Am 24. März 1985 fand in der Stadt Sherbrooke in der kanadischen Provinz Quebec ein Ereignis statt, das die kriminelle Unterwelt Kanadas für immer erschüttern sollte. Dieser Tag ging als das „Lennoxville-Massaker“ in die Geschichte ein, obwohl die Bezeichnung irreführend ist, da die Morde tatsächlich in Sherbrooke verübt wurden. Dieser Vorfall markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Hells Angels und löste eine Fehde aus, die das kriminelle Umfeld von Quebec für Jahre vergiften würde. Die Hells Angels, eine berüchtigte Motorradgang, waren seit den 1970er Jahren in Quebec aktiv. Ihr Einfluss wuchs, insbesondere nachdem sie 1977 den Popeyes Motorcycle Club in ihre Reihen aufgenommen hatten. Die Popeyes, unter der Führung von Yves „Le Boss“ Buteau, hatten sich zuvor durch brutale Konflikte mit rivalisierenden Gangs wie den Devils Disciples und Satan’s Choice einen Namen gemacht. Diese Gewalt bereitete den Boden für die spätere Eskalation der Hells Angels im organisierten Verbrechen. Im September 1979 wurde das Montreal Chapter der Hells Angels in zwei Lager gespalten: Montreal North und Montreal South. Laurent „L’Anglais“ Viau führte das North Chapter, während Réjean „Zig Zag“ Lessard das South Chapter leitete. Viau war bekannt für seine tolerante Haltung gegenüber Gewalt und Drogenkonsum, was zu einer zunehmenden Unkontrollierbarkeit des North Chapters führte. Unter Viau wuchs der Drogenmissbrauch und finanzielle Unregelmäßigkeiten häuften sich. Dies missfiel anderen Mitgliedern der Hells Angels, die eine diszipliniertere und geschäftsorientierte Gangstruktur bevorzugten. Der Wendepunkt kam am 8. September 1983, als Yves Buteau und Guy „Frenchie“ Gilbert bei einem Mittagessen in Longueuil von Gino Goudreau, einem Möchtegern-Mitglied der Outlaws, erschossen wurden. Dieser Mord brachte Michel „Sky“ Langlois an die Spitze der Hells Angels und ließ die Spannungen zwischen dem North und South Chapter eskalieren. Das South Chapter unter Lessard hielt das North Chapter für eine Bedrohung ihrer Geschäfte und ordnete schließlich deren Eliminierung an. Im März 1985 beschloss die Führung der Hells Angels bei einem geheimen Treffen in Sorel, das North Chapter als „bad standing“ zu deklarieren – ein Todesurteil für dessen Mitglieder. Ein Plan wurde ausgearbeitet, der auf gewaltsame Weise die Zerstörung des gesamten Chapters vorsah. Am 23. März 1985 lud die Sherbrooke-Gruppe die Mitglieder des North Chapters zu einer Party ein. Ursprünglich sollten die Opfer beim Betreten des Clubhauses überfallen werden, aber da nicht alle erschienen, wurde die Feier um einen Tag verlängert und die Teilnahme zur Pflicht gemacht. Am nächsten Tag erschienen fünf Mitglieder des North Chapters, darunter ihr Anführer Viau. Sie wurden sofort in die Mitte eines Raumes geführt und brutal erschossen. Drei weitere Mitglieder wurden verschont und erhielten das Angebot, entweder aus der Gang auszutreten oder zum South Chapter zu wechseln. Gilles „Le Nez“ Lachance nahm das Angebot an und bezeugte später gegen die Täter. Die Leichen von Viau und seinen vier Kameraden wurden in Schlafsäcke gewickelt und mit Gewichtsscheiben beschwert in den St. Lawrence River geworfen. Einige Monate später entdeckte ein Fischer die Überreste von Jean-Guy „Brutus“ Geoffrion, was zu weiteren Funden führte. Die grausame Entdeckung festigte den Ruf der Hells Angels als gnadenlose Organisation. Die Reaktion auf das Massaker war heftig. Salvatore Cazzetta, ein prominenter Krimineller aus Quebec, verließ die Hells Angels und gründete 1986 die Rock Machine, eine rivalisierende Motorradgang. Diese Spaltung führte in den 1990er Jahren zu einem brutalen Bandenkrieg zwischen den Rock Machine und den Hells Angels. Die Hauptakteure hinter dem Massaker – Lessard, Luc „Sam“ Michaud, Jacques „La Pelle“ Pelletier und Robert „Snake“ Tremblay – wurden wegen Mordes ersten Grades verurteilt. Trotz lebenslanger Strafen wurden sie aufgrund der sogenannten „Faint Hope Clause“ vorzeitig entlassen. Viele der Täter kehrten ins kriminelle Milieu zurück, doch einige wie Lessard schworen der Gewalt ab und widmeten sich friedlicheren Lebensweisen. Trotz der Bemühungen der Justiz, die Hells Angels zu zerschlagen, blieben sie eine einflussreiche Kraft im kanadischen organisierten Verbrechen. Ihre Gewaltbereitschaft und die brutalen internen Machtkämpfe sind bis heute ein düsteres Kapitel in der Geschichte Quebecs. In den Jahren nach dem Lennoxville-Massaker wurden zahlreiche Morde aufgeklärt und viele Mitglieder der Hells Angels verurteilt, was teilweise auf die Aussage von Yves „Apache“ Trudeau zurückzuführen war, der selbst über 40 Morde gestanden hatte. Trudeau ging einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ein und erhielt im Gegenzug für seine Kooperation eine stark reduzierte Strafe, was erheblichen öffentlichen Protest hervorrief. Die Hells Angels blieben trotz allem eine der gefährlichsten Motorradgangs Kanadas. Ihr Einfluss erstreckte sich über verschiedene Provinzen und sie waren in zahlreiche kriminelle Aktivitäten verwickelt. Die brutale Natur des Lennoxville-Massakers diente als abschreckendes Beispiel für die Gewalt, die innerhalb der eigenen Reihen herrschte. Das Lennoxville-Massaker, obwohl es in Sherbrooke stattfand, bleibt eines der berüchtigtsten Ereignisse in der Geschichte der Hells Angels und des organisierten Verbrechens in Kanada. Es offenbarte die brutale Realität der Bandenkriminalität und die extreme Gewaltbereitschaft innerhalb der Hells Angels. Das Blutbad in Sherbrooke war nicht nur ein massiver interner Machtkampf, sondern auch ein Auslöser für weitreichende Veränderungen in der kriminellen Unterwelt Quebecs. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Québec City. 🙂





















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