O du lieber Augustin – die legendäre Wiener Kultfigur

Isabella Müller Wien @isabella_muenchen

Fast jeder kennt das berühmte Volkslied „O du lieber Augustin, Alles ist hin!“. Ich habe dieses Lied, in meiner Kindheit oft gesungen habe, ohne mir dessen Bedeutung bewusst zu sein. Dieses Volkslied entstand einer österreichischen Sage nach folgendermaßen. In Wien brach in der Zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Pest aus. Diese Pestepidemie forderte viele Opfer, die in den Straßen und Häusern verteilt lagen. Um den grauenhaften Pestalltag zu entfliehen, flüchteten viele Wiener in Wirtshäuser. So auch der liebe Augustin, der als Dudelsackspieler und Sänger, die Leute in den Wirtshäusern unterhielt. Er selbst investierte sein Geld gern in Alkohol und galt als tüchtiger Trinker. Nachdem er sich in einem Wirtshaus so sehr betrunken hatte, dass er nicht mehr nach Hause fand, legte er sich kurzerhand in eine Gasse, um seinen Rausch auszuschlafen. Jeden Tag sammelten die Pestknechte, die Toten von den Gassen und Straßen auf und diesmal auch den lieben Augustin, den sie für tot hielten, da er tief und fest schlief. Sie luden ihn auf ihren Karren und warfen ihn in eine Pestgrube vor den Stadtmauern. Als der liebe Augustin wieder zu Sinnen kam, sah er die vielen Toten um sich und begann durch Singen auf sich aufmerksam zu machen, da er sich selbst nicht aus der Grube befreien konnte. Er hatte Glück und die Pestknechte hörten ihn und konnten ihn befreien. Der Legende nach verfasste der liebe Augustin daraufhin die Ballade „O du lieber Augustin, Alles ist hin!“, die zu einem echten Publikumsschlager wurde. Nachgewiesen wurde das Volkslied erst 1800, aber bis heute erinnern viele Orte in Wien an den lieben Augustin. Besonders die Griechenbeisl am Fleischmarkt 11 ist zu einer wahren Pilgerstätte bei den Touristen geworden. So befindet sich an ihrer Fassade eine Spielmannsfigur, die umrahmt von der Aufschrift „Hier sang sein Lied zum 1. Mal der liebe Augustin“ ist. Besonders faszinierend empfand ich den Eingangsbereich des Restaurants, in dem in einem düsteren Kellerloch die Augustin-Puppe sitzt. Diese ist zu einem echten Pilgerort für Einheimische wie Touristen geworden. Übrigens bis heute wird der liebe Augustin als Kultfigur geehrt. So gibt es neben einem Augustin-Denkmal in der Neustiftgasse, einen Orden des „Lieben Augustin“, der jedes Jahr von der Wiener Faschingsveranstaltung verliehen wird und seit 1995 sogar eine Boulevard-Zeitung der Obdachlosen mit dem Namen Augustin. Darüber hinaus wurde von der österreichischen Post 1998 eine Augustin-Briefmarke herausgebracht und 1999 war erstmals der lokale Privatsender „Radio Augustin“ zu hören. Der liebe Augustin ist wahrlich zu einer Legende geworden, die sich überall in Wiens Altstadt wiederfindet, wenn man genauer hinschaut. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der Pilgerstätte der Kultfigur des lieben Augustin am Fleischmarkt 11 im 1. Wiener Gemeindebezirk. 🙂

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