Wer den Namen Ferrari hört, denkt unwillkürlich an die bekannte italienische Automobilmarke, die für Luxus und Klasse steht, das dieser Name aber auch in Verbindung mit einem der schlimmsten Serienmörder der Schweiz steht, ist vielleicht weniger bekannt. Bei dem Schweizer Kindermörder handelt es sich um Werner Ferrari, der einer der populärsten Häftlinge der Schweiz ist. Werner Ferrari wurde am 29. Dezember 1946 in Basel geboren, der sich zu einem der berüchtigtsten Serienmörder der Schweizer Geschichte entwickelte. Seine Geschichte ist geprägt von einer schwierigen Kindheit und einem Weg, der in erschütternde Gewaltverbrechen mündete. Ferraris Leben war von Beginn an von Instabilität gekennzeichnet. Als Sohn einer erst 18-jährigen Mutter verbrachte er seine ersten vier Lebensjahre bei seiner Großmutter. Nach der Rückkehr zu seiner Mutter erfuhr er Vernachlässigung und körperliche Misshandlungen. Seine Jugend wurde stark beeinflusst von häufigen Wechseln zwischen verschiedenen Heimen – von Rümlingen bis Liestal durchlief er insgesamt sieben verschiedene Einrichtungen. Bereits in jungen Jahren zeigte Ferrari auffälliges Verhalten. Er legte mehrere Brände und beging verschiedene andere Straftaten. Eine besonders gefährliche Aktion war die Manipulation von Bahngleisen. Diese Verhaltensauffälligkeiten führten zu seiner Einweisung in eine Institution für Epileptiker, wo ihm Introversion und schizoide Kontaktarmut diagnostiziert wurden. Besonders bemerkenswert ist, dass bereits 1965 während seines Aufenthalts in der Psychiatrischen Universitätsklinik Friedmatt eine deutliche Warnung ausgesprochen wurde. Die Diagnose lautete auf eine infantile Persönlichkeitsstörung mit Intelligenzminderung und psychopathischen Zügen. Der behandelnde Arzt warnte explizit vor der Möglichkeit pädophiler Übergriffe – eine Prognose, die sich später auf tragische Weise bewahrheiten sollte. Der erste Mord ereignete sich 1971 in Reinach. Das Opfer war der zehnjährige Daniel Schwan, den Ferrari von einem Dorffest weglockte und bei Therwil erwürgte. Durch Ferraris übermäßiges Interesse am Verbleib des Jungen, der zunächst nicht als vermisst gemeldet worden war, verriet er sich selbst, was zu seiner Verhaftung führte. Nach seinem Geständnis wurde er zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Trotz der diagnostizierten „ausgeprägten homosexuellen und pädophilen Veranlagung“ während seiner Haftzeit wurde Ferrari 1979 vorzeitig entlassen – eine Entscheidung mit fatalen Folgen. Nach seiner Entlassung setzte Ferrari seine Mordserie fort. Am 27. Oktober 1983 sprach Ferrari den 10 Jahre alten Benjamin Egli an, um ihn nach Hause zu fahren. Doch dort kam der Junge nie an, da Ferrari ihn erdrosselte. Sein nächstes Opfer wurde am 7. September 1985 der 7 Jahre alte Daniel Suter, den er vom Dorffest in Rümlang weglockte. Nach 3 Tagen wurde dessen Leiche entdeckt. Daniel war ebenfalls erdrosselt worden. Zwei Jahre strichen ins Land, wo Ferrari als Hilfskoch in einem Kinderheim in Oberägeri tätig war, bis seine kriminelle Vergangenheit ans Licht kam und er seinen Job verlor. Nach dem er am 23. März entlassen worden war, begann er 4 Monate später seinen nächsten Mord. Am 19. Oktober schaffte es Ferrari, dass der 10 Jahre alte Christian Widmer zusammen mit ihm das Jungscharfest verließ. Dies bedeutete sein Todesurteil, denn Ferrari erwürgte den Jungen daraufhin. Sein letztes und einzig weibliches Opfer wurde am 26. August 1989 die 9 Jahre alte Fabienne Imhof. Fabienne hatte mit ihrer Freundin einen sogenannten Chibli, eine Art Jahrmarkt, in Hägedorf besucht. Während er die Freundin laufen ließ, wurde Fabienne am nächsten Morgen erwürgt am Waldrand gefunden. Ferraris Modus Operandi folgte dabei immer einem ähnlichen Muster: Er sprach die Kinder auf Volksfesten oder öffentlichen Veranstaltungen an, gewann ihr Vertrauen und lockte sie weg. Einige der Opfer wurden missbraucht, bevor Ferrari sie anschließend erwürgte. Eine besondere Wendung nahm der Fall Ruth Steinmann. Ferrari wurde zunächst auch für ihren Tod am 16. Mai 1980 verurteilt, bestritt diese Tat jedoch vehement. Dank der Recherchen des Journalisten Peter Holenstein und moderner DNA-Analyse wurde Ferrari 2007 in diesem Fall freigesprochen – ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie wichtig gründliche Ermittlungen und moderne forensische Methoden sind. Ferraris Verhaftung erfolgte am 30. August 1989 nach dem Mord an Fabienne Imhof. Die Augenzeugenaussage von Fabiennes Freundin führte zu seiner Festnahme. In der Folge legte Ferrari mehrfach Geständnisse ab, die er später wieder zurückzog – ein Verhaltensmuster, das den gesamten Prozess prägte. Nach einem gescheiterten ersten Prozess 1994 wurde Ferrari 1995 zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt. Trotz des späteren Freispruchs im Fall Ruth Steinmann 2007 bleibt er aufgrund der vier anderen nachgewiesenen Morde in Haft. Der Fall Werner Ferrari hat die Schweizer Gesellschaft tief erschüttert und wichtige Diskussionen über den Umgang mit Sexualstraftätern ausgelöst. Besonders die Frage der vorzeitigen Entlassung nach seiner ersten Verurteilung und seine spätere Anstellung in einem Kinderheim werfen kritische Fragen auf. Der Fall zeigt auch die Entwicklung der Ermittlungsmethoden: Während in den frühen Fällen hauptsächlich mit Zeugenaussagen und Geständnissen gearbeitet wurde, spielten später moderne forensische Methoden wie DNA-Analysen eine entscheidende Rolle, wie im Fall Ruth Steinmann deutlich wurde. Werner Ferrari steht für eines der düstersten Kapitel der Schweizer Kriminalgeschichte. Seine Taten haben nicht nur das Leben mehrerer Familien zerstört, sondern auch das öffentliche Bewusstsein für die Gefährlichkeit von Wiederholungstätern geschärft. Der Fall verdeutlicht die Wichtigkeit einer gründlichen psychiatrischen Begutachtung und konsequenten Überwachung von Sexualstraftätern, aber auch die Bedeutung moderner Ermittlungsmethoden für eine präzise Aufklärung von Verbrechen. In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Freude mit meinen Fotos von Basel, dem Geburtsort von dem Schweizer Serienmörder Werner Ferrari. 🙂




















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