Ein Mord, der ein wahrer Meilenstein der Forensik darstellte, da zum ersten Mal ein toxikologischer Beweis zum Gerichtsurteil führte, war der an Charles Lafarge. Die Mörderin war dessen Ehefrau Marie Fortunée Lafarge, die ihren vier Jahre älteren Ehemann mit hohen Dosen Arsenik vergiftet hatte. Doch warum? Marie wurde im Januar 1816 in Paris als Tochter des Artillerieoffiziers Cappelle, der in Napoleons Armee gedient hatte, geboren. Nachdem zuerst Maries Vater und später auch Maries Mutter das Zeitliche gesegnet hatten, wuchs diese bei der Schwester ihrer Mutter, der Ehefrau des Generalsekretärs der Bank von Frankreich auf. Marie genoss eine exzellente schulische Bildung, die ein gern gesehener Gast in der Pariser Oberschicht war. Die dunkelhaarige, kultivierte Pariserin genoss einen tadellosen Ruf, die gern ihre Freundin Marie de Nicolai besuchte, die nach ihrer Hochzeit mit dem Vicomte de Léautaud auf dessen Schloss lebte, bis wertvoller Schmuck von der Comtesse fehlte. Daraufhin betraute der Vicomte die Sûreté mit den Ermittlungen, die zum Schluss kamen, dass nur Marie den Schmuck entwendet haben konnte. Doch dies glaubte der Vicomte nicht, der Marie vor einer Inhaftierung bewahrte und diese nach Paris zurückschickte. Dort warteten schon Maries Pflegeeltern, die per Heiratsvermittlung einen wohlhabenden Ehemann für Marie gefunden hatten. Dieser war Charles Lafarge aus Le Glandier, der Fabrikbesitzer einer Eisengießerei und auch Schlossbesitzer war. Marie war wenig begeistert von Charles, den sie unattraktiv und äußerst flegelhaft empfand. Doch aufgrund seines angeblich immens hohen Vermögens heiratete diese ihn am 10. August 1839. Marie war 23 Jahre alt und zog mit ihrem frisch gebackenen Ehemann nach Le Glandier. Doch dessen Schloss entpuppte sich als heruntergekommenes Kloster und die Fabrik war schon lange bankrott. Marie war so entsetzt, dass sie sich in ihrer ersten Nacht in ihrem neuen Zuhause einschloss. Sie schrieb Charles einen Brief, in dem sie um Auflösung der Ehe bat, wenn nicht würde sie sich mit Arsenik das Leben nehmen. Charles beruhigte Marie, die einwilligte zu bleiben, wenn Charles auf die ehelichen Pflichten verzichtet, bis das Anwesen renoviert und die Geschäfte wieder liefen. Charles stimmte dem zu, der nicht nur das Gebäude renovieren ließ, sondern Marie auch zum Vergnügen ein arabisches Pferd kaufte, ihr Klavier aus Paris kommen ließ sowie ihre Mitgliedschaft in der örtlichen Bücherei organisierte, damit Marie ihren kulturellen Interessen nachgehen konnte. Alles hatte Charles auf Pump besorgt. Doch Maries erste Amtshandlung war es, beim örtlichen Apotheker Arsenik zu kaufen, um der angeblichen Rattenplage Herr zu werden. Kurz vor Weihnachten war Charles nach Paris gereist, um geschäftliche Dinge zu regeln. Marie, die in Briefen an ihre Freundinnen in Paris vom französischen Landleben schwärmte, verfolgte einen heimtückischen Plan. Zuerst bat sie Charles sein Testament zu ihren Gunsten zu ändern, was dieser tat, da Marie ihn im Gegenzug auch als Alleinerben eingesetzt hatte. Doch Charles setzte danach ein zweites Testament auf, in dem er seine Mutter als Alleinerbin bestimmte, somit galt das erste Testament nicht. Am 16. Dezember schickte sie Charles einen Weihnachtskuchen. Als dieser davon aß, wurde er von Krämpfen, Erbrechen und Übelkeit geplagt. Typische Anzeichen einer Arsenvergiftung, doch Charles glaubte, dass der Kuchen einfach verdorben war. Am 3. Januar 1840 kehrte er nach Hause zurück, wo er bald schon dieselben Symptome wie in Paris nach dem Verzehr des Kuchens hatte. Doch die beiden nacheinander gerufenen Ärzte Dr. Bardou und Dr. Massénat gingen von einer Cholera-Erkrankung aus. Aber Zeugen hatten beobachtet, dass Marie ihrem Ehemann oftmals ein weißes Pulver aus einer Malachitdose verabreicht hatte. Danach ging es Charles immer schlechter. Außerdem hatte sowohl Maries Gärtner als auch ihr Diener Arsenik beim örtlichen Apotheker für Rattenköder besorgen müssen. Am 14. Januar war der Arzt Dr. Lesinasse gerufen worden, der eindeutig von einer Arsenvergiftung ausging. Aber er konnte Charles nicht mehr helfen, der noch am selben Tag verstarb. Marie schickte wenig später das Testament zum Notar. Sie wusste nicht, dass dieses ungültig war. Währenddessen hatte Charles Cousine Emma die Dose von Marie entwendet. Die Gendarmerie und der Friedensrichter von Brive, Monsieur Moran, wurden informiert. Während der Ermittlungen, die große Wellen schlug, erinnerte sich der Vicomte an den verschwunden Schmuck seiner Ehefrau, der daraufhin eine Hausdurchsuchung anordnete, bei der der entwendete Schmuck gefunden wurde. Marie behauptete, dass ihre Freundin von ihrem Liebhaber erpresst worden war, weshalb Marie den Schmuck veräußern sollte. Als diese die Angelegenheit klären konnte, schenkte diese Marie den Schmuck. Dies stellte sich als dreiste Lüge heraus. Marie wurde zu 24 Monaten Haft verurteilt. Am 3. September 1840 begann der Prozess gegen Marie in Tulle. Journalisten aus aller Welt waren angereist. Maries Pflegemutter hatte den besten Anwalt von Paris, Alphonse Paillet, beauftragt. Dieser hatte um Maries Unschuld zu beweisen den spanischen Mediziner und Chemiker Mathèo-José B. Orfila, auch „Fürst der Toxikologie“ genannt, beauftragt die Organe von Maries Ehemann nach der neuen Marshsche Probe zu untersuchen. Er war fest davon überzeugt, dass in Charles Eingeweide kein Arsenik gefunden werden würde. Aber genau das Gegenteil war der Fall, denn diese Koryphäe der Toxikologie fand Arsenik darin. Charles war eindeutig mit Arsenik vergiftet worden. Marie bestritt nach wie vor alle Vorwürfe gegen sie. Doch das Gericht verurteilte sie zu lebenslänglicher Zwangsarbeit, die durch König Louis-Philippe in eine lebenslange Gefängnisstrafe umgewandelt wurde. Marie verbrachte 11 Jahre im Gefängnis in Montpellier, wo sie ihre Memoiren schrieb. Nach Bitte ihrer Ärzte an Napoleon III. wurde Marie Anfang 1852 in Freiheit entlassen, wo ihr Großonkel und seine Tochter sie in ein Spa in Ussat brachten. Wenige Monate später verstarb dort Marie am 7. September 1852. Sie wurde auf dem Friedhof in Ornolac-Ussat-les-Bains im Département Ariége beigesetzt. Bis heute sorgt Marie wegen des weltweit ersten Gerichtsurteils, das auf einem toxikologischen Beweis gestützt war, für zahlreichen Film- und Lesestoff. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der französischen Stadt Straßburg. 🙂














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