Der mörderische Tennisspieler

Vere Thomas Goold, besser bekannt als „St. Leger“, war nicht nur ein genialer Tennisspieler, sondern auch ein heimtückischer Mörder. Goold wurde am 2. Oktober 1853 in Clonmel als sechstes von sieben Kindern von George Ignatius Goold, einem Friedensrichter und Magistrat von Waterford und seiner Ehefrau Clara, der Tochter des Generalmajors James Webber-Smith geboren. Goold wuchs in einer wohlhabenden und angesehenen Familie auf, der am Trinity College studierte und später eine steile Karriere als hochrangiger Beamter hinlegte. Er schaffte es zum Sekretär der Municipal Boundaries Commission ernannt zu werden. Trotz seiner beruflichen Verpflichtungen feierte er als irischer Tennisspieler eine Reihe von Erfolgen auf den Tennisplätzen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er war so erfolgreich als Tennisspieler, dass er die ersten Irish Open gewann. Doch warum wurde dieser talentierte Tennisspieler zum Mörder? Vielleicht hilft es einen Blick auf Goolds Karriere und sein persönliches Leben zu werfen. Goold hatte dank seiner gut situierten Familie die Möglichkeit sich im Tennis auszuprobieren. Der Tennissport war damals nur für die Oberschicht vorgesehen, bei der es um Prestige und Status ging. Goold war äußerst begab, der bekannt für seine mörderische Rückhand war. Anno 1878 wurde er Mitglied des Fitz William Lawn Tennis Club. Er organisierte nicht nur Clubturniere, sondern war auch an der Gründung der ersten Irish Open beteiligt, die er gegen C.D. Barry im Finale gewann. Dies war ein beeindruckender Erfolg und festigte seinen Platz in der Tennisgeschichte. Aber Goolds Ruhm sollte nicht lange währen. Nur wenige Wochen nach seinem Triumph auf irischem Boden, nahm er an dem legendären Wimbledon Championships teil, wo er das Endspiel erreichte. Er trat am 15. Juli 1879 gegen den Pastor John Hartley an und musste eine bittere Niederlage hinnehmen. Denn Goold galt zwar als Favorit, doch er hatte am Abend zuvor zu tief ins Glas geschaut, was ihm den Sieg kostete. Trotz dieses Rückschlags setzte Goold seine Bemühungen fort und trat bei anderen Turnieren an. Als er 1880 seinen Titel bei den Irish Open verlor, begann in den folgenden Jahren sein Stern jedoch immer weiter zu sinken. Schließlich beendete Goold 1883 seine Tenniskarriere. Nach seinem Rückzug vom Tennisleben geriet Goold in eine Abwärtsspirale, geprägt von Alkohol- und Drogenmissbrauch. In dieser Zeit lernte er die zweifache französische Witwe Marie Giraudin kennen, die nicht nur für ihren extravaganten Lebensstil bekannt war, sondern selbst auch unter Suchtproblemen litt. Am 22. August 1891 gingen beide in der Kirche St. Mary of the Angeles in Paddington den Bund fürs Leben ein. Das Paar residierte fortan in einer möblierten Villa im noblen Londoner West End. Doch wegen ihres ausschweifenden Lebensstils geriet das Paar schnell in Schulden, weshalb sie die Miete der Villa nicht mehr bezahlen konnten. Als ihr Vermieter auf die ausstehenden Mietzahlungen bestand, verkauften sie die Möbel der Villa und ließen sich in Montreal nieder, wo Marie eine Schneiderei eröffnete. Das Geschäft florierte, aber die finanziellen Schwierigkeiten blieben wegen Goolds Suchtproblemen bestehen, weshalb sie 1903 nach Liverpool zogen, um eine Wäscherei zu betreiben. Die Probleme, die Goold plagten, wurden noch verstärkt durch seine Verbindung zu Marie. Sie schien eine entscheidende Rolle in seinem weiteren Schicksal zu spielen. Im Jahr 1907 überzeugte sie ihn, das Casino in Monte Carlo zu besuchen, da sie überzeugt war, eine gewinnbringende Methode für das Glücksspiel entdeckt zu haben. Zusammen mit ihrer Nichte Isabelle Giraudin machten sie sich auf den Weg, um ihr Glück zu versuchen. Es war in Monte Carlo, wo die Tragödie ihren Lauf nahm. Die Goolds tauchten schnell in die Glücksspielszene ein, doch ihr Geld ging rasch zur Neige. Während sie im Casino waren, lernten sie eine wohlhabende dänische Witwe namens Emma Levin und deren Begleitung Madame Castellazi kennen. Die Witwe Emma Levin lieh dem Paar neben Geld auch Schmuck. Doch auch diesmal verzockte das Paar alles am Roulettetisch. Am 4. August 1907, während eines Versuchs von Madame Levin, ein ausstehendes Darlehen von Goold einzufordern, geschah das Unvorstellbare. Die Kontroversen zwischen den Goolds und Emma Levin eskalierten, und die Umstände, die zu dem Mord führten, sind bis heute unklar. Einige Berichte deuten darauf hin, dass Marie Goold hinter dem Mord steckte, während andere Goold selbst als Hauptverantwortlichen darstellten. Nachdem Emma Levin in das Hotel der Goolds gekommen war, kam es zu einem heftigen Streit. Das Paar schlug Emma Levin nieder, geknebelte diese, bevor sie sie mit einem Messer erstachen und ihre Leiche anschließend zerteilten, um diese in einen Koffer zu packen. Dann verschwanden die beiden Eheleute kurz darauf heimlich samt dem Koffer nach Marseille, wobei sie Isabelle zurückließen. Es dauerte nicht lange, bis das Fehlen von Emma Levin von ihrer treuen Begleiterin Madame Castellazi bemerkt wurde, die die Polizei verständigte. Die Polizei entdeckte Blutspuren in der Suite der Goolds sowie einige blutverschmierte Gegenstände wie einen Dolch und ein Fleischermesser. In der Zwischenzeit gerieten die Goolds am Bahnhof von Marseille schnell unter Verdacht, als der Bahnhofsangestellte Louis Pons nicht nur den üblen Gestank aus dem Gepäck wahrnahm, sondern auch das Blut, das daraus tropfte. Nachdem die Goolds erklärt hatten, dass es sich um zerhackte Hühner handelte, die sie nach London transportieren wollten, alarmierte dieser die Polizei. Als diese den Koffer öffneten fanden sie eine in über 100 kleine Stücke zerteilte Leiche vor, die sich wenig später als die vermisste Emma Levin herausstellte. Das Ehepaar wurde auf der Stelle verhaftet. Am 2. Dezember 1907 startete der Prozess gegen das Ehepaar Goold wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes an Emma Levin. Der Prozess gegen das Ehepaar Goold erregte großes Aufsehen und zog die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. Vere Goold gestand schließlich den Mord, was seine Verteidigungsstrategie erschwerte. Es stellte sich heraus, dass Marie Goold eine übermächtige Persönlichkeit war, die im Laufe des Prozesses mehr oder weniger die Kontrolle über die Situation übernahm. Während Marie zum Tod verurteilt worden war, wurde Goold zu lebenslanger Haft auf der Teufelsinsel in Französisch-Guayana verurteilt. Diese Verurteilung glich einem Todesurteil, da die Lebensbedingungen dort katastrophal waren. Neben Krankheiten wie Malaria oder Gelbfieber war die Insel von einem Dschungel mit gefährlichen Tieren und Gewässer mit Haifischen umgeben. Doch damit nicht genug, denn die Gefangenenwärter waren korrupt, die für Geld Gefangene einfach ermordeten. Goolds Frau Marie hatte dagegen das große Los gezogen, da ihr Todesurteil durch die Guillotine einen Monat später in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Marie starb 1914 an Typhus in einem Gefängnis in Montpellier. Vere Thomas Goold hingegen starb am 8. September 1909 durch Suizid, weniger als ein Jahr nach seiner Ankunft auf der Teufelsinsel. Er wurde nicht nur von Albträumen geplagt, sondern er litt an den Entzugserscheinungen von Alkohol und Opium. Die Geschichte von Vere Thomas „St. Leger“ Goold ist eine tragische Erzählung über das Auf und Ab eines Mannes, der einmal die Höhen des Tennislebens genoss, nur um in den Abgrund krimineller Aktivitäten zu stürzen. Der Kontrast zwischen seinem sportlichen Erfolg und dem düsteren Ende seines Lebens ist schockierend und erinnert uns daran, wie schnell Glück und Ruhm verloren gehen können. Goold ist heute vielleicht nicht mehr als ein Name in den Geschichtsbüchern, aber sein Lebensweg bietet eine faszinierende und tragische Lektion über die Unbeständigkeit des Lebens. Übrigens wurde Goold eine zweifelhafte Ehre zuteil, da er bis heute der einzige Wimbledon-Finalist ist, der wegen Mordes verurteilt wurde. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von London, wo jährlich das Wimbledon-Championship, das älteste und prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt stattfindet. 🙂


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Herzlich Willkommen auf meiner Reise durch Kreativität und Entdeckung! Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die faszinierenden kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Mit TrueCrime Blog 187.news geht’s in die Abgründe des Verbrechens. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Schließlich lädt truecrime.ch dazu ein, die dunklen Seiten der Schweiz und Europas zu entdecken: wahre Verbrechen, wahre Geschichten. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!