Ein Todesfall, der bis heute Anlass für Spekulationen gibt, ist der von Johann Georg Schrepfer. Diese umstrittene Persönlichkeit war nicht nur als Freimaurer aktiv, sondern auch als Geisterbeschwörer, Okkultist und Hochstapler. Durch seine Seáncen bei denen er als Erster das Projektionsgerät „Laterna Magica“ benutzte, um Geistererscheinungen hervorzurufen, schaffte er es sogar das Vertrauen des sächsischen Hofadels für sich zu gewinnen und dadurch viel Geld zu ergaunern. Aber der Reihen nach. Johann Georg wurde 1738 als achtes Kind eines Gastwirtes aus Nürnberg geboren. Als sein Vater mit seinem Wirtshaus „Zum Goldenen Lamm“ pleite ging, war Johann Georg erst 15 Jahre alt. Er und zwei seiner Brüder verließen daraufhin Nürnberg. Angeblich diente er anschließend als preußischer Husar und stand als Offizier in den kaiserlichen Diensten. Schließlich ließ sich Johann Georg 1760 in der Sachsenmetropole Leipzig nieder, wo er zunächst als Kellner arbeitete. Ein Jahr später ehelichte er die Tochter eines Schneidermeisters, ehe er sich 1769 seinen Traum erfüllte, in dem er im Barfußgässchen ein Kaffeehaus erwarb. Johann Georg erhielt für sein Kaffeehaus, das fortan den Namen „Schrepfers Kaffeehaus“ trug, sogar die Lizenz für das Billardspiel sowie den Kaffee- und Teeausschank. Jedoch hatte sich Johann Georg mit dem Kauf des Gebäudes hoch verschuldet. Um diese tilgen zu können, begann er Séancen für zahlendes Publikum dort abzuhalten. Dafür benutzte er nicht nur die „Laterna Magica“, sondern ließ auch gleichzeitig unheimliche Geräusche abspielen. Die Séancen galten als Gegenbewegung zur Aufklärung, die viele Menschen anlockten, auch Mitglieder der 1766 ins Leben gerufenen städtischen Loge „Minerva der Freimaurer der Strikten Observanz“. Gleichzeitig gründete er 1772 selbst eine Freimaurerloge, die er „Loge der ächten Maurerey“ nannte und das Gedankengut des Ordens der Rosenkreuzer nutzte. Die Jesuiten unterstützen ihn vermutlich dabei. Johann Georg gab sich als Schotte aus, dessen Totenbeschwörungen legendär waren. Als jedoch zwei seiner Anhänger der Zutritt zur Loge der Minerva verweigert wurde, suchte er diese am 2. März 1773 mit einer Pistole bewaffnet auf. Er beleidigte nicht nur die anwesenden Freimaurer, sondern drohte auch deren Rituale und Geheimnisse zu enthüllen. Diese Drohung verstärkte er, indem er Flugblätter verteilte. Die Loge Minerva wandte sich daraufhin an ihren Großmeister, den Dresdner Herzog Karl von Kurland, der Johann Georg unrechtmäßig am 17. September 1773 im Linck´schen Garten vom Stadtkommandanten verhaften ließ, wo er in der Hauptwache Stockprügel kassierte. Dies ließ Johann Georg nicht auf sich sitzen, der sich erfolgreich beim Leipziger Rat beschwerte. Dies hatte zur Folge, dass die Angelegenheit intern geregelt wurde. Nachdem Johann Georg sich mit der Minerva Loge halbwegs versöhnt hatte, ließ der Herzog Karl von Kurland von seinem Kammerherrn Johann Rudolf von Bischoffwerder einen Bericht über Johann Georg anfertigen. Dieser fiel überraschenderweise so positiv aus, dass Johann Georg nach Dresden in das Kurländer Palais eingeladen wurde, wo er für Mitglieder des Hoch- und Hofadels die Geister der Toten erscheinen ließ. Johann Georg gewann durch seine grandiosen Vorstellungen das Vertrauen des sächsischen Hofadels und des Staatsministers Friedrich Ludwig von Wurmb. Johann Georg, der immer in finanziellen Nöten steckte, nutzte die Gunst der Stunde, in dem er dem sächsischen Adel vorschwindelte, dass er auf Schweizer Banken „Churfürstlich Sächsische Cammercreditcassen-Scheine“ im Wert von 1 Millionen Taler hatte. Tatsächlich fiel der Adel darauf herein und stellte Zehntausende Taler gegen Schuldscheine aus. Auch der Konferenzminister Friedrich Ludwig von Wurmb, der für die sächsischen Staatsanleihen und deren Schutz zuständig war, ließ sich von Johann Georg blenden. Am 15. September wurden die Schatzkisten von Johann Georg mit seinen wertvollen Cammercreditcassen-Scheinen von Frankfurt am Main nach Leipzig gebracht, die dort in Anwesenheit der Logenbrüder geöffnet wurden. Doch der Inhalt stellte sich als völlig wertlos heraus. Der sächsische Adel war einem Hochstapler auf den Leim gegangen, der sie ordentlich um ihr Geld geprellt hatte. Die Frage war nun, was man tun sollte. Eine öffentliche Anzeige führte zu unangenehmen Ermittlungen, die den ganzen Skandal erst ins Rollen gebracht hätten. Doch es kam zu keinem Skandal, da die Leiche von Johann Georg am Morgen des 8. Oktobers 1774 im Leipziger Rosental gefunden wurde. Angeblich hatte dieser sich selbst nach Aussagen der 5 geprellten Anhänger erschossen. Bei den 5 Herren handelte es sich um Hans Rudolf von Bischoffwerder und Christian Friedrich von Hopfgarten, die Kammerherrn des sächsischen Herzogs Karl von Kurland, die Görlitzer Kaufleute Fröhlich und Perri sowie den Leipziger Advokat Johann Heinrich Hoffmann. Diese hatten sich am Vorabend im Haus von Johann Georg getroffen und sich mit diesem zu einem Spaziergang im Rosental verabredet. Zufällig endete dieser für den Betrüger, Johann Georg Schrepfer, der sie aufs Kreuz gelegt hatte, tödlich. Welch Schelm, der Böses dabei denkt. Ein Gutachten eines Leipziger Rechtsmediziners aus dem Jahr 2011 lautete später „Selbstmord“ bei dem handgreiflich nachgeholfen wurde. Der angebliche Selbstmord war vermutlich ein Mord, um die verbotenen Spekulationen der Mitglieder des sächsischen Hochadels mit sächsischen Staatspapieren zu vertuschen. Der Tod von Johann Georg Schrepfer sorgte damals für großes Aufsehen, den Friedrich Schiller ebenso wie andere Schriftsteller in ihren Werken verewigten. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Leipzig, wo Johann Georg Schrepfer unter mysteriösen Umständen seinen Tod fand. 🙂



















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