Johann Carl Gottlob Gurlt ist eine Persönlichkeit, deren Name in die Geschichte eingegangen ist – jedoch nicht als Pionier der Wissenschaft oder als Held einer großen Schlacht, sondern als berüchtigter Krimineller. Gurlt wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, dass er der letzte Mensch war, der in Berlin öffentlich hingerichtet wurde. Seine Lebensgeschichte gibt uns einen Einblick in die rauen gesellschaftlichen Verhältnisse des frühen 19. Jahrhunderts, die von sozialen Unruhen und einem strengen Justizsystem geprägt waren. Geboren in Bischdorf, einem kleinen Dorf in der Provinz Schlesien, wuchs Johann Carl Gottlob Gurlt unter Bedingungen auf, die wenig Chancen für soziale Mobilität boten. Schon früh zeigte er Verhaltensweisen, die auf fehlende moralische Werte hinwiesen, als er Mitschülern Stifte und andere kleine Gegenstände entwendete. Diese Diebstähle mögen banal erscheinen, doch sie bildeten den Auftakt zu einer kriminellen Laufbahn, die in einem spektakulären Verbrechen und einer ebenso spektakulären Hinrichtung gipfelte. Nach seiner Lehrzeit als Schlächter begann Gurlts Wanderung durch die Regionen Norddeutschlands, eine Praxis, die für viele Handwerksgesellen jener Zeit üblich war, um Berufserfahrung zu sammeln und neue Orte kennenzulernen. Dennoch führte ihn dieser Weg nicht auf die Pfade der beruflichen Reife, sondern letztlich in die Arme des Verbrechens. In Peitz wurde er 1834 wegen mutmaßlichen Betrugs gesucht, was sein ohnehin schon angeschlagenes Ansehen weiter beschädigte. Der Wendepunkt in Gurlts Leben kam schließlich im Sommer 1836 während seiner Wanderschaft von Stettin nach Berlin. In Berlin traf er den Bäckergesellen Julius Schorske aus Lüben. Die beiden Männer hatten scheinbar nur wenig gemein, doch ihre Begegnung sollte tragisch enden. Am 1. Juli 1836 erschlug Gurlt Schorske im Schlaf mit einem Stein, beraubte ihn seiner Kleidung und seines Besitzes im Wert von etwa 20 Talern und legte die unbekleidete Leiche in ein Kornfeld. Diese Tat zeugte von einer brutalen Skrupellosigkeit, die sogar in einer Zeit auffiel, die für ihre harte Gesellschaft und Rechtsprechung bekannt war. Nur wenig später, am 7. Juli, wurde die Leiche gefunden, und die Suche nach dem Täter begann. Die Ermittlungen führten bald zu Johann Gurlt, der Anfang 1837 in Goldberg im Gefängnis wegen Diebstahls einsaß. Bei ihm wurden die meisten Sachen von Julius Schorske sowie dessen Wanderbuch gefunden, was den Verdacht auf ihn lenkte. Der Druck der Beweislage veranlasste ihn schließlich dazu, die Tat zu gestehen. Die Gerichtsverhandlung am Kammergericht in Berlin war ein langwieriger Prozess, der mit einem harten Urteil endete: Johann Gurlt wurde zum Tode verurteilt, ursprünglich durch das Rad von unten mit vorherigem Schleifen zum Richtplatz – eine besonders grausame Form der Hinrichtung, die den Verurteilten öffentlich demütigen sollte. Doch das Schicksal zeigte zumindest einen kleinen Anflug von Milde: König Friedrich Wilhelm III. wandelte am 18. Mai 1839 das grausame Urteil in den Tod durch Enthaupten mit dem Beil ohne vorheriges Schleifen ab. Der 21. Juni 1839 sollte schließlich das letzte Kapitel von Gurlts Leben und eine historische Zäsur in der Praxis der öffentlichen Hinrichtungen in Berlin markieren. Am Galgenberg bei Berlin, nahe dem Gesundbrunnen, versammelten sich zahlreiche Schaulustige, um dem Spektakel der Hinrichtung beizuwohnen. Ironischerweise brach unter dem Gewicht der Besucher ein eigens errichtetes Gerüst zusammen und verletzte einige Anwesende, was die Grausamkeit und Absurdität solcher öffentlicher Bestrafungen noch unterstrich. Die Presseresonanz war enorm. Berliner und auswärtige Zeitungen berichteten ausführlich über die Ereignisse des Tages und machten den Fall Johann Gurlt zu einer nahezu legendären Episode der Berliner Kriminalgeschichte. Die öffentliche Enthauptung des Raubmörders war die letzte ihrer Art in Berlin. Ab 1841 wurden Todesurteile in der Festung Spandau vollstreckt und ab 1846 im Gefängnis Moabit, womit die Ära der öffentlichen Hinrichtungen endete. Johann Carl Gottlob Gurlts Geschichte ist eine von Tragik und Gewalt geprägte Erzählung, die die dunklen Seiten der menschlichen Natur und die blutige Realität der damaligen Rechtsprechung offenbart. Sie erinnert an eine Zeit, in der das Rechtssystem mehr auf Abschreckung durch öffentliche Bloßstellung denn auf Rehabilitation setzte. Die Veränderung dieser Praktiken im Verlauf der kommenden Jahre spiegelt den langsamen, aber beständigen Wandel in Richtung eines humaneren Justizsystems wider, das heute auf Besinnung und Resozialisierung abzielt. In der historischen Retrospektive bleibt Johann Carl Gottlob Gurlt ein Symbol für die Tragik und Grausamkeit der frühneuzeitlichen Rechtsprechung, die durch sein kurzes, kriminelles Leben und seinen gewaltsamen Tod eindrucksvoll illustriert wird. Wenn wir auf seine Geschichte zurückblicken, sehen wir nicht nur den Mann, der als letzter öffentlich hingerichtet wurde, sondern auch die Entwicklung der Gesellschaft weg von öffentlichen Spektakeln und hin zu einem System, das mehr Wert auf Humanität und Gerechtigkeit legt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Berlin, wo Gurlts Hinrichtung stattfand. 🙂





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