Guadalupe Martínez de Bejarano, auch bekannt als „La Mujer Verdugo“ oder „La Temible Bejarano“, gilt bis heute als eine der grausamsten und erschreckendsten Figuren der mexikanischen Kriminalgeschichte. Ihre Verbrechen im späten 19. Jahrhundert, deren Opfer wehrlose junge Frauen waren, haben das kollektive Gedächtnis des Landes nachhaltig geprägt. Doch trotz ihrer Gräueltaten ist ihr Name vielen in Vergessenheit geraten. Über das Privatleben von Guadalupe Martínez de Bejarano ist nur wenig bekannt. Historische Dokumente deuten darauf hin, dass sie der oberen Mittelschicht angehörte – eine Ansicht, die durch ihre methodische Vorgehensweise und ihren Lebensstil gestützt wird. Ihr Ehemann war ein Mann namens Macario Bejarano, mit dem sie den gemeinsamen Sohn Aurelio zeugte. Als ihr Ehemann 1878 das Zeitliche segnete, zog Guadalupe Aurelio allein groß, deren Geist immer mehr von ihren eigenen sadistischen Gelüsten vernebelt wurde. So stellte Guadalupe junge Frauen als Hausmädchen an, die sie nicht nur folterte, sondern auch tötete. Die Tatsache, dass Guadalupe aus privilegierten Verhältnissen stammte, rückt ihre Taten in ein besonderes Licht. Sie nutzte ihre gesellschaftliche Stellung und ihren Status aus, um ihre Opfer zu manipulieren und sie in eine tödliche Falle zu locken. Diese Diskrepanz zwischen ihrer äußeren Fassade und ihrem inneren Abgrund macht ihre Geschichte umso erschütternder – eine wohlhabende Frau, die sich als brutale Serienmörderin entpuppte. Guadalupe Martínez de Bejarano wählte ihre Opfer gezielt aus: junge, arme Mädchen, die verzweifelt nach Arbeit suchten und kaum Mittel hatten, sich zu verteidigen. Sie bot ihnen angeblich eine Anstellung als Hausangestellte an, doch statt Sicherheit und Arbeit erwarteten die Opfer grausame Folter und Misshandlung. Besonders berüchtigt war ihr sadistisches Folterinstrument, das als „römischer Stuhl“ bekannt wurde. Sie zwang ihre Opfer, nackt auf einem Rost mit glühenden Kohlen zu sitzen, wodurch sie schwere Verbrennungen erlitten. Zudem hängte sie ihre Opfer mit Seilen an den Handgelenken auf, peitschte sie aus und ließ diese hungern, bis sie schließlich entweder starben oder körperlich wie seelisch völlig gebrochen waren. Die Brutalität ihrer Methoden machte Martínez nicht nur zu einer Mörderin, sondern zu einer sadistischen Täterin, die offenbar Freude an der Qual ihrer Opfer hatte. Historiker vermuten, dass sie aus ihrer grausamen Gewalt sexuelles Vergnügen und ein Gefühl der Macht bezog – ein Profil, das sie als eine der ersten bekannten Serienmörderinnen Mexikos auszeichnet. Guadalupe Martínez de Bejaranos erster dokumentierter Mord ereignete sich 1887, als sie Casimira Juárez tötete. Wie bei ihren späteren Opfern waren die Umstände von Täuschung, brutaler Folter und schließlich Mord geprägt. Juárez, eine in Armut lebende junge Frau, wurde von Martínez als Hausmädchen angeworben, die schließlich ihrer Gewalt zum Opfer fiel. Zwar hatten die Nachbarn die Behörden über Casimira Misshandlungen informiert, so dass diese ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Doch sie erlag dort ihren schweren Verletzungen, konnte aber zuvor noch ihre Arbeitgeberin Guadalupe als ihre Peinigerin bezeugen. Obwohl Guadalupe wegen dieses Mordes am 21. Juni 1878 verhaftet wurde, spiegelten die damaligen rechtlichen Rahmenbedingungen die Schwächen des mexikanischen Justizsystems wider. Guadalupe wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt. Ein recht mildes Urteil, das an den Gesetzen des Porfiriato lag, die vom ehemaligen Präsidenten Porfirio Diaz Mori stammten, der Guadalupe sogar nach nur 5 Jahren Haft begnadete. Dadurch konnte Guadalupe ihre mörderischen Taten ein Jahr nach ihrer Entlassung fortzusetzen. Diesmal mit besonderer Grausamkeit. Im Jahr 1892 nahm sie zwei Schwestern ins Visier: Guadalupe und Crescencia Pineda. Auch sie wurden unter dem Vorwand einer Arbeitsstelle in ihre Fänge gelockt. Für die beiden jungen Mädchen begann ein Albtraum, der Wochen oder sogar Monate andauerte. Sie erduldeten dieselben grausamen Foltermethoden wie Martínez’ frühere Opfer. Schließlich fanden die Pineda-Schwestern den Tod – eine Tragödie, die die Öffentlichkeit zutiefst schockierte und lautstarke Forderungen nach Gerechtigkeit auslöste. Ihre Leichen wiesen Brandwunden, Narben und zahlreiche Prellungen auf. Der entscheidende Wendepunkt im Fall von Guadalupe Martínez de Bejarano kam durch ihren eigenen Sohn, Aurelio Bejarano Martínez. Nachdem die Ermittler der Täterin auf die Spur gekommen waren, war es Aurelio selbst, der seine Mutter als Täterin identifizierte. Interessanterweise versuchte Martínez daraufhin, die Schuld für die Verbrechen auf ihren Sohn abzuwälzen, was die öffentliche Meinung noch stärker gegen sie aufbrachte. Ihr Versuch, die Verantwortung abzulehnen, schlug fehl. Die Beweislage gegen Guadalupe war erdrückend, und die öffentliche Empörung war so groß, dass viele Menschen die Todesstrafe forderten. Doch einmal mehr wurde die Schwäche des Justizsystems offenbart: Guadalupe erhielt eine Freiheitsstrafe von lediglich zehn Jahren und acht Monaten, während ihr Sohn wegen seiner anfänglichen Untätigkeit ebenfalls zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde. Guadalupe Martínez de Bejarano verbüßte ihre Strafe im Frauenflügel des Belén-Gefängnisses, isoliert von anderen Insassinnen. Ihr Name und ihre Verbrechen hatten bei ihren Mitinsassinnen solchen Hass hervorgerufen, dass ihre Sicherheit gefährdet war. Sie lebte bis zu ihrem Tod unter schlechten Bedingungen und starb schließlich eines natürlichen Todes im Jahr 1900 im Gefängnis Belém in Mexiko-Stadt. Es bleibt unklar, ob Martínez jemals echte Reue für ihre Verbrechen empfand. Die Isolation und der Hass, denen sie ausgesetzt war, ließen ihr jedoch keinen Raum für Resozialisierung oder für eine Reflexion über ihre Taten. Ihr Tod markierte das Ende eines der dunkelsten Kapitel der mexikanischen Kriminalgeschichte. Trotz der von ihr begangenen Gräueltaten ist der Name Guadalupe Martínez de Bejarano im Laufe der Zeit in den Hintergrund getreten. Während berühmte männliche Serienmörder wie Francisco Guerrero Pérez „El Chalequero“ oft im öffentlichen Gedächtnis bleiben, ist die Geschichte von „La Mujer Verdugo“ weitgehend in Vergessenheit geraten. Ende des 19. Jahrhunderts inspirierten ihre Taten jedoch Künstler wie den renommierten mexikanischen Kupferstecher José Guadalupe Posada, der mehrere Illustrationen zu ihrem Fall veröffentlichte. Auch der Dichter und Verleger Antonio Vanegas Arroyo widmete ihr ein Volkslied, bekannt als „Corrido de La Temible Bejarano“. Lange Zeit blieben diese künstlerischen Darstellungen die einzige Quelle, die ihre Geschichte am Leben erhielt. Um die Verbrechen von Guadalupe Martínez de Bejarano vollständig zu verstehen, ist es wichtig, die sozialen und kulturellen Zusammenhänge im Mexiko des späten 19. Jahrhunderts zu betrachten. Diese Zeit war geprägt von politischer Instabilität, wirtschaftlicher Ungleichheit und einem schwachen Justizsystem, das nur begrenzt in der Lage war, Straftäter angemessen zu bestrafen. In dieser Zeit tauchten Frauen in Kriminalstatistiken oft gar nicht auf – ihre Straftaten wurden seltener erfasst oder ernst genommen. Der Fall von Guadalupe zeigte jedoch, dass Frauen ebenso zu extrem grausamen Taten fähig waren, was die damaligen Geschlechterrollen und Stereotypen in Frage stellte. Zudem stammten Guadalupes’ Opfer überwiegend aus den unteren sozialen Schichten, was auch die Machtlosigkeit und soziale Verletzlichkeit armer Bürger offenlegte. Durch die Auswahl dieser Opfer nutzte sie bewusst die Marginalisierung und Hilflosigkeit derjenigen aus, die von der Gesellschaft kaum Unterstützung erhielten. Guadalupe Martínez de Bejarano bleibt eine beunruhigende Figur der mexikanischen Geschichte, deren Taten auch heute noch schwer zu begreifen sind. Ihre Geschichte erinnert auf eindringliche Weise daran, in welche Abgründe die menschliche Psyche sinken kann, und wie wichtig ein starkes Rechtssystem ist, das nicht nur Bestrafung gewährleistet, sondern auch Prävention und Schutz bietet. Obwohl sie im Laufe der Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten ist, bleibt ihre Geschichte eine wichtige Mahnung an die Verantwortung der Gesellschaft, sowohl gegenwärtige als auch zukünftige Gewalttaten und Verbrechen zu erkennen, zu bekämpfen und zu verhindern. Dir wünsche ich trotz dieser beklemmenden True Crime Story viel Freude mit meinen Fotos von Mexiko-Stadt. 🙂





























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