Der Kriminalfall von Lizzie Borden gehört zu den umstrittensten in der Geschichte der USA, der bis heute Menschen aus aller Welt fasziniert. Diese junge Frau wurde angeklagt, ihren Vater Andrew und ihre Stiefmutter Abby mit einem Beil brutal ermordet zu haben – und trotzdem wurde sie freigesprochen. Was führte zu diesem überraschenden Urteil? Am 4. August 1892 wurde die beschauliche Textilstadt Fall River im US-Bundesstaat Massachusetts zum Schauplatz eines Verbrechens, das nicht nur als eines der brutalsten im 19 Jahrhundert in den USA gilt, sondern auch eines der bekanntesten in der amerikanischen Geschichte ist. An jenem Tag wurden zwei Bewohner der Stadt tot in ihrem Wohnhaus in der 92 Second Street aufgefunden. Diese waren die 64 Jahre alte Abby Borden, die mit 17 Beilhieben auf dem Rücken im Gästezimmer im 1. Stock lag und ihr 69 Jahre alter Ehemann Andrew Borden, der mit 11 Beilhieben im Erdgeschoss gefunden wurde. Niemand hatte etwas Verdächtiges bemerkt, kein Fremder war auf dem Grundstück gesehen worden, und dennoch waren diese brutalen Morde geschehen. Die Ermittler gingen davon aus, dass Abby zwischen 9 bis 10.30 Uhr ermordet worden war und Andrew etwa eine Stunde später. Bei der Tatwaffe handelte es sich um ein Beil, das im Haus gefunden wurde. Dieses war mit Asche gereinigt worden, so dass es keinerlei Hinweise auf den Mörder gab. Zum Zeitpunkt der Morde hielten sich das 25 Jahre irische Dienstmädchen Bridget Sullivan und die 32 Jahre alte Tochter Lizzie Borden auf dem Anwesen auf. Während Bridget in ihrem Zimmer geschlafen hatte, da sie sich unwohl fühlte, hatte sich Lizzie in der abgelegenen Scheune des Hauses aufgehalten. Schnell geriet Lizzie Borden unter dringenden Tatverdacht, da diese sich im Polizeiverhör immer wieder in Widersprüche verstrickte. Sie behauptete, die Leiche ihres Vaters entdeckt und sofort die Hausangestellte Bridget Sullivan gerufen zu haben, um einen Arzt zu holen. Merkwürdigerweise wählte sie dafür nicht den benachbarten irischen Einwandererarzt, sondern einen franko-kanadischen Mediziner. Ferner hatte Lizzie ausgesagt, zur Tatzeit in der Scheune gewesen zu sein, obwohl die dicke Staubschicht dort keine Fußabdrücke aufwies. Zudem soll sie kurz vor dem Mord versucht haben, tödliche Blausäure in einem Laden zu kaufen. Darüber hinaus wurde keinerlei blutige Kleidung gefunden. Merkwürdig war, dass Lizzie zwei Tage nach den Morden eines ihrer Kleider verbrannt hatte, da dieses angeblich mit Farbe verschmutzt war. Doch warum sollte Lizzie ihren Vater und ihre Stiefmutter auf so brutale Weise töten? Das Motiv sah die Polizei im Geld, das Lizzie und ihre ältere Schwester Emma erben würden und damit endlich in ein Haus in den exklusiveren Hügeln am Rande von Fall River ziehen könnten. Dennoch wollte niemand so recht glauben, dass die als fromm geltende Lizzie zu solch einer abscheulichen Tat fähig sein könnte. Lizzie erblickte am 19. Juli 1860 in Fall River das Licht der Welt. Sie wuchs in einer vermögenden Familie auf, die ihr ein privilegiertes Leben ermöglichten. Doch Lizzies Mutter starb als diese erst 2 Jahre alt war und ihr Vater Andrew heiratete wenig später die bereits 37 Jahre alte Abby Durfee Gray. Lizzie hatte von Anfang an keinen guten Draht zu ihrer neuen Stiefmutter, die sich lieber ihrer älteren Schwester Emma anvertraute, die zu einem festen Anker in Lizzies Leben wurde. Lizzie galt als eine höfliche und religiöse Frau, die ein aktives Kirchenmitglied war und sich sehr in wohltätigen Projekten engagierte. Lizzie galt aufgrund ihrer Herkunft als gute Partie, doch sie blieb unverheiratet, was nicht nur an ihrer fehlenden Attraktivität, sondern auch ihrem Vater lag, der keinen Mann für gut genug betrachtete. Laut der Polizei galt Lizzie als einzige Tatverdächtige, die ein Motiv hatte. Ihr Onkel John Morse, war zwar während der Morde zu Besuch, aber er hatte das Haus vor den Morden verlassen, was er auch mit einem hieb-und stichfesten Alibi belegen konnte. Auch Lizzies Schwester Emma hatte ein wasserdichtes Alibi. Einzig Lizzie hatte für die Tatzeit kein Alibi. Es gab verschiedene Theorien, dass Lizzies Motiv nicht nur im Geld ihres Vaters lag, sondern dass sie sich rächen wollte, da er Lizzie angeblich sexuell missbraucht hatte. Eine andere Theorie ging davon aus, dass Lizzie eine lesbische Beziehung zu dem Hausmädchen Bridget Sullivan pflegte. Als beide von Lizzies Vater und dessen Ehefrau erfuhren, mussten diese sterben. Nur fünf Tage nach den Morden musste Lizzie Borden vor Gericht aussagen. Ihr Hausarzt erklärte, er habe ihr Morphium verabreicht, um sie zu beruhigen, was ihre widersprüchlichen Aussagen erklären könnten. Auch ihre Schwester Emma bestätigte, dass keiner von ihnen einen Groll gegen die Stiefmutter gehegt habe. Trotz zahlreicher Indizien entschied der Richter, dass Lizzie „wahrscheinlich schuldig“ sei, und sie wurde am 11. August verhaftet. Die Haft von neun Monaten löste großen Protest aus, insbesondere von Frauengruppen, die kritisierten, dass Lizzie keine faire Jury vorgefunden hätte, da Frauen damals weder wählen noch als Geschworene dienen durften. Mit einer robusten Verteidigung und der Unterstützung durch zahlreiche weibliche Anhänger, die sie als tugendhafte, viktorianische Frau verteidigten, gelang es Lizzie, Zweifel an ihrer Schuld zu säen. Ihre Anwälte argumentierten ebenfalls erfolgreich, dass keine blutverschmierten Kleider gefunden worden seien. Der versuchte Kauf von Blausäure wurde als Missverständnis dargestellt. Letztendlich wurde Lizzie Borden am 20. Juni 1893 von einer Jury bestehend aus 12 weißen Männern, die überwiegend aus Protestanten bestand, freigesprochen. Trotz des jubelnden Gerichtsraumes bei der Verkündung des Urteils blieb Lizzie nach dem Prozess in der Gemeinde isoliert. Nach dem Prozess lebte Lizzie weiter in Fall River, zog jedoch in ein größeres Haus in einer wohlhabenderen Gegend. Lizzie änderte ihren Namen in Lizbeth A. Borden um, die sich mit ihrer Schwester Emma einen luxuriösen Lebensstil dank dem geerbten Vermögen von ihrem ermordeten Vater leisten konnte. Lizzie hatte nun mehrere Hausangestellte, die sich um sie und ihre Schwester kümmerten. Doch die Kinder spielten ihr oft Streiche und sangen dabei folgendes Lied: „Lizzie Borden took an axe. And gave her mother forthy whacks, when she saw what she had done, she gave her father forty-one.“ (auf deutsch: „Lizzie Borden nahm eine Axt und versetzte ihrer Mutter vierzig Hiebe, als sie sah, was sie getan hatte, versetzte sie ihrem Vater einundvierzig Hiebe“). Trotz Lizzies Freispruch mieden die Nachbarn sie. Auch ihre geliebte Schwester Emma zog 1905 nach einem Streit aus dem gemeinsamen Heim aus. Lizzie starb am 1. Juni 1927 im Alter von 67 Jahren an einer Lungenentzündung, nur neun Tage bevor auch ihre Schwester Emma verstarb. Beide wurden neben ihrem Vater beigesetzt. Obwohl das Verbrechen nie richtig aufgeklärt wurde, bleibt der Fall Lizzie Borden bis heute ein faszinierendes Rätsel in der amerikanischen Kriminalgeschichte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Boston, das 60 Kilometer von Fall River entfernt liegt. 🙂

Lizzie Borden and the brutal axe murders that shook America to its core
The Lizzie Borden murder case is one of the most controversial in US history and continues to fascinate people around the world to this day. This young woman was accused of brutally murdering her father Andrew and her stepmother Abby with a hatchet – and yet she was acquitted. What led to this surprising verdict? On August 4, 1892, the tranquil textile town of Fall River in the US state of Massachusetts became the scene of a crime that is not only considered one of the most brutal in 19th-century America, but also one of the most famous in American history. On that day, two residents of the town were found dead in their home at 92 Second Street. They were 64-year-old Abby Borden, who was lying in the guest room on the first floor with 17 axe wounds to her back, and her 69-year-old husband Andrew Borden, who was found on the ground floor with 11 axe wounds. No one had noticed anything suspicious, no strangers had been seen on the property, and yet these brutal murders had taken place. Investigators assumed that Abby had been murdered between 9 and 10:30 a.m. and Andrew about an hour later. The murder weapon was a hatchet found in the house. It had been cleaned with ashes, leaving no clues as to the identity of the murderer. At the time of the murders, 25-year-old Irish maid Bridget Sullivan and 32-year-old daughter Lizzie Borden were on the property. While Bridget had been sleeping in her room because she was feeling unwell, Lizzie had been in the secluded barn on the property. Lizzie Borden quickly became a prime suspect, as she repeatedly contradicted herself during police questioning. She claimed to have discovered her father’s body and immediately called the housekeeper, Bridget Sullivan, to fetch a doctor. Strangely, she did not choose the neighboring Irish immigrant doctor, but a French-Canadian physician. Lizzie also stated that she had been in the barn at the time of the crime, even though the thick layer of dust there showed no footprints. She was also said to have attempted to purchase lethal prussic acid in a store shortly before the murder. In addition, no bloody clothing was found. It was strange that Lizzie had burned one of her dresses two days after the murders, claiming that it was stained with paint. But why would Lizzie kill her father and stepmother in such a brutal manner? The police believed the motive was the money that Lizzie and her older sister Emma would inherit, which would finally allow them to move into a house in the more exclusive hills on the outskirts of Fall River. Nevertheless, no one really wanted to believe that Lizzie, who was considered pious, could be capable of such a heinous act. Lizzie was born on July 19, 1860, in Fall River. She grew up in a wealthy family that provided her with a privileged life. However, Lizzie’s mother died when she was only 2 years old, and her father Andrew soon remarried 37-year-old Abby Durfee Gray. From the outset, Lizzie did not get along well with her new stepmother, preferring to confide in her older sister Emma, who became a constant anchor in Lizzie’s life. Lizzie was considered a polite and religious woman who was an active member of the church and very involved in charitable projects. Lizzie was considered a good match because of her background, but she remained unmarried, not only because of her lack of attractiveness, but also because of her father, who did not consider any man good enough for her. According to the police, Lizzie was the only suspect who had a motive. Her uncle, John Morse, was visiting at the time of the murders, but he had left the house before the murders took place, which he was able to prove with a watertight alibi. Lizzie’s sister Emma also had a watertight alibi. Only Lizzie had no alibi for the time of the crime. There were various theories that Lizzie’s motive was not only her father’s money, but that she wanted revenge because he had allegedly sexually abused her. Another theory was that Lizzie had a lesbian relationship with the maid, Bridget Sullivan. When both of them found out about Lizzie’s father and his wife, they had to die. Just five days after the murders, Lizzie Borden had to testify in court. Her family doctor stated that he had administered morphine to calm her down, which could explain her contradictory statements. Her sister Emma also confirmed that neither of them had any grudge against their stepmother. Despite numerous pieces of circumstantial evidence, the judge ruled that Lizzie was “probably guilty” and she was arrested on August 11. Her nine-month imprisonment sparked widespread protests, particularly from women’s groups, who criticized the fact that Lizzie had not had a fair jury, as women were not allowed to vote or serve on juries at that time. With a robust defense and the support of numerous female supporters who defended her as a virtuous Victorian woman, Lizzie succeeded in sowing doubt about her guilt. Her lawyers also successfully argued that no bloodstained clothes had been found. The attempted purchase of prussic acid was portrayed as a misunderstanding. Ultimately, Lizzie Borden was acquitted on June 20, 1893, by a jury of 12 white men, most of whom were Protestant. Despite the cheering courtroom when the verdict was announced, Lizzie remained isolated in the community after the trial. After the trial, Lizzie continued to live in Fall River, but moved to a larger house in a more affluent neighborhood. Lizzie changed her name to Lizbeth A. Borden and, together with her sister Emma, was able to afford a luxurious lifestyle thanks to the fortune she inherited from her murdered father. Lizzie now had several domestic servants who took care of her and her sister. But the children often played pranks on her and sang the following song: “Lizzie Borden took an axe. And gave her mother forty whacks, when she saw what she had done, she gave her father forty-one.” Despite Lizzie’s acquittal, the neighbors shunned her. Even her beloved sister Emma moved out of their shared home in 1905 after an argument. Lizzie died of pneumonia on June 1, 1927, at the age of 67, just nine days before her sister Emma also passed away. Both were buried next to their father. Although the crime was never properly solved, the Lizzie Borden case remains a fascinating mystery in American criminal history to this day. I hope you enjoy my photos of Boston, which is 60 kilometers from Fall River. 🙂
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