Der Name Richard Speck mag unscheinbar klingen, fast wie der eines Büroangestellten aus der Mittelschicht, doch hinter dieser Fassade verbirgt sich einer der berüchtigtsten Mörder der Vereinigten Staaten. Sein grausames Verbrechen aus dem Jahr 1966 zählt bis heute zu den schockierendsten Kriminalfällen der amerikanischen Geschichte. Denn Richard Speck tötete in einer Nacht nicht nur acht Krankenschwesternschülerinnen, sondern vergewaltigte auch eine davon auf brutale Art und Weise. Doch wer war Richard Speck und was trieb ihn dazu, so ein abscheuliches Verbrechen zu begehen, der dadurch zu einer Symbolfigur des „Bösen“ wurde? Ein Blick auf sein Leben, seine grausamen Verbrechen und seine Zeit im Gefängnis offenbart eine beunruhigende Geschichte voller Gewalt, Exzentrik und öffentlicher Entsetzen. Richard Benjamin Speck wurde am 6. Dezember 1941 in Kirkwood im US-Bundesstaat Illinois als siebtes von acht Kindern geboren. Wie bei vielen späteren Serienmördern war seine Kindheit von Gewalt, Missbrauch und Instabilität geprägt. Nach dem frühen Tod seines Vaters durch einem Herzinfarkt heiratete seine Mutter einen alkoholkranken und gewalttätigen Mann, der die Familie terrorisierte. Specks Jugend war geprägt von extremer Armut sowie körperlichem und emotionalem Missbrauch, was schon früh eine destruktive Persönlichkeit in ihm formte. Schon in jungen Jahren zeigte Richard auffälliges Verhalten: Er begann zu trinken, vernachlässigte die Schule und glitt in ein Leben als Krimineller ab. Ein Lichtblick in Specks Leben war Shirley Malone, mit der er 1962 den Bund fürs Leben einging. Schon bald erblickte ihre gemeinsame Tochter Bobby Lynn das Licht der Welt, doch bereits nach drei Jahren war die Ehe wieder Geschichte, da Shirley die Scheidung einreichte. Dies lag daran, dass Speck in den 1960er Jahren begann, sich mit Kleindiebstahl, Scheckbetrug und Körperverletzung über Wasser zu halten. Obwohl er wiederholt verhaftet wurde, gelang es ihm stets, einer Bestrafung zu entgehen. Oft fand er Zuflucht bei Mitgliedern seiner Familie, die trotz seiner problematischen Persönlichkeit zu ihm hielten. In dieser Zeit ließ er sich die Worte „Born to Raise Hell“ auf den Arm tätowieren – eine Vorahnung dessen, was noch kommen sollte. Einige Ermittler vermuten sogar, dass Speck bereits vor seinem berüchtigten Verbrechen Frauen ermordet haben könnte. Es wurden jedoch nie schlüssige Beweise dafür gefunden. Der Höhepunkt seiner kriminellen Laufbahn fand in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli 1966 statt. In jener Nacht betrank sich Speck wie so oft in einer Kneipe, wo er eine alkoholisierte Frau kennen lernte, die er anschließend vergewaltigte. Doch was danach geschah, könnte glatt aus einem Horrorschocker entsprungen sein. Richard Speck brach anschließend in ein Wohnheim für Krankenschwestern des South Chicago Community Hospital ein. Er war mit einem Messer bewaffnet und hatte lediglich vor, den einen Raub zu begehen. Doch die Situation eskalierte auf schreckliche Weise: Nachdem er sich Zugang verschafft hatte, zwang Speck acht junge Frauen, sich in einem Raum zu versammeln. Mehrere Stunden lang hielt er die gefesselten Krankenschwestern gefangen, misshandelte sie brutal und tötete sie schließlich eine nach der anderen – entweder durch Strangulation oder durch Messerstiche. Zwischen jedem Mord verging etwa eine halbe Stunde, was den Schrecken für die Opfer nur noch verlängerte. Es heißt, er habe mindestens eine Frau vor ihrem Tod vergewaltigt. Die Namen der acht Opfer, alle im Alter zwischen 20 und 24 Jahren, lauten: Nina Jo Schmale (24), Pamela Wilkening (20), Suzanne Farris (21), Patricia Matusek (20), Merlita Gargullo (23), Valentina Pasion (24), Mary Ann Jordan (20) und Gloria Jean Davy (22). Allerdings kamen nicht alle Frauen ums Leben: Einem neunten Opfer, der 23-jährigen Corazon Amurao aus den Philippinen, gelang es, Specks Massaker zu entkommen, indem sie sich unter einem Bett versteckte und stundenlang regungslos dalag. Sie war es später, die Speck identifizierte und ihn vor Gericht zur Rechenschaft zog. Ihre Beobachtung des markanten Tattoos „Born to Raise Hell“ auf seinem Unterarm wurde zum entscheidenden Hinweis, der die Ermittler zu ihm führte. Richard Speck floh nach der Tat und lebte einige Tage lang unauffällig in Chicago. Nach einem Selbstmordversuch – bei dem er sich mit zerbrochenen Glasflaschen Schnittwunden zufügte – wurde er bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert. Dort bemerkte eine Krankenschwester sein Tattoo, und die Polizei konnte ihn schließlich festnehmen. Während der anschließenden Fahndung und Vernehmung wirkte Speck zunächst ruhig, behauptete jedoch dreist, er könne sich nicht an die Ereignisse erinnern. Am 3. April 1967 begann der Prozess gegen Richard Speck. Die Hauptzeugin, Corazon Amurao, trug dank ihrer überzeugenden Aussage und der Identifizierung des Täters maßgeblich dazu bei, dass Speck wegen mehrfachen Mordes zum Tode verurteilt wurde. Doch nach einem vorübergehenden Moratorium für die Todesstrafe in Illinois im Jahr 1972 wurde diese später in lebenslange Haft umgewandelt. Speck wurde zu 8 Freiheitsstrafen von 50 bis 150 Jahre verurteilt, also sage und schreibe bis zu 1.200 Jahren Gefängnis. Richard Specks Leben im Gefängnis war alles andere als gewöhnlich. Der Mörder passte sich schnell an das Gefängnisleben an und entwickelte im Laufe der Zeit eine zunehmend exzentrische Persönlichkeit, die ihn erneut ins Rampenlicht der Öffentlichkeit rückte. Ein besonders beunruhigender Skandal ereignete sich 1988: Speck tauchte in Videoaufnahmen auf, die innerhalb des Stateville Correctional Center aufgenommen worden waren. Es zeigte Speck beim Drogenkonsum, bei sexuellen Handlungen mit anderen Insassen sowie beim Tragen von Frauenkleidung und BHs. Das Filmmaterial ließ vermuten, dass Speck sich möglicherweise einer Hormonbehandlung unterzogen hatte, da er Brüste entwickelt hatte. Schockierender Weise gestand er in diesem Video beiläufig die Morde und sprach darüber, ohne jegliche Reue zu zeigen. Besonders die Aussage: “ Wenn Sie wüssten, wie viel Spaß ich hier habe, würden Sie mich sofort freilassen.“ sorgte für eine landesweite Empörung als das Video 1996 veröffentlicht wurde. Es war nicht nur eine groteske Demonstration seines bizarren Verhaltens, sondern deckte auch die Schwächen und Missstände im amerikanischen Gefängnissystem auf. Viele Menschen waren fassungslos, dass ein Mann, der solch grausame Verbrechen begangen hatte, hinter Gittern offenbar ein vergleichsweise komfortables Leben führen konnte. Während seiner Zeit im Gefängnis erhielt Speck den Spitznamen „Birdman“. Der Name leitet sich von der Figur des Gewaltverbrechers Robert Stroud aus dem Film „Der Gefangene von Alcatraz“ aus dem Jahr 1962 ab, da Speck wie Robert Stroud einen Spatz in seiner Zelle gehalten hat. Tatsächlich entwickelte sich um Specks Persönlichkeit und Verhalten ein morbider Mythos, der ihn sowohl zu einer Karikatur des Bösen als auch zu einer Symbolfigur für ein gescheitertes Justizsystem machte. Richard Specks brutale Tat ging als einer der schlimmsten Massenmorde in die amerikanische Geschichte ein. Sie löste nicht nur Schock und Trauer aus, sondern führte auch zu wichtigen gesellschaftlichen Diskussionen. Schulen, Krankenhäuser und Universitäten verschärften ihre Sicherheitsmaßnahmen erheblich, um solche Tragödien in Zukunft zu verhindern. Gleichzeitig kamen Fragen nach den psychologischen Ursachen solcher Taten und der Rolle der Medien auf. Vor allem Specks Provokationen – wie sein legendäres Tattoo und das Video – prägten sein Image als reueloser Täter. Speck ist bis heute in der Popkultur präsent, sei es in Filmen, Büchern oder Serien wie Netflix Mindhunter. Sein Fall dient nicht nur der Sensationslust, sondern oft auch als Reflexion über die Grenzen menschlichen Verhaltens und den Umgang mit Kriminellen, die unsere Vorstellungskraft übersteigen. Richard Speck bleibt eine der bizarrsten Figuren der US-Kriminalgeschichte. Sein abscheuliches Verbrechen, seine groteske Verwandlung im Gefängnis und das Medienspektakel um sein Leben machen ihn zu einem Symbol für die dunkelsten Abgründe der menschlichen Psyche. Trotz seines Todes im Jahr 1991 lebt die Legende weiter – als Warnung an alle, die die Grenzen des Anstands und der Menschlichkeit überschreiten. Nach der düsteren Kriminalgeschichte gibt es jetzt etwas Leichteres und Schönes zu entdecken – Eindrücke aus der Windy City wie Chicago auch genannt wird. Den Name bekam Chicago im 19. Jahrhundert von den Journalisten verpasst, die sich damit über die großkotzigen und redseligen Politiker lustig machten. So spielte die Bezeichnung „Windy“ auf die heiße Luft und die leeren Versprechungen der Politiker an. Nichtsdestotrotz beeindruckt Chicago mit seiner Architektur, dem pulsierenden Leben und seinen berühmten Spots wie dem Millennium Park oder der Skyline am Michigansee, mit deren Fotos ich Dir viel Freude wünsche. 🙂













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