Einer der größten Betrüger der Geschichte war zweifelsohne der englische Politiker Jabez Spencer Balfour, dessen Leben von Skandalen, Intrigen und einem spektakulärer Niedergang geprägt war. Jabez Balfour war einst ein angesehener Geschäftsmann und Politiker der britischen Liberalen Partei, ging jedoch schließlich als einer der berüchtigtsten Betrüger seiner Zeit in die Geschichte ein. Seine Geschichte ist ein faszinierendes Beispiel für Aufstieg und Fall, durchsetzt mit politischen Erfolgen, finanziellen Machenschaften und einem dramatischen Fluchtversuch. Jabez Spencer Balfour erblickte am 4. September 1843 in Marylebone, einem schicken Stadtviertel von London das Licht der Welt. Als Sohn von James und Clara Lucas Balfour wuchs Jabez in einer wohlhabenden Familie auf und begann seine Karriere vielversprechend. Er war ein engagierter Politiker und wurde 1880 Mitglied des Parlaments für Tamworth. Von 1889 bis 1893 vertrat er Burnley im Unterhaus. Aber seine Interessen beschränkten sich nicht auf die nationale Politik. Balfour engagierte sich auch aktiv in seiner Heimatstadt Croydon in Surrey, wo er regelmäßig bei den Schulratswahlen die meisten Stimmen erhielt und 1883, als Croydon den Status einer Gemeinde erhielt, zum ersten Bürgermeister gewählt wurde. Neben seinen politischen Aktivitäten war Balfour auch ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er war Vorsitzender der Northampton Street Tramways und gründete zusammen mit bekannten Finanziers wie Leopold Salomons und Sir John Pender die Trustees, Executors and Securities Insurance Corporation Limited. Dieses Unternehmen sollte später eine zentrale Rolle bei seinem Untergang spielen. 1892 geriet Balfour in einen großen Skandal, als die von ihm gegründeten und kontrollierten Unternehmen zusammenbrachen. Der Zusammenbruch begann mit der London and General Bank und endete mit der Liberator Building Society, wobei Tausende von Anlegern ihr Vermögen verloren. Die Liberator Building Society war im späten 19. Jahrhundert die größte Bausparkasse Großbritanniens. Doch anstatt Kredite an Hauskäufer zu vergeben, hatte die Liberator Building Society Geld an Immobilienunternehmen verliehen, die Immobilien zu überhöhten Preisen kauften – natürlich im Besitz von Balfour selbst. Als der Betrug aufgedeckt wurde, floh Balfour mit seiner Geliebten und deren Schwester ins Ausland. Er suchte Zuflucht in Argentinien, das kein Auslieferungsabkommen mit Großbritannien hatte. Aber Scotland Yard ließ ihn nicht entkommen. Inspektor Frank Froest spürte ihn 1895 auf und schmuggelte Balfour trotz rechtlicher Verzögerungen heimlich in einen Zug und dann auf das Schiff „The Tartar Prince“, das nach England fuhr. Der Kapitän des Schiffes, Thomas Hesketh, erhielt später ebenfalls einen Dankesbrief von Balfour für die während der Reise erwiesene Gastfreundschaft. Nach seiner Ankunft in England wurde Balfour vor Gericht gestellt und im November 1898 zu 14 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, die er größtenteils unter harten Bedingungen im Portland-Gefängnis verbüßte. Im Gefängnis mauserte sich Balfour zu einem Musterhäftling, der nicht nur im Gefängnischor sang, sondern auch als Französischlehrer für seine Mithäftlinge tätig war. Während seiner Zeit im Gefängnis entwickelte er sich zu einem Bücherwurm, der sich dem Journalismus zuwandte. Bereits 1906 wurde er wegen guter Führung 3 Jahre vor Ende seiner offiziellen Haftzeit aus dem Gefängnis entlassen. Nach seiner Entlassung schrieb Balfour seine Memoiren, die in Lord Northcliffes Zeitung Weekly Dispatch veröffentlicht wurden. Sein Leben endete am 23. Februar 1916 während einer Zugfahrt von London nach Wales, wo er eine Stelle als Bergbauberater antreten wollte. Auch Balfours Privatleben war von Tragödien geprägt. Er heiratete 1866 Ellen Mead, doch ihre psychische Gesundheit verschlechterte sich und sie musste ab 1880 als Patientin im Priory Hospital in Roehampton behandelt werden. Das Paar hatte einen Sohn, James, der 1868 geboren wurde, und vier Kinder zeugte. Balfour selbst war kein Kind von Traurigkeit, der immer wieder eine Geliebte an seiner Seite hatte. Trotz seiner Verbrechen hinterließ Balfour in verschiedenen Städten bleibende Spuren. In South Norwood im Londoner Stadtteil Croydon gibt es eine nach ihm benannte Balfour Road. Es gibt auch eine Balfour Road in Ilford in der Grafschft Essex, die sich auf dem ehemaligen Gelände der Ilford Lodge befindet, das Balfours Gruppe für Bauzwecke erworben hatte. Andere Straßen in der Gegend tragen Namen, die an Balfours Leben und geschäftliche Aktivitäten erinnern, wie die Wellesley Road, benannt nach seinem Haus in Croydon, und die Morland Road, benannt nach der Straße, in der die Baufirma Hobbs and Co. ihre Büros hatte. Allerdings wurde sein Name bewusst von einigen öffentlichen Denkmälern entfernt, wie beispielsweise den Denkmälern am Croydon University Hospital, ehemals Mayday Hospital. In Arthur’s Hill, Newcastle upon Tyne, wurden die Croydon Road und die Tamworth Road mit Mitteln gebaut, die in die Liberator Building Society investiert wurden, und tragen seinen Namen – eine ironische Hommage an den Mann, der das Leben so vieler Menschen ruiniert hat. Interessanterweise lebt Balfours Andenken auch in der Popkultur weiter. Er spielt eine zentrale Rolle in dem Tischspiel „Sherlock Holmes: Consulting Detective“. Hier wird Balfour als Meister der Täuschung dargestellt, als wahrer Schurke, der die dunkle Seite der menschlichen Natur verkörpert. Der Fall Jabez Spencer Balfour ist eine deutliche Erinnerung daran, dass Macht und Reichtum schnell verblassen können und dass die Gier nach mehr oft der Anfang vom Ende ist. Balfours Geschichte lehrt uns, dass selbst die brillantesten Karrieren in einem Augenblick zusammenbrechen können, wenn Integrität und Ethik auf der Strecke bleiben. Dieser Fall bleibt ein faszinierendes Beispiel für die schmale Grenze zwischen Erfolg und Misserfolg, eine Warnung an alle, die glauben, sie könnten das System überlisten. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von Großbritanniens Hauptstadt London. 🙂

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