Eine bis heute legendäre Bande, die als brutalste Bande der Nachkriegszeit galt, war die Gladow-Bande. Diese Bande aus kriminellen Jugendlichen schaffte es tatsächlich zwei Jahr lang der Volkspolizei in Berlin auf der Nase herumzutanzen. Der Anführer der Bande war Werner Gladow, ein Milchbubi mit Lockenkopf, der bereits als 16-Jähriger sich als Schwarzhändler am Alexanderplatz einen Namen machte. Er bekam den Spitznamen „Kippenkönig“ verpasst, da er die Zigarettenverkäufer immer wieder übers Ohr haute. Bereits mit 17 Jahren gründete dieser eine kriminelle Bande aus Jugendlichen, die von anfänglich 10 schnell auf 27 Mitglieder wuchs. Der Ursprung der Bande ging auf eine Begegnung mit Werner Papke zurück, den Werner Gladow im Jugendgefängnis Plötzensee nach einem Konflikt mit der Volkspolizei kennen gelernt hatte. In Freiheit machten beide sich einen Spaß daraus die Waffen der Volkspolizei an der Sektorengrenze zu stehlen, um dann damit Diebstähle zu begehen. Durch die Waffendiebstähle, in denen die Jungspunde die Volkspolizei zum Gespött in der Öffentlichkeit machten, erlangte das Duo erstmals Aufmerksamkeit. Bald schon schlossen sich dem Duo weitere Jugendliche an. Die Berlin-Blockade sowie die Berliner Luftbrücke begünstigten die Überfälle im Trümmer-Berlin. Hinzu kam der Strommangel, weshalb in Berlin oftmals Dunkelheit herrschte. Ebenfalls vorteilhaft war, dass die West- und Ostpolizei kaum miteinander kooperierte. Die Jugendbande, die aufgrund ihrer schwarzen Maßanzüge, den Budapester-Schuhen und ihren weißen Krawatten in den Medien den Namen „Die weißen Krawatten“ erhielten, begingen zahlreiche Raubzüge, die ihr Brain, Werner Gladow, plante. Dieser wurde von allen nur „Doktorchen“ genannt, da er angeblich mehrere Semester Medizin studiert hatte. Er war auch für den Dresscode verantwortlich, da sein großes Vorbild der Chicagoer Mafia-Boss Al Capone war. Er wollte ein genauso gefürchteter Gangster wie er werden. Die Berliner Bevölkerung sympathisierte anfangs mit der Jugend-Bande, die wenn sie im West-Teil von Berlin Einbrüche beging, in den Ost-Teil flüchtete, wo die West-Berliner Polizei sie nicht weiter verfolgen konnte. Genau dasselbe war umgekehrt der Fall, bis im Dezember 1948 eine sektorenübergreifende Sonderkommission ins Leben gerufen wurde. Damit änderte sich alles. Außerdem verlor die Bande nach mehreren Schwerverletzten und zwei Toten nach Raubüberfällen die Gunst in der Öffentlichkeit. Dann wurde Gustav Völpel, der in der Bande nur Henker genannt wurde, verhaftet als er bei einem Überfall Schmiere gestanden hatte. Zunächst befürchtete die Bande, dass Gustav Völpel singen würde, doch dies war nicht der Fall. Der Mann ohne Skrupel, der seine eigene Ehefrau auf den Strich schickte, schwieg eisern über seine Bandenmitglieder. Doch die Milchbubi-Bande hatte jedoch nicht die Rechnung mit seiner Ehefrau gemacht, die Werner Gladow und die anderen Bandenmitglieder der Polizei auf dem Silbertablett servierte. Im Juni 1949 stürmte die Polizei die Wohnung in der Schreinerstraße 52 in Friedrichshain, wo Werner mit seinen Eltern lebte. Dieser ließ sich natürlich nicht kampflos festnehmen. Er lieferte sich mit der Polizei ein filmreifes einstündiges Feuergefecht, in dem er von seiner Mutter tatkräftig unterstützt wurde, die nicht nur die Waffen nachlud, sondern auch dessen rutschende Pyjamahose festhielt, damit er mit beiden Händen schießen konnte. Erst nachdem er am Bein getroffen worden war, ließ er sich verhaften. Er legte ein umfassendes Geständnis ab. Im März 1950 kam es zu einem spektakulären Prozess, in dem Werner Gladow und zwei weitere Bandenmitglieder am 8. April 1950 zum Tode verurteilt wurden. Insgesamt waren ihnen 127 Straftaten, zwei Morde und 15 Mordversuche zur Last gelegt worden. Das Urteil wurde am 11. November 1950 in Frankfurt durch das Fallbeil vollstreckt. Angeblich klemmte dieses, so dass es zweimal im Hals von Werner Gladow stecken blieb, weshalb der anwesende Staatsanwalt angeblich das Bewusstsein verlor. Natürlich bietet das spannende Leben von Werner Gladow, der so jung hingerichtet wurde, bis heute zahlreichen Film- und Lesestoff. Sein Kumpel, Werner Papke, mit dem er als Duo anfing, kam nach 10 Jahren Haft wieder frei, der Berufsboxer und Boxtrainer wurde und damit endgültig seine kriminelle Karriere hinter sich ließ. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Neapel, der Gangsterstadt in Italien schlechthin. 🙂


















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