Der sadistische Pädophile

Isabella Müller Leipzig @isabella_muenchen

Das erste Mal, das die Methode des Profiling in der Kriminalgeschichte eingesetzt wurde, fand in der DDR statt. Dort wurde das erste wissenschaftlich begründete Täterprofil von Prof. Dr. Hans Szewczyk, Leiter der Abteilung für Forensische Psychiatrie und Psychologie an der Charité der Humboldt Universität in Berlin erstellt. Dadurch konnte ein pädophiler Serienmörder, der ab Juni 1969 bis Dezember 1971 drei Jungen sadistisch tötete, gefasst werden. Am 31. Mai 1969 waren die beiden 9 Jahre alten Jungen, Henry Specht und Mario Louis, als vermisst gemeldet worden. 13 Tage später fand ein Holzfäller die Leichen der beiden Jungen im Eberswalder Wald an der Drehnitzwiese. Die Kleidung der beiden Jungen war unversehrt, auch Kampfspuren gab es keine. Doch ein Blick unter die Kleidung ließ Entsetzliches zu Tage kommen, denn tief unter der von Maden bedeckten und zerfressenen Haut, kamen furchtbare Schnittwunden im Brustkorb und Hals zutage, die bei einem der Jungen so tief waren, dass durch die Leichenfäulnis sein Kopf abgetrennt worden war. Die Morde erinnerten an ein Abschlachten, das in einem bestialischen Blutbad geendet hatte. Die Polizei und die Stasi gingen von einem pädophilen Lustmörder aus, dem der Akt des Tötens sexuell erregte. Auf Hochtouren wurden von den Ermittlern Karteien vorbestrafter Sexualstraftäter, Personal- und Patienten-Akten der regionalen Krankenhäuser, Betriebe, Schulen und Behörden durchforstet. Leider ergebnislos. Anlässlich der lustbetonten Tötung wurde der Prof. Nikola Schiphowensky aus Sofia, ein international anerkannter Gerichtspsychiater und Kriminologe befragt, der jedoch nicht wirklich neue Erkenntnisse zu den beiden Morden hatte. Bei den Recherchen stießen die Kriminalisten auf den Prof. Dr. Szewczyk, der als führender forensischer Psychiater für die Mordkommission ein Gutachten im Fall Eberswalde erstellen sollte. Dieser stellte fest, dass es sich um einen sadistisch motivierten Täter handelte, der wahrscheinlich nicht aktenkundig war. Im Dezember 1970 wurde schließlich das Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingestellt. Zwei Jahre strichen ins Land bis am 11. Dezember 1971 ein Rentner im Eberswalder Wald die Leiche des 12 Jahre alten Ronald Winkler fand, der dieselben tiefen Schnittwunden im Brustbereich und Hals wie die beiden toten Jungen von 1969 aufwies. Auch dieser war an seinen Verletzungen verblutet. Es gab keine Zweifel, dass es sich um denselben Täter handelte. Nur wer war dieser Täter, der am Tatort nur einzelne Textilfasern zurückgelassen hatte? Erneut baten die Ermittler den Prof. Dr. Szewczyk um Mithilfe. Ein Großrechner des MDI wurde mit Daten aus über 6.000 Fallgutachten gefüttert. Durch ein eigens dafür konfiguriertes Rechenprogramm begannen die Ermittler Verbrechen und Täter erstmals maschinell zu analysieren. Auch Fritz Barylla, der Chef der Eberswalder Klinik für Psychiatrie und Neurologie, wurde mit dem Fall betraut, der einen entscheidenden Hinweis auf den Täter lieferte. Da der Täter es bei allen 3 Jungen geschafft hatte, dass diese ihm vertrauten und in den Wald gefolgt waren, musste der Täter folglich viele Jungen angesprochen haben. Deshalb wurde eine Massenbefragung von Zweier Teams aus Psychologe und Kriminalist gebildet, die Jungs von 7 bis 14 Jahren aus Eberswalde befragten. Doch die Jungs schwiegen aus Angst und Scham bis der 13 Jahre alte Andreas Kittel sein Schweigen brach. Dieser hatte wie das letzte Mordopfer im selben Block gelebt. Als er mit seiner Mutter im Wald Ski fuhr, trafen sie auf einen jungen Mann, mit dem sich Andreas sofort verstand, weshalb seine Mutter ihn mit ihm allein ließ. Doch der junge Mann verübte als sie allein waren sexuelle Handlungen an ihm aus. Dann nahm er ein Messer und drohte ihn umzubringen, wenn er irgendjemanden was davon erzählte. Anhand von Passbildern, die Andreas gezeigt wurden, konnte dieser ihn als Erwin Hagedorn identifizieren. Dieser war ein 19 Jahre alter Kochlehrling in der Mitropa Bahnhofsküche, der nicht sonderlich beliebt bei seinen Kollegen war. Erwin Hagedorn galt schon seit seiner Kindheit als Sonderling, der von gleichaltrigen Jungen meist gehänselt wurde und deshalb lieber mit Mädchen spielte, die er gern mit Messern piesackte, was jedoch in keiner Kinderakte vermerkt worden war, so dass die Ermittler keine Kenntnis davon hatten. Am 12. November 1971 wurde Erwin Hagedorn verhaftet, der die Morde umgehend gestand und sogar bereit war die Hauptrolle in einem Polizeilehrfilm zu übernehmen, in dem seine Morde an den 3 Jungen rekonstruiert wurden. Für ihn war das Morden ein einziger Rausch wie ein Karussell, dass sich einfach immer schneller drehte und aus dem es deshalb kein Entkommen seiner sexuellen Perversion gab. Am 9. Mai 1972 begann die Verhandlung gegen Erwin Hagedorn, der als schuldfähig befunden und zum Tode verurteilt wurde. Seine Eltern reichten daraufhin ein Gnadengesuch bei dem Staatsratsvorsitzenden der DDR Walter Ulbricht ein, der als er den Polizeilehrfilm sah, dieses sofort ablehnte. Am 15. September 1972 wurde Erwin Hagedorn in der zentralen Hinrichtungsstätte der DDR in Leipzig mit einem Genickschuss hingerichtet. Damit endete das Leben eines pädophilen Sadisten, der nunmehr keinem Jungen etwas antun konnte und dass, weil erstmals die Methode des Profiling zum Serienmörder geführt hatte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Leipzig, wo Erwin Hagedorn per Schuss in den Hinterkopf getötet worden war. 🙂

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