Ein dunkles Kapitel in der Stadtgeschichte von Stralsund ist der „Pfaffenbrand am Sund“, bei dem die aufgebrachte Bevölkerung auf dem Neuen Markt 3 Priester auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Vorausgegangen war, dass der Kirchherr der St.-Nikolai-Kirche und der Propstei Tribsees, Cord Bonow, derart erzürnt über die mangelnde Opferbereitschaft der Bevölkerung war, wodurch drastisch sein Salär gekürzt worden war, dass er am 6. Oktober 1407 zusammen mit 400 Kriegern Amok lief. Er plünderte die Stralsunder Feldmarkt, raubte Vieh, tötete und brandschatzte. Dies ließ sich die Bevölkerung natürlich nicht gefallen, die schon am nächsten Tag zum Gegenschlag ausholte, in dem sie die Geistlichen überwältigten und vor den Richter in der Neustadt brachten. Doch dieser durfte nach dem bestehenden Recht nicht über die Geistlichen urteilen, weshalb die Bevölkerung die Geistlichen nun voller Zorn in ein Haus trieben, das sie in Brand stecken wollten. Doch grade noch rechtzeitig kam der Stadtrat, der dies verhinderte. Daraufhin nahm die aufgebrachte Bevölkerung 3 Priester aus der Menge der Geistlichen, an denen sie ein Exempel statuierten. Diese waren der Kaplan von St. Nikolai, der Pfarrer von St. Marien und der Pfarrer von St. Jakobi. Diese wurden auf dem Neuen Markt auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Nach den Lynchmorden sollte der Rat der Stadt vor dem Bischof Rudolf von Schwerin in Bützow erscheinen. Doch der Rat weigerte sich, woraufhin ein Bann gegen den Bürgermeister, den Stadtrat und alle Stralsunder Einwohner ausgesprochen wurde. Es wurden alle geistlichen Aktionen in Stralsund per Interdikt untersagt. Da der Stadtrat den erzürnten Bischof nicht umstimmen konnte, wandte dieser sich mit einem enorm hohen Geldbetrag im Gepäck direkt an Papst Gregor XIII., der dankend das Geld annahm. Der Papst beauftragte den Bischof Nikolaus von Schippenbeil von Cammin mit der Aufhebung des Bannes. Doch der Bischof Rudolf von Schwerin weigerte sich, dem Befehl des Papstes zu gehorchen, stattdessen verschärfte er den Bann. Um weiteren wirtschaftlichen Schaden abzuwenden, wandte sich der Stadtrat erneut an den Bischof und kroch zu Kreuze. Dieser erlegte der Stralsunder Bevölkerung bei seinem Besuch 1408 als Wiedergutmachung auf, ein Sühnekreuz aus Stein am Neuen Markt 14, wo die Priester einst verbrannt worden waren, zu errichten und eine Kapelle neben der Marienkirche zu bauen. Darüber hinaus mussten die Stralsunder als Sühne drei Vikarien bezahlen, Totenfeiern ausrichten und Pilger zu Wallfahrtsorten entsenden. Doch dies war bei Weitem noch nicht alles, natürlich musste der Bischof für die Einweihung der Stralsunder Kirchen und Friedhöfe mit hohen Geldsummen entlohnt werden. Eines der Vikarien bekam Cord Bonow. Der Bischof hob den Bann auf, aber nur für diejenigen, die nicht an der öffentlichen Hinrichtung der drei Priester beteiligt gewesen waren. Dies bedeutete, dass die Stralsunder außerhalb ihrer Stadt jederzeit aufgrund des Verdachts der Mittäterschaft verhaftet werden konnten. Deshalb wandten sie sich erneut mit einer immensen Geldsumme an Papst Gregor XIII., der daraufhin den Bischof von Schwerin exkommunizierte, da er den Beschluss abermals nicht anerkannt hatte. Anno 1416 wurden die Streitigkeiten erstmals beendet, in dem die Stralsunder den Bedingungen des Bischofs von 1409 klein beigaben und erneut eine hohe Geldsumme diesmal direkt an den Bischof zahlten, der diese für den Schweriner Dom verwendete. Noch heute zeugt eine Inschrift von dessen Sieg, in der er sagt, dass die Stralsunder diesen finanzierten, da sie 3 Priester verbrannt hatten. Doch dies war noch nicht das Ende der Geschichte, denn 1417 wurde Cord Bonow in Groß Kiesow von dem Erblandmarschall von Pommern-Wolgast Degener Buggenhagen ermordet. Dieser war sein Nachbar im Tribseer Land, der sich für die Morde und Plünderungen in der Stralsunder Feldmark am 6. Oktober 1407 an ihm rächte. Dieser wiederum wurde anno 1420 ebenfalls aus Rache in Garbogenhagen von Hennecke von Behr im Auftrag der Herzogswitwe und Regentin Anna ermordet. Dies hatte zur Folge, dass dieser mit seinen Gefolgsleuten 1421 auf der Burg Usedom getötet wurde. Die Leiche von Hennecke von Behr wurde durch Stralsund geschleift und dann auf das Rad geflochten. Mit dieser Aktion wurde die „Akte Pfaffenbrand am Sund“ nun endgültig ad acta gelegt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der Hansestadt Stralsund. 🙂












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