in prachtvollen Kleidern bei einem reichlichen Mahl gesehen hatten, an dem auch ihr Ehemann als sogenannter „Oberster“, was soviel wie Teufel bedeutet, teilgenommen hatte, wurde gegen Anna ermittelt. Am 6. September 1631 stellte der Hexenkommissar Möden einen Haftbefehl gegen Anna aus, die am 9. September 1631 verhaftet wurde. Anna gestand zwar einen lockeren Lebenswandel geführt zu haben und mit 13 Jahren, nach dem sie von ihrem Schwager Robert vergewaltigt worden war, ein Kind zur Welt gebracht zu haben, doch sie bestritt vehement die Vorwürfe eine Hexe zu sein. Die Heirat mit Konrad Cron wurde vom Gericht als Ehebruch beurteilt. Anna hatte von Anfang an schlechte Karten. Das Gericht wollte, dass Anna sich der Hexerei, dem Pakt mit dem Teufel und der Teufelsbuhlschaft für schuldig bekennt. Aber Anna weigerte sich, die darauf auf dem Stachelstuhl gefoltert wurde. Der Franziskaner Pater Ernst führte auf diesem Stuhl einen Exorzismus durch. Anna gestand schließlich am Sabbat als Hexenkönigin teilgenommen zu haben. Doch dies reichte nicht. Die Folter mit Beinschrauben und dem Aufziehen an ihren Armen wurde fortgesetzt. Anna gestand, widerrief aber immer wieder ihre Aussagen, weshalb erneute Folterungen auf dem Stachelstuhl folgten. Schließlich erkaufte sich Anna gegen die hohe Summe von 100 Talern Bedenkzeit. Nach insgesamt neun Tagen schlimmster Folter gestand Anna am 19.September 1631 alle ihr zur Last gelegten Verbrechen. Nachdem Vorlesen des Protokolls erfolgte das Todesurteil. Nur einen Tag nach dem Todesurteil wurde dieses bereits am 20. September 1631 vollstreckt. Anna wurde oberhalb von Severinsberg auf einem Karren durch das Kasbachtal bis zur Gerichtsstätte „Eulenloch“ gefahren, wo ihr die Gnade zuteil wurde, dass sie vorher erdrosselt wurde, bevor sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Merkwürdiger Weise wurde der größte Teil ihres Vermögens zur Begleichung der Schulden ihres Vaters verwendet. Ihre Kinder erhielten nur einen geringen Teil, während das Kloster Linz, in dem ihre Töchter Gertrud und Margaretha, die angeblich aus einer Affäre vor ihrer Ehe mit Zweiffel, ihrem Schwager stammte, gar reichlich bedacht wurden. Im Falle, dass Annas Kinder ohne Nachkommen sterben würden, sollte vom übrigen Vermögen für diese jeden Sonntag eine Messe gelesen werden. Bis heute erinnert ein Votivgemälde der Schmerzreichen Mutter Maria in der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Johann Baptist in Bruchhausen an Anna. Das Gemälde wurde von ihren Kindern Johann Jacob Spee und Agnes Spee mit ihrem Ehemann Andreas Bachem 1636 gespendet. Im Jahr 1675 hatte Margaretha Spee nach ihrem Ausscheiden aus dem Kloster finanzielle Schwierigkeiten die Messen für ihre hingerichtete Mutter zu bezahlen, weshalb sie Hofstellen der Burg verkaufte. Dadurch kam es zu einem finanziellen Vergleich zwischen ihr und der Pfarrkirche in Bruchhausen. Die daraufhin gegründete Stiftung sicherte die Finanzierung der Messen für Anna und ihrer Familie, die jeden Samstag bis heute stattfinden. Annas Schwager Friedrich Spee, ein Jesuitenpater hatte sich bereits im Mai 1631, noch vor Annas Anklage und Verurteilung, in seiner Kampfschrift „Cautio Criminalis“ gegen die Hexenverfolgung ausgesprochen. Doch dies hatte Anna nichts genützt, die als Hexe hingerichtet wurde. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Bamberg, das ebenfalls wie Bruchhausen eine Hochburg der Hexenverfolgung war. 🙂


























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