Sechsfach-Mord im Nobelbordell

Isabella Mueller @isabella_muenchen Heilbronn

In der Finanzmetropole Frankfurt am Main sorgte ein Sechsfach-Mord vor über 25 Jahren im noblen Stadtteil Westend, einem der teuersten Wohnquartiere in Deutschland, für großes Aufsehen, der bis heute zu einem der brutalsten Mordfälle in der Frankfurter Kriminalgeschichte zählt. In einer denkmalgeschützten Villa im Kettenhofweg 124a fanden Polizisten am 15. August 1994 sechs Leichen, die alle mit einem Stromkabel erdrosselt worden waren. Die mehrstöckige Neobarock-Villa gehörte dem Ehepaar Gabor und Ingrid Bartos, die darin ein Edelbordell betrieben. Der 55 Jahre alte Gabor Bartos war ein dubioser Geschäftsmann, der mit allem handelte, was Geld brachte, auch mit jungen Frauen, die er aus den GUS-Staaten, Ungarn und Estland nach Frankfurt mit seiner einmotorigen Piper Arrow von Egelsbach aus einflog. Die Edelprostituierten reisten stets mit Touristenvisum. Nach dessen Ablauf wurden sie von Gabor Bartos gegen neue Mädchen ausgetauscht. Seine 48 Jahre alte Ehefrau Ingrid, die Erbin eines bekannten Frankfurter Schreibwarengeschäftes, managte das Bordell und stellte den wohlsituierten Kunden aus der Politik, Justiz und Geschäftswelt auf Wunsch auch fingierte Bordellrechnungen als Quittungen für Schreibwaren aus. Denn eine Stunde im Edelbordell kostete 350 Mark. Die Kundschaft war handverlesen und nur auf Empfehlung von Bestandskunden wurde ihnen Einlass gewährt. Sowohl das Ehepaar als auch vier Prostituierte fand die Polizei tot in der Villa vor, die von der Mutter von Ingrid Bartos, auf die auch das Bordell lief, gerufen worden war. Nachbarn hatten diese benachrichtigt, da der Pudel unentwegt kläffte und die Rollläden des Hauses trotz dass es bereits Morgen war, immer noch herabgelassen waren. Die sechs Leichen waren alle bizarr inszeniert worden. Im Untergeschoss lag Gabor Bartos, der von hinten in der Sauna erwürgt worden war, im Nebenzimmer lag die Leiche seiner nackten Ehefrau. Im Heizungskeller fand die Polizei die 25 Jahre alte Marina Erokina geknebelt vor, ihr Kimono war zerrissen und über ihrem Gesicht lag ein Tuch. Im ersten Stock lagen die 18 Jahre alte Veronika Sorokina und die 28 Jahre alte Jelena Starikowa. Beide Unterkörper waren entkleidet und mit einer Daunendecke bedeckt. In der zweiten Etage lag die 27 Jahre alte Olga Lucina, deren Unterkörper mit einem Handtuch bedeckt war und die mit einer Bluse brutal geknebelt worden. Die vier toten Edelprostituierten waren erst wenige Tage in Frankfurt gewesen. Ihre 19 Jahre alte Kollegin Natalja Koslowa hatte Glück, da sie übers Wochenende mit Frankfurts Messechef Eike Markau in Straßburg war. Dieser Vergnügungstrip hatte zur Folge, dass Eike Markau nicht nur Stadtgespräch, sondern auch sein guter Ruf ruiniert war. Drei Jahre nach den Bordellmorden trat er als Messe-Geschäftsführer zurück. Auch die 25 Jahre alte Sofia Berwald wurde verschont, aber aus einem anderen Grund. Zunächst ging die Polizei davon aus, dass die Russenmafia hinter den Morden steckte. Doch schon bald geriet Eugen Berwald, der Ehemann von Sofia Berwald, die im Bordell anschaffte, ins Visier der Ermittler. Seine Ehefrau Sofia war die Tochter eines deutschen Ingenieurs und einer kasachischen Mutter, die den ehemaligen Soldaten Jewgenij Balakin aus Moldau geheiratet hatte. Nach der Hochzeit erhielt dieser die deutsche Staatsangehörigkeit und nahm ihren Namen an. Das Ehepaar war offiziell im Aussiedlerwohnheim in Rettenbach in Ost-Allgäu gemeldet. Ihr Ehemann fuhr einen Fiat Uno, der von verdeckt ermittelnden Kripo-Beamten, die gegen Bartos wegen Zwangsprostitution ermittelten, häufig gesehen worden war. Bei der Wohnungsdurchsuchung des Ehepaares wurde in einem Müllsack neben einem Elektrokabel wie im Kettenhofweg, Schmuck, weitere Wertgegenstände und 20.000 Mark gefunden. Die Rolex von Gabor Bartos trug Eugen Berwald um sein Handgelenk. Das Ehepaar wurde verhaftet und Ende Januar 1996 begann vor der 22. Großen Strafkammer des Frankfurter Landgerichts einer der größten Mordprozesse der Bundesrepublik Deutschland. Sofia und ihr Ehemann hatten gemeinschaftlich einen Raubzug geplant. Sofia, die einen Lageplan für Eugen angefertigt hatte, verschaffte diesem Zugang zur Villa, als Gabor mit seinem Pudel seinen üblichen Nachmittagsspaziergang machte. Im Haus klaute er alles, was er in die Finger bekommen konnte. Doch ausgerechnet an jenem Sonntag kam Gabor früher von seinem Hundespaziergang zurück und ertappte Eugen auf frischer Tat. Der 1,80 Meter große Mann mit militärischer Kampfausbildung erdrosselte diesen mit einem Elektrokabel. Dann tötete er die anderen, damit es keine Zeugen gab. Eugen Berwald bestritt den Tathergang vehement und gab an, dass die russische Mafia mit einem Anführer namens Alexander für die Morde verantwortlich war. Er selbst hatte nur als Handlanger fungiert. Während des gesamten Prozesses wollten sowohl die Anwälte als auch das Ehepaar die Morde der Russenmafia in die Schuhe schieben. Aber ausgerechnet eine Radlerhose widerlegte diese Behauptung. Die Radlerhose hatte Löcher, die wie Sehschlitze aussahen, die Eugen Berwald während der Tat über den Kopf gezogen hatte, damit ihn niemand erkannte. Die Hose wies Speichelspuren von Eugen Berwald auf. Zudem wurden an allen Leichen Faserspuren dieser Hose gefunden. Eugen Berwald wurde wegen Sechsfach-Mord und Raub zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Seine Ehefrau Sofia erhielt wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren, die sie in der Justizvollzugsanstalt Preungesheim verbüßte. Eugen Berwald ließ sich kurz nach dem Urteil scheiden, weshalb er die deutsche Staatsangehörigkeit verlor. Damit endete einer der spektakulärsten Sechsfach-Morde Deutschlands, in dem ein Mann mithilfe eines Elektrokabels sechs Menschenleben auslöschte. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos von der Finanzmetropole Frankfurt am Main, in dessen bester Adresse der Sechsfach-Mord geschah. 🙂

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