Ein Mord, der so skandalös war, dass er zur Abdankung des Königs von Frankreich und damit zum Beginn der Zweiten Französischen Republik führte, war der an der Herzogin Choiseul-Praslin in Paris am 18. August 1847. Im Jahre 1824 heiratete Theobald Charles Laure von Choiseul, Herzog von Praslin und Pair von Frankreich, die Tochter des berühmten Marschalls Sebastiani, Fanny Rosalba Altarice. Die junge Dame war siebzehn Jahre alt, das Blumenkind der Gesellschaft, die mit all ihrer Anmut und Schönheit die Herzen der Reichen und Mächtigen eroberte. Der Herzog selbst war neunzehn, seine Augen jedoch oft kühl und unberührt von den leidenschaftlichen Äußerungen seiner Frau. In fünfzehn Jahren schenkte sie ihm 10 Kinder, von denen 9 überlebten, was sowohl ein Zeichen ihrer Fruchtbarkeit als auch der immense Druck war, unter dem eine Frau dieser Zeit lebte. Mit der Zeit verlor sie ihre Schlankheit, wurde dicklich und ungestüm in ihren Gefühlen. Die Eifersucht begann, sich in das Herz der Herzogin zu schleichen, als die junge Engländerin Miss Henriette Delucy auf das Schloss de Vaux-le-Viconte kam, das Ludwig XIV. zum Bau von Versailles inspiriert haben soll. Diese war nicht nur die Erzieherin ihrer Kinder, sondern auch der Katalysator für den schleichenden Verfall ihrer Ehe. Miss Delucy war das Gegenteil der herzlichen Herzogin. Sie war kühl, ruhig, und doch von einer verführerischen Anziehungskraft durchzogen, die den Herzog bald in ihren Bann zog. Hier, in einem Haus voller Kinder und einer frustrierenden Sehnsucht nach Liebe, begann der Herzog, sich von der Kühle der Engländerin verführen zu lassen, die ihn wie eine Muse in den Abgrund seiner inneren Welt führte. Bald schon verkehrten die Eheleute nur noch schriftlich miteinander. Die Briefe der Herzogin wurden immer verzweifelter, in ihnen spiegelt sich der Kampf einer Frau, die um das Überleben ihrer Beziehung kämpft. Die Situation eskalierte, als ihr Vater, der alte Marschall Sebastiani, einen energischen Brief an den Herzog schrieb, in dem er seine Enttäuschung über das Verhalten seines Schwiegersohns ausdrückte. Er forderte die Entfernung der Gouvernante, und der Herzog fühlte sich gezwungen, dem Druck nachzugeben. Doch dies sollte nicht die Antwort auf ihre Probleme sein. Im Gegenteil, es bereitete nur die Bühne für das Unausweichliche. Vier Wochen nach der Kündigung wurde die Herzogin ermordet. Es war der 18. August 1847 als einer Diener gegen 4 oder 5 Uhr morgens das Läuten der Türklingel vom Schlafzimmer der Herzogin vernahm. Diese war samt ihrem Mann und ihren 9 Kindern erst am Vortrag gegen 21 Uhr in der Privatvilla ihres Vaters in der Rue du Faubourg Saint-Honoré Nr. 55 in Paris angekommen. Als der Diener zum Schlafzimmer eilte und Stöhnen hörte, wollte er nach dem Rechten sehen. Doch die Tür war verschlossen und erst durch den Toilettenraum konnte er eindringen. Im Schlafzimmer lag die Herzogin, halbentkleidet, in einer riesigen Blutlache. Der Raum war verwüstet, und alle Indizien deuteten auf einen erbitterten Kampf hin. Da es keinerlei Anzeichen eines gewaltsamen Eindringens gab und nichts gestohlen worden war, geriet schnell ihr Ehemann, der Herzog Praslin, ins Visier der Behörden, die Blut auf dem Schlafrock des Herzogs sowie Haare der toten Frau zwischen ihren geballten Händen fand. Der Herzog war fortan der Hauptverdächtige, der jedoch schwieg und seine Geheimnisse für sich behielt. Er wurde, aufgrund seines Standes, nur unter strengen Auflagen in seinem Palais überwacht und nicht ins Gefängnis gebracht. Schnell wurde folgendes Szenario rekonstruiert. Der Herzog war in jener Nacht über den Flur, der zwischen den beiden Wohnungen lag, in das Schlafzimmer seiner Ehefrau eingedrungen. Während diese friedlich schlief, stach er mit einem Dolch ihr in die Kehle. Als die Herzogin erwachte, versuchte sie sich energisch mit Schlägen zu verteidigen. Dabei wurde ihr ein Finger abgetrennt. Unter der Gewalt der Schläge brach die Klinge des Dolches ab, der später in einer Schublade des Herzogs gefunden worden war. In Rage über die abgebrochene Klinge, schlug der Herzog mit dem Kolben seiner Pistole ihr ins Gesicht. Dann verließ er seine schwer verletzte Ehefrau, die mit letzter Kraft die Klingelschnur betätigte, um Alarm zu schlagen. Als der Diener sie entdeckt hatte, rief er den Herzog, der vollständig gekleidet am Tatort erschien. Dieser ließ einen Arzt holen. Doch für seine Ehefrau kam jede Rettung zu spät. Sie verstarb kurze Zeit später. Die Herzogin war mit über 30 Stichwunden an Hals und Brust sowie Schlägen mit einem stumpfen Gegenstand ins Gesicht, der sich als die Pistole des Herzogs herausstellte, malträtiert worden. Zehn Tage nach dem Mord brach er während der Vernehmung zusammen. Er hatte Arsenik genommen und starb kurze Zeit später, um sich so dem Prozess zu entziehen. Diese dramatische Wendung ließ das Ansehen der Julimonarchie massiv sinken, da viele den Eindruck hatten, dass ein hochgestellter Adeliger nicht zur Rechenschaft gezogen werden konnte und das System versagte. Der Selbstmord des Herzogs sorgte für erhebliche öffentliche Empörung. Die Presse war schnell dabei, das Skandalöse im Leben des Herzogs zu verbreiten, und die Berichterstattung trug zur weiteren Destabilisierung der Julimonarchie bei. Es wurde gefordert, dass die Regierung mehr hätte tun müssen, um den Herzog vor sich selbst zu schützen und die Justiz funktionstüchtig zu halten. Diese Unfähigkeit, einflussreiche Männer zur Verantwortung zu ziehen, wurde von vielen als ein Zeichen des Verfalls der politischen Autorität gedeutet. Nur 6 Monate nach diesem Skandal brach die Revolution von 1848 aus, die den König zum Abdanken zwang und die Zweite Französische Republik einleitete. Bis heute halten sich hartnäckig Mythen, dass der Herzog seinen Tod nur vorgetäuscht hatte und ins Ausland geflohen sei, der erst viele Jahre später das Zeitliche gesegnet haben soll. Denn in den frühen Morgenstunden, als man die Erde über sein Grab schaufelte, wurde der Herzog lebend gesehen. Hinter verschlossenen Türen spekulierten alte Freunde und Bekannte über die Umstände, die den Herzog in die Flucht getrieben hatten. Man munkelte, dass anstelle des Herzogs ein anderer Mann beerdigt worden sei. Ein geschicktes Täuschungsmanöver, um die Schmach seines Mordes und die Schande über die Familie zu verbergen. Aber Niemand konnte es beweisen. Der Herzog, der in den Augen der Welt sterben sollte, lebte angeblich nun inkognito und doch in ständiger Angst vor Entdeckung. Der Fall des Herzogs von Praslin steht nicht allein für sich. Er ist Symbol für die Herausforderungen und Schwierigkeiten, die das Adelsleben mit sich brachte. Hinter dem Glanz und der Pracht des Lebens im Hochadel verbargen sich oftmals persönliche Tragödien, Affären und Skandale. Diese Aspekte machen die Geschichte von Charles Théobald de Choiseul-Praslin zu einem aufschlussreichen Kapitel der französischen Geschichte, das zeigt, wie der Druck des Adelslebens selbst die besten Masken zerreißen kann. Die Geschichte des Herzogs von Praslin und seiner Familie ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Macht, Geld und Leidenschaft miteinander verwoben sind und welche verheerenden Folgen dies haben kann. Der damalige Mord an der Herzogin und der anschließende Suizid des Herzogs war ein gefundenes Fressen für die republikanischen Politiker, die diesen Skandal geschickt nutzten, um König Louis-Philippe zur Abdankung zu zwingen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Paris, wo mit dem Mord an der Herzogin alles seinen Lauf genommen hatte. 🙂











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