Ein abscheuliches Verbrechen, das erst nach 30 Jahren aufgeklärt werden konnte, ereignete sich im Jahr 1988. Es war der 4. Januar als die damals 22 Jahre alte Ursula B. gegen 2 Uhr morgens die Diskothek „Nacht-Café“ in Aschaffenburg verließ. Sie stieg in ihren Mitsubishi-Colt, wo sie plötzlich von einem unbekannten Mann bedroht wurde, der ihr einen Schraubenzieher an den Hals hielt. Er zwang die junge Friseurin in ein abgelegenes Waldgebiet unweit von Haibach zu fahren, wo sie das Auto an einer einsamen Stelle parken musste. Dann verband er ihr mit einem Schal die Augen, fesselte ihre Hände und vergewaltigte die junge Frau über drei Stunden lang. Während der Vergewaltigung stach er unzählige Male mit dem Schraubenzieher in ihren Oberkörper ein. Ursula musste schreien und obszöne Dinge zu ihm sagen, während der Mann sich an ihr befriedigte, der nach Alkohol, Zigaretten und Schweiß roch. Gegen 5 Uhr ließ der Mann von Ursula ab, deren Körper mit Stichen und Blut übersät war. Dann legte er die junge Frau auf den kalten Waldboden, wo er ihren geschundenen, nackten Körper mit Laub bedeckte. Anschließend flüchtete er mit Ursulas Auto. Doch wie durch ein Wunder, überlebte Ursula. Diese schaffte es trotz lebensgefährlichen Verletzungen und der Winterkälte sich zu befreien und aus dem Wald zu schleppen, wo ein Autofahrer die Frau entdeckte und ins Krankenhaus brachte. Ursula wurde sofort notoperiert, deren Oberkörper 22 Stichwunden aufwies. Doch der Täter hatte glücklicherweise nicht ihr Herz getroffen. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren, doch Ursulas Peiniger konnte nicht gefasst werden. Nach Ursulas Martyrium begann der lange Kampf zurück zur Normalität mithilfe von Psychotherapien. Doch die quälende Ungewissheit blieb, bis die Cold-Case-Einheit der Kripo Aschaffenburg sich 2015 den Fall nochmals zur Brust nahm. Diese ließ die damals gefundene DNA auf dem Rücksitz des Autos, in dem Ursula vergewaltigt worden war, durch die DNA-Datenbank jagen. Tatsächlich kam es zu einer Überstimmung, mit einem Mann der 2004 wegen Vergewaltigung seiner Ehefrau verurteilt worden war. Bei dem Mann handelte es sich um den mittlerweile 56 Jahre alten 1,70 Meter großen, unscheinbaren Jürgen R., der mehrfach vorbestraft war. Er führte ein unstetes Leben mit häufigen Jobwechseln, dessen Kindheit von seinem alkoholabhängigen Vater und Stiefvater geprägt war. In seiner Jugend hatte er Drogen konsumiert. Am 22. Oktober 2017 wurde Jürgen in seiner Wohnung verhaftet, der im Polizeiverhör die Vergewaltigung gestand, die längst verjährt war, aber die Tötungsabsicht bestritt. Im darauffolgenden Prozess konnte sich Jürgen aufgrund eines Filmrisses verursacht durch immensen Alkoholkonsum an nichts mehr erinnern. Ursula bezweifelte dies und sagte vor Gericht aus, dass er zwar nach Alkohol gerochen hatte, aber sehr wohl wusste, war er tat. Dies sah das Landgericht Aschaffenburg ebenso, weshalb sie Jürgen B. wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilten. Ursula verfolgte die Urteilsverkündung im Gerichtssaal. Nach über 30 Jahren hatte die Gerechtigkeit doch noch gesiegt, wenn auch spät. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Seligenstadt, das unweit von Aschaffenburg liegt. 🙂













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