Der Cinderella-Killer

Zu einem der brutalsten Cold Cases in der Geschichte der englischen Küstenstadt Portsmouth zählt zweifelsohne die Ermordung von Linda Cook. Linda Cook war eine 24 Jahre alte Bardame, die erst November 1986 in das Haus von Linda Gray in der Victoria Road North in Portsmouth gezogen war, wo deren Sohn lebte, mit dem Linda seit 1986 liiert war. Dieser befand sich seit dem 14. November in einer Jugendstrafanstalt. Es war der 8. Dezember als sich Linda Cook auf den Weg zu einer Freundin machte, die etwa eine Meile entfernt in der Sultan Road wohnte. Nach einem halbstündigen Aufenthalt verließ Linda kurz nach Mitternacht ihre Freundin, um sich auf den kurzen Heimweg zu machen. Doch Linda sollte nie dort ankommen, da sie auf der Lake Port in Landport brutal von einem Mann attackiert wurde. Was folgte, war eine grausame Tat, die bis heute als einer der schrecklichsten Cold Cases Großbritanniens gilt. Am Morgen des 9. Dezember machte ein Spaziergänger eine entsetzliche Entdeckung: Die nackte Leiche von Linda Cook lag auf einem verlassenen Gelände namens Merry Row. Der Anblick war nichts für schwache Nerven: Linda war nicht nur vergewaltigt und erdrosselt worden, sondern ihr Mörder hatte auch so brutal auf sie eingetreten, dass ihr Kehlkopf zerquetscht war, ihr Kiefer und ihre Wirbelsäule gebrochen waren und ein Abdruck eines Sneakers, auf dessen Sohle „FLASH“ stand,  in ihren Bauch gedrückt worden war. Die entsetzliche Tat war der Höhepunkt einer Serie von Vergewaltigungen, die Portsmouth heimsuchten und die man einem Unbekannten namens „Bestie von Buckland“ zuschrieb. Der Druck auf die Polizei, den Täter zu finden, wuchs ins Unermessliche. Nur wenige Tage nach dem Mord an Linda Cook schien die Polizei ihren Verdächtigen gefunden zu haben: Michael Shirley, ein 18-jähriger Matrose der Royal Navy auf Landurlaub, wurde verhaftet. Michael Shirley war in Portsmouth stationiert. Denn zu jener Zeit war Portsmouth eine wichtige Handelshafen- und Marinestadt, deren Herz der Marinestützpunkt war. Michael Shirley zog am Tatabend durch die Clubs der Stadt und versuchte, Kontakte Frauen zu knüpfen. In einem Club namens „Joanna’s“ traf er auf Deena Fogg, die ihm sagte, sie heiße Sue. Sie stiegen zusammen in ein Taxi, doch Deena stieg an einem Hochhaus aus und verschwand, weil sie es sich anders überlegt hatte. Shirley wartete vergeblich auf ihre Rückkehr und kehrte letztlich gegen 1:45 Uhr zurück zu seinem Schiff. Als Deena Fogg zwei Tage später erneut auf Shirley traf, sprachen sie über die Nähe ihres Treffens zum Tatort von Linda Cook. Foggs Verdacht, angeheizt durch Shirleys Gespräch, führte sie schließlich zur Polizei. Diese vermutete, Shirley könnte nach der Ablehnung durch Fogg aus Frustration Linda Cook angegriffen haben. Besonders belastend erschien den Ermittlern ein Paar Sneakers, das Shirley besaß und dessen Profil mit jenem übereinstimmte, welches auf Lindas Bauch gefunden wurde. Die Sneaker der Marke Reebok Ex-O-Fit sollten später beim Prozess eine entscheidende Schlüsselrolle spielen. Durch diesen Schuhabdruck verpassten die Medien Lindas Mörder den Spitznamen „Der Cinderella-Killer“. Nachdem Shirleys Bluttyp 0 positive zur Spur vom Tatort passte, und kleine Kratzer an Shirleys Körper als mögliche Spuren des Abwehrkampfes gedeutet wurden, wurde dieser verhaftet. Im Jahr 1988 wurde Michael Shirley wegen Vergewaltigung und Mordes an Linda Cook zu lebenslanger Haft verurteilt, obwohl dieser vehement seine Unschuld beteuerte. Zwar gab es von Anfang an Zweifel an seiner Schuld, doch durch den öffentlichen Druck schien es, als ob Shirley als Sündenbock herhalten sollte, um die Gemüter zu beruhigen. Obwohl die angebliche Tatzeit von 30 Minuten nach einer Überprüfung als nicht existent angesehen wurde, da sich Deena Fogg an die Zeit des Taxirufs falsch erinnert hatte, hielt das Gericht an seiner Verurteilung fest. Auch die Kratzspuren erwiesen sich als bedeutungslos. Denn Linda Cooks lange Fingernägel wiesen keinerlei Spuren von Kratzern auf. Zudem war der Bluttyp 0 positiv in der britischen Bevölkerung weit verbreitet und kein eindeutig belastendes Indiz. Besonders die Sneakers, die als entscheidender Beweis galten, waren bei näherer Betrachtung weniger aussagekräftig. Rund 9000 Paar dieser Schuhe wurden im Jahr 1986 in Großbritannien verkauft. Darüber hinaus waren an Shirleys Schuhen weder Blut- oder Gewebespuren gefunden worden. Erst 2002, nach einer neuen DNA-Analyse von Linda Cooks Kleidung und am Tatort gefundenem Sperma, konnte Michael Shirley ausgeschlossen werden. Im Jahr 2003 wurde er im Alter von 34 Jahren aus der Haft entlassen, der zuvor im Gefängnis immer wieder durch Hungerstreiks und Proteste versucht hatte, auf sein Schicksal aufmerksam zu machen, damit der Fall neu aufgerollt werden würde. Nach Shirleys Freispruch nahm die Polizei die Ermittlungen wieder auf, doch Fortschritte blieben aus. Erst Jahre später begann der pensionierte Polizist Chris Clark, den Fall erneut zu untersuchen. Seine Recherchen brachten ihn auf die Spur von Paul Barry Taylor, einem Serienvergewaltiger und -mörder, der 2012 für die Ermordung der 22-jährigen Sally Ann McGrath im Jahr 1979 sowie weitere Vergewaltigungen verurteilt wurde. Clarks Untersuchungen zeigen, dass immer dort, wo Taylor lebte, eine Welle von sexuellen Übergriffen stattfand. Taylor zog 1985 in die nahegelegene Stadt Fareham, nur sechs Meilen von Portsmouth entfernt. Ein Zeuge meldete gar, einen Mann gesehen zu haben, der Taylor ähnelte und am Tatabend von Linda Cook in der Nähe des Merry Row davonlief. Clark fordert seitdem die Polizei auf, Taylors DNA-Profil mit den Spuren vom Tatort zu vergleichen, doch seine Bitten blieben bisher unbeantwortet. Paul Barry Taylor verbleibt weiterhin im Gefängnis, während der Mord an Linda Cook offiziell ungeklärt bleibt. Dieser Fall ist ein finsteres Kapitel in der Geschichte von Portsmouth – eine Mischung aus schrecklicher Brutalität, Justizirrtum und anhaltender Ungewissheit über den wahren Täter. Während Linda Cook ihrem Mörder nicht entkommen konnte, war Michael Shirley ein weiteres Opfer dieser Nacht – gefangen in einem Netz aus Fehlurteilen und verlorenen Lebensjahren. Die Wahrheit mag noch in tiefen, dunklen Ecken lauern, aber die Suche nach Gerechtigkeit für Linda Cook und Michael Shirley muss weitergehen. In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Freude mit meinen Fotos von der Isle of Wight. 🙂


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Herzlich Willkommen auf meiner Reise durch Kreativität und Entdeckung! Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die faszinierenden kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Mit TrueCrime Blog 187.news geht’s in die Abgründe des Verbrechens. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Schließlich lädt truecrime.ch dazu ein, die dunklen Seiten der Schweiz und Europas zu entdecken: wahre Verbrechen, wahre Geschichten. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!