Der mystische Ottilienberg: Kultstätte und Wallfahrtsort

Isabella Müller Heilbronn Baden Württemberg Deutschland @isabella_muenchen

Der mystische Ottilienberg befindet sich auf einem Höhenplateau des Eppinger Hardtwaldes am westlichen Rand des Heuchelbergs, nahe der ehemaligen Grenze von Baden und Württemberg. Der 310 Meter hohe Berg blickt auf über tausend Jahre Geschichte zurück und war schon in der Jungsteinzeit eine Kultstätte. Diesen besonderen Ort suchte ich zu Fuß auf. Nach kurzen Anstieg erblickte ich den Ottilienberg auf dem sich die St. Ottlienkapelle befindet, die dem Berg ihren Namen gab. Die St. Ottilienkapelle wurde der Heiligen Ottilia gewidmet und 1973 vom Adelsgeschlecht von Gemmingen errichtet. Nach der Legende war die Heilige Ottilia, die Tochter des Herzogs Eticho aus dem Elsass. Dieser verstieß sie wegen ihrer Blindheit. Ein Wunder geschah als sie mit 12 Jahren bei ihrer Taufe ihr Augenlicht wieder erlangte. Daraufhin gründete Ottilia ein Kloster auf dem nach ihr benannten Ottilienberg im Elsass. Sie starb 723 nach Christus und wird seitdem als Schutzpatronin des Augenlichts verehrt. Die Kapelle avancierte schnell zu einem beliebten Wallfahrtsort und zusätzlich zur Kapelle entstand ein Friedhof sowie kleinere Wirtschaftsgebäude. Im 16. Jahrhundert erwarb die Stadt Eppingen die Anlage von dem Wilhelmitenkloster Marienthal. Im Zuge der Reformation wurden alle Bildwerke zerstört und die Kapelle geschlossen. Im 30-jährigen Krieg wurden Großteile des Langhauses zerstört und im Jahr 1683 wurde das Dach des Turms aufgrund eines Blitzeinschlags beschädigt. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Eppinger Linien von 1596 bis 1697 erhielt der Kapellenturm die Funktion eines Chartaque, eines Wachturms, und wurde erhöht. Im 18. Jahrhundert wurden von Eppingen aus wieder Wallfahrten zur Kapelle unternommen. Auch eine Gastwirtschaft entstand 1810 im ehemaligen Bruder- und nun Jägerhaus, die von dem Bezirksförster Waldmann betrieben wurde. Der Ottilienberg wurde zu einem populären Ausflugsort mit traumhaften Panorama über den Kraichgau und das Zabergäu. Aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung im 19. Jahrhundert wurde das Kirchenschiff bis auf einen Rest im Westen abgetragen. Während der letzten Kriegstage im Zweiten Weltkrieg brannte die Kapelle aus. Eine umfassende Sanierung und Wiederherstellung der Kapellenruine erfolgte 1956. Dabei wurde auch der Turm mit einem gemauerten Treppenaufgang versehen. Seit 2017 beherbergt die Kapelle den Palmbäualtar, der 1948 von dem Bildhauer Richard Wieser als Fronleichnamsaltar geschnitzt wurde. Der Altarschrein zeigt in der Mitte Jesus Christus als König der Welt, flankiert von der Gottesmutter Maria an seiner rechten Seite und der heiligen Ottilia zur Linken. Ich war sehr gespannt auf die Klosterruine, die sich idyllisch im Wald mitten auf dem geheimnisvollen Ottilienberg befindet. Das Arreal, auf dem sich die Kapelle und die Wirtschaftsgebäude befinden, wird durch eine Einfriedungsmauer eingesäumt. Die Kapelle ist ein einschiffiger Sakralbau im Stil der europäischen Gotik. Ich bewunderte ihre Maßwerkfenster, die Spitzbögen und das Sterngewölbe im Chor. Durch Zerstörung der Kirche im 30-jährigen Krieg ist eine große Lücke zwischen Chor und den Überresten des Langhauses entstanden. Die Kapelle mit Turm und Sakristeianbau verfügt über einen großen Bestand bauzeitlicher Natursteinoberflächen. Darum wird seit 2014 an einer Schadens- und Maßnahmenkartierung gearbeitet, um die vorhandene Bausubstanz zu erhalten. Ich war fasziniert von der Kapelle, die im September 2015 zum Denkmal des Monats gekürt worden war. Ihre exponierte Lage hoch oben auf dem Berg versprühte eine besondere Aura und die Aussicht war einfach grandios. Der Ort hatte wirklich etwas Besonderes. Euch wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der St. Ottilienkapelle auf dem Ottilienberg. 🙂

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