Die fast abgerissene Salvatorkirche in München

Isabella Mueller @isabella_muenchen München

Auf dem Salvatorplatz gegenüber dem Münchner Literaturhaus befindet sich die spätgotische Backsteinkirche St. Salvator, auch Salvatorkirche genannt. Diese Kirche wurde im Zuge der Stadterweiterung von König Ludwig der Bayer unter Herzog Albrecht IV. als Friedhofskirche in den Jahren von 1492 bis 1494 erbaut. Denn die Einwohnerzahl der Stadt war gestiegen, so dass die Friedhöfe um den Alten Peter und die Frauenkirche nicht mehr ausreichten. Der Baumeister dieser Friedhofskirche war vermutlich Lukas Rottaler, ein Schüler des berühmten Architekten und Baumeisters Jörg von Halspach, genannt Ganghofer. Am 15. August 1494 wurde die einschiffige Kirche mit Hauptportal im Westen und polygonalen Chorabschluss im Osten geweiht. Die Backsteinkirche mit einer Länge von 27 Metern und einer Breite von 11 Metern besitzt im Nordwesten einen Turm, der stolze 69 Meter misst. Die Salvatorkirche, eine der ältesten Kirchen Münchens, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. So konnte ihr Abriss, der am 25. Mai 1803 beschlossen wurde, gerade noch verhindert werden. Denn anlässlich der Säkularisation wurde die Kirche am 20. April 1803 geräumt und als Depot, Wagenremise und Getreidespeicher genutzt. Am 21. Dezember 1806 schenkte König Max I. Joseph St. Salvator der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde, die diese aufgrund der geringen Größe nicht nutzen konnten. Die evangelische Kirche erhielt daraufhin mit der Matthäuskirche ihren eigenen Bau. Danach überließ per Majestätsbeschluss vom 22. und 30. September 1828 König Ludwig I. das Gebäude zur Nutzung der griechisch-orthodoxen Gemeinde. Die Kirche blieb aber im Besitz des Freistaates Bayern. Das Kirchengebäude wurde unter dem stadtbekannten Architekten Leo von Klenze nach orthodoxem Ritus umgebaut. Die Weihung der Kirche zur „Verklärung des Erlösers“ erfolgte am 18. Dezember 1829. Die griechisch-orthodoxe Kirche ist seitdem ein Stück Heimat für die über 25.000 in München lebenden Griechen und gilt als Mittelpunkt der ersten und ältesten griechisch-orthodoxen Gemeinde in Deutschland. Ich war wirklich beeindruckt von der hellen, lichtdurchfluteten Kirche mit ihren Säulen und den Gewölberippen in leuchtenden Orange- und Ockertönen sowie den prunkvollen Kronleuchtern. Denn nach aufwendiger Restaurierung 2009 erstrahlt die Kirche heute in neuem Glanz. Besonders bemerkenswert ist die von Leo Klenze geschaffene Ikonostase. Diese mit Ikonen verzierte Wand zwischen Kirchenschiff und Altarraum ist genauso faszinierend wie die spätgotischen Sakralfresken aus dem Jahr 1495 von Gabriel Mäleßkirchner an der Nordfassade, die ein letztes Zeugnis der spätgotischen Außenmalerei in München darstellt. Das Nordportal ist durch einen Glaswindfang geschützt, der als klimatischer Schutz für die Fresken aus dem 15. Jahrhundert gilt. Die Salvatorkirche ist ein wunderbares Kulturgut, das glücklicherweise nicht abgerissen wurde und heute als Gotteshaus der griechisch-orthodoxen Gemeinde dient. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos dieser bemerkenswerten Kirche in der Münchner Altstadt. 🙂

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