Die letzte Todesstrafe in Deutschland wurde am 21. April 1949 in Köln verhängt, und sie traf die 38 Jahre alte Serienmörderin Irmgard Swinka, eine Frau, die in der Nachkriegszeit große Aufmerksamkeit auf sich zog. Denn innerhalb von 12 Monaten brachte diese fünf ältere Damen ums Eck. Irmgard wurde 1912 in Berlin geboren. Sie wuchs in einer Zeit auf, als das Leben alles andere als einfach war. Der Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker, was das Familienleben für die kleine Irmgard zur Hölle machte. Die Schule war für Irmgard nur ein Ort des Misserfolgs, und sie brach mit ihren Geschwistern den Kontakt ab, was sie weiter isolierte. Die Jahre vergingen und Irmgard wurde aufgrund ihrer kriminellen Aktivitäten wie Diebstahl, Betrug und Unterschlagung polizeibekannt. Irmgard war bereits zweimal den Bund fürs Leben eingegangen, bevor sie ein drittes Mal heiratete. Doch ihr dritter Ehemann war noch verheiratet, weshalb beide wegen Bigamie angeklagt wurden. Aus diesen Gründen tauchte das Paar erstmals unter. Trotz all dieser Schwierigkeiten schien sich Irmgard in der chaotischen Nachkriegszeit irgendwie über Wasser halten zu können. In einem Deutschland, wo Geschäfte leer waren und die Reichsmark keinen Wert hatte, fand sie Wege, um auf dem Schwarzmarkt zu überleben. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten lebte sie ein relativ luxuriöses Leben im Vergleich zu vielen anderen. Sie tauschten gestohlene Waren gegen alles Lebensnotwendige, sogar gegen echten Bohnenkaffee. Für viele eine Rarität in der damaligen Zeit. Die Kriminalität schien für Irmgard ein Mittel zum Zweck zu sein, um in einer harten Welt zu bestehen. Doch der Hang zur Kriminalität führte Irmgard in viel düsterere Gefilde. Zusammen mit ihren Komplizen dem 30 Jahre alten Wilhelm Schmikahle und dem 43 Jahre alten Ernst Himpel verübte sie Raubüberfälle. Dabei ging das Trio Infernale immer nach demselben Modus Operandi vor. Sie reisten in Großstädte, wo Irmgard gezielt die Bekanntschaft zu älteren, einsamen Damen suchte. Sie gab sich selbst als hilfsbereite Person aus, die angeblich gute medizinische Ratschläge hatte. Irmgard bot diesen Frauen vermeintliche „Spezialmixturen“ an, die sie von einem fiktiven Apotheker-Vater bezogen haben wollte. Die Realität jedoch war, dass sie ihren Opfern eine tödliche Mischung aus Noctal-Schlaftabletten und Morphium-Tropfen verabreichte. Diesen Giftcocktail hatte sie bei einem ehemaligen SS-Sanitäter in einem Flüchtlingslager erworben. Wenn die Damen das Bewusstsein verloren, durchwühlte Irmgard deren Zuhause nach Gegenständen, die sie auf dem Schwarzmarkt veräußern konnten. Die beiden Männer hielten derweil Wache. Die grausame Methode war erfolgreich. Denn über 40 Rentnerinnen wurden Opfer dieser dreisten Raubzüge. Fünf von ihnen überlebten nicht, darunter war das letzte Opfer, die 63 Jahre alte Helene Schmitz, die im Juni 1948 in Köln vergiftet wurde. Der Tod von Frau Schmitz löste schließlich eine Welle der Ermittlungen aus. Denn ein Polizeibeamter hegte den Verdacht, dass hier etwas nicht stimmte. Er entdeckte Spuren einer Vergiftung, was den Fall ins Rollen brachte. Die Nachforschungen ergaben, dass Helene Schmitz vor ihrem Tod von einer elegant gekleideten Dame besucht worden war. Diese Personenbeschreibung der Dame deckte sich schließlich mit denen der Raubüberfälle in den anderen Städten. Ein Fahndungsbild wurde angefertigt. Nachdem Zeitungen ein Bild von Irmgard Swinka veröffentlicht hatten, konnte diese dank einer Passantin, die Irmgard als die Frau auf dem Fahndungsbild erkannt hatte, am 13. Juli 1948 in Hamm festgenommen werden. Die Medien stürzten sich auf die heimtückische „Giftmörderin“, die alte Damen aus Habgier vergiftet hatte. Der Prozess gegen sie wurde zu einem sensationellen Ereignis in Nachkriegsdeutschland. Am 21. April 1949 begann der Prozess am Kölner Schwurgericht. Irmgard, die als unsympathische Frau mit groben Gesicht beschrieben wurde, wurde wegen fünffachen Mordes und 10 Mordversuchen angeklagt. Während des Prozesses wurden 235 Zeugen und 40 Sachverständige gehört. Insgesamt war die Anklageschrift 257 Seiten lang. Irmgard selbst legte während ihrer Zeit in Untersuchungshaft 20 Kilogramm zu, die Mithäftlingen erzählte, dass sie sich Satan verschrieben hatte. Dadurch wollte sie erreichen, dass man sie für unzurechnungsfähig hält. Doch dieser Plan ging nicht auf. Während des gesamten Prozesses versammelten sich vor dem Gerichtssaal Menschenmengen, die versuchten, einen Blick auf die berüchtigte Giftmörderin Irmgard Swinka zu erhaschen. Am 7. Mai 1949 fiel schließlich das Urteil: viermal Todesstrafe, einmal lebenslänglich, dazu noch 15 Jahre Haft. Die Urteilsbegründung beschrieb sie als heimtückisch und warnte vor ihrer Ausnutzung des Vertrauens der älteren Damen. Doch das Schicksal wollte es anders. Nur wenige Wochen nach dem Urteil trat das Grundgesetz in Kraft, das die Todesstrafe abschaffte. So wurde das Urteil gegen Irmgard Swinka in eine lebenslange Zuchthausstrafe umgewandelt. Sie verbrachte die nächsten 38 Jahre ihres Lebens hinter Gittern. Ihre Zelle teilte sie sich mit den Wellensittichen „Bubi“ und „Mekki, bis sie 1987 unter dem Ministerpräsidenten Johannes Rau begnadigt wurde. Unter dem falschen Namen Moser wurde sie entlassen und in ein Altenheim bei Aachen gebracht. In den Augen der Öffentlichkeit war die Geschichte der Giftmörderin vorbei, aber für Irmgard begann ein neues Kapitel. Im Jahr 1988 verstarb sie schließlich im Alter von 76 Jahren in einem Seniorenheim bei Aachen an einem Herzinfarkt. Nur die Heimleiterin kannte ihren richtigen Namen, während die meisten Menschen nur von der schockierenden Geschichte einer Frau wussten, die fünf Leben mit List und Gift ausgelöscht hatte. Irmgard Swinkas Kriminalfall ist schockierend, aber auch faszinierend und zugleich auch eine Mahnung, wie tief die menschliche Abgründe sein können, selbst in einer Zeit, in der viele nach Frieden und Normalität strebten. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Aachen, wo das Leben von der Giftmörderin Irmgard Swinka in einem Altersheim endete. 🙂



























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