Mordgeschichten sind nicht unbedingt die angenehmsten Erzählungen, doch manche können wirklich faszinierend sein. Man könnte meinen, die nächste Geschichte stammt direkt aus einem Kriminalroman, deren Hauptfigur Dr. Buck Ruxton ist. Dieser erblickte als Bukhtyar Chompa Rustomji Hakim am 21. März 1899 als Sohn einer vermögenden Familie in Bombay das Licht der Welt. Nachdem er erfolgreich sein Medizinstudium mit Spezialgebiet Chirurgie absolviert hatte, heiratete er 1925. Doch nach nur 1 Jahr war die Ehe schon wieder Geschichte. Ohne sich offiziell scheiden zu lassen, zog Bukhtyar ein Jahr danach nach Edingburgh, wo er die Bekanntschaft mit der verheirateten Isabella Kerr machte. Beide wurden ein Paar und Bukhtyar ließ seinen Namen in Buck Ruxton ändern. Anno 1928 zog das Paar nach London, wo ihre erste gemeinsame Tochter zur Welt kam. Zwei Jahre später ließen sie sich in Lancaster nieder, wo Buck Ruxton seine eigene Praxis am Dalton Square eröffnete. Buck war ein äußerst beliebter Arzt, der immer ein offenes Ohr für seine Patienten hatte und für sein freundliches Wesen bekannt war. Doch abseits der Praxis entpuppte sich Ruxton als Tyrann, der krankhaft eifersüchtig war. Seine Frau Isabella, mit der er mittlerweile zwei Kinder hatte, war regelmäßig Ziel seiner Eifersuchtsanfälle. Ruxton beschuldigte sie mehrfach, ihn hinter seinem Rücken zu betrügen. Isabella hatte bereits bei der Polizei von Lancaster Anzeige erstattet, da ihr Mann sie angeblich misshandelt hatte, doch die Beamten schenkten ihren Aussagen wenig Beachtung. Das Paar hatte ein Kindermädchen namens Mary Rogerson, die regelmäßig Zeugin der Auseinandersetzungen von Isabella und Ruxton wurde. Auch im September 1935 wurde sie Zeugin eines besonders heftigen Konflikts zwischen Dr. Ruxton und Isabella. Der Arzt beschuldigte seine Frau erneut, einen Liebhaber zu haben, und in einer Wutattacke packte er sie am Hals und strangulierte sie im Wohnzimmer. Mary sah das ganze Geschehen entsetzt mit an, bevor Ruxton sie ebenfalls ums Eck brachte. Um seine blutigen Taten zu vertuschen, musste der Arzt die Leichen beider Frauen verschwinden lassen. In einem kalten, berechnenden Akt trug er die Körper in das Badezimmer, wo er, ausgestattet mit seinem medizinischen Wissen, sie zerstückelte. Er ging dabei äußerst akribisch vor und entfernte alle Merkmale, um eine Identifikation der Leichen unmöglich zu machen. Danach wickelte er die über 70 Leichenteile in Zeitungspapier der Zeitung „The Sunday Graphic“, ehe er seine makabren Pakete im Kofferraum seines Autos verstaute. In der Dunkelheit der Nacht brach er auf, um die Leichenteile zu entsorgen. Er kannte die schottischen Highlands gut, ein dünn besiedeltes Gebiet, und fuhr nach Gardenholme Linn, südlich von Edinburgh. Dort hatte er oft geangelt und wusste von einer Schlucht, die er für unzugänglich hielt. Bei stürmischen und regnerischem Wetter erreichte er die Schlucht und begann, die Pakete in die Tiefe zu werfen. Dann begab er sich auf den Heimweg nach Lancashire und überlegte sich ein Alibi. Auf dem Rückweg durchquerte er die Stadt Kendal, als er unglücklich einen Radfahrer anfuhr. Glücklicherweise blieb der Radfahrer unverletzt. Doch Ruxton hielt nicht an, was den Radfahrer schwer verärgerte, der sich aber das Kennzeichen des Autos gemerkt hatte und die Polizei informierte, die daraufhin eine Straßensperre in Milnthorpe einrichtete. Als Ruxton in das Dorf Milnthorpe fuhr, wurde er von einem Polizisten angehalten. Dieser informierte ihn über den Vorfall in Kendal und bat ihn, am nächsten Tag seine Papiere auf der Polizeistation in Lancaster vorzulegen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Polizei von Lancaster bei Ruxton auftauchte. Denn schnell wurde das Kindermädchen Mary Rogerson von ihrer Mutter vermisst, die eine Anzeige bei der Polizei erstattete. Doch Ruxton log der Polizei vor, dass Mary in den letzten zwei Tagen nicht zur Arbeit erschienen sei. Die Beamten schenkten seiner Geschichte Glauben und machten sich wieder auf den Weg. Zwei Tage später kamen sie jedoch zurück, denn auch Isabella war von Freunden als vermisst gemeldet worden. Er fand wieder eine Ausrede, in dem er behauptete, dass diese vermutlich mit ihrem Liebhaber nach Blackpool gefahren sei. Auch diesmal wurde ihm geglaubt. Währenddessen entdeckte eine Wanderin in einem Abhang nach Moffat in Südschottland mehrere Bündel, die in Zeitungspapier gewickelt waren. Als sie diese näher betrachtete, stellte sie fest, dass sie menschliche Überreste enthielten. Sie meldete ihren Fund bei der Polizei, die daraufhin zahlreiche Pakete mit verwesendem Fleisch fand. Zunächst waren die Beamten überzeugt, dass sie es mit mindestens fünf Leichenteilen zu tun hatten. Eine Obduktion an der Universität von Edinburgh durch die Professoren John Gleister und James Couper Brash ergab schließlich, dass es sich um zwei weibliche Leichname handelte. Durch das Zusammensetzen der über 70 Leichenteile entstand der Name „Jigsaw Murders“, Puzzle-Morde. Die schottische Polizei nahm Kontakt mit einer Datenbank für vermisste Personen auf, und bald wurden die Namen von Mary Rogerson und Isabella Ruxton gemeldet. In Lancaster richteten die Ermittler ihre Aufmerksamkeit auf Ruxton, der nun als Hauptverdächtiger galt. Zwei entscheidende Beweise hatte der Arzt jedoch nicht bedacht. Zum einen hatte er die menschlichen Überreste in einer lokalen Zeitung eingewickelt, und zum anderen war er mit dem Radfahrer zusammengestoßen. Bei der Hausdurchsuchung wurden viele Blutspuren gefunden. Nun galt es zu beweisen, dass die beiden Frauenleichen Isabella Ruxton und Mary Rogerson waren. Dazu wurden Fotos von Isabellas Schädel zu Lebzeiten mit dem von ihrer Leiche übereinander gelegt. Diese Technik war damals neu. Um Mary Rogerson zu identifizieren wurde im Haus von Ruxton akribisch nach Fingerabdrücken gesucht, da die Finger noch intakt waren. Bei Isabellas Leiche waren alle Finger entfernt worden, um eine Identifizierung unmöglich zu machen. Tatsächlich konnte Mary anhand eines Handabdrucks an einer Tür als eine der Leichen identifiziert werden. Der Doppelmord war einer der ersten Fälle, in denen forensische Beweise erfolgreich zur Verurteilung eines Verbrechers nutzbar gemacht wurden. Dennoch war Ruxton überzeugt, dass er mit dem besten Anwalt des Landes, Norman Birkett, dem Galgen entkommen könnte. Er verkaufte seine Geschichte an eine bekannte Zeitung für 3.000 Pfund und hoffte, dieses Geld würde ihm das Leben retten. Aber auch der beste Strafverteidiger des Landes konnte ihn nicht vor dem Strang retten. Am 2. März 1936 startete der Strafprozess, der elf Tage dauerte und mit dem Todesurteil für Dr. Buck Ruxton endete. Dieser wurde am 12. Mai 1936 im Strangeways Gefängnis in Manchester hingerichtet. Dr. Buck Ruxton Name bleibt nicht nur als Erinnerung an seine Gräueltaten bestehen, sondern auch als Mahnung, dass selbst die vermeintlich perfekten Verbrecher einen Fehler machen und die Wahrheit ans Licht kommen kann. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Glasgow. 🙂


























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