Der Münsterlandmörder

Isabella Mueller @isabella_muenchen Münster

Eine ungeklärte Mordserie, die so spannend ist, dass bis heute die Medienlandschaft darüber berichtet, ereignete sich zwischen 1971 bis 1974 im Münsterland. In dieser Zeit wurden vier Frauen erwürgt. Doch vom Täter fehlt immer noch jede Spur. Der erste Mord geschah am 21. November 1971 an der 23 Jahre alten Edeltraud van Boxel. Diese war zwar zu diesem Zeitpunkt im 7. Schwangerschaftsmonat, doch musste sie sich trotzdem ihren Lebensunterhalt durch Prostitution verdienen. Im Münster Rotlichtviertel am Industrieweg wartete sie auf einen Freier. Etwa um 20.30 Uhr stieg sie laut den Aussagen von anderen Prostituierten zu einem 1,80 bis 1,90 Meter großen, schlanken Mann, der ungefähr zwischen 20 und 25 Jahre alt war und blondes Haar hatte, in einen hellen VW-Käfer, dessen Kennzeichen den Buchstaben F sowie die Zahl 8 erhielt, ein. Keine 3 Stunden später wurde Edeltraut van Boxel erwürgt im Kreis Steinfurt gefunden. Ein halbes Jahr danach wurde die 20 Jahre alte Barbara Storm erwürgt in der Bauernschaft Stroemfeld bei Schöppingen aufgefunden. Sie wurde zuletzt lebend gesehen als sie am 15. Mai 1972 die Disco „Tenne“ gegen 22.30 Uhr zusammen mit einem Mann, der Anfang bis Ende 20 Jahre alt war und blondes Haar hatte, gesehen. Die Beschreibung des Mannes passte auf den Täter des ersten Mordopfers Edeltraud van Boxel. Damals hatte die Polizei schon ein Phantombild anfertigen lassen, doch jede Spur verlief im Sande. Der dritte Mord ereignete sich knapp ein Jahr später. Das Opfer war die 18 Jahre alte Schülerin Marlies Hemmer, die erwürgt im Merfelder Bruch bei Dümmeln am 22. Dezember 1973 gefunden wurde. Marlies Hemmer war zusammen mit ihrem Freund am 6. August per Autostopp auf dem Weg nach Wien. Ihre Wege trennten sich in Bad Bentheim, da ihr Freund schneller eine Mitfahrgelegenheit gefunden hatte, die ihn nach Ochtrup brachte. Als er dort auf die nächste Mitfahrgelegenheit wartete, sah er seine Freundin um 7.45 Uhr auf dem Beifahrersitz eines Autos vorbeifahren. Was ihm äußerst seltsam vorkam war, dass sie auf sein Winken nicht reagierte. Wahrscheinlich war sie zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr bei Bewusstsein oder schon tot. Der vierte und letzte Mord im Münsterland geschah am 22. Oktober 1974 an der Studentin Erika Kunze. Diese wollte nach einer erfolgreich bestandenen Zwischenprüfung in ihr Zuhause nach Nordhorn trampen. Doch dort kam sie nie an. Stattdessen wurde ihr Leichnam am 29. Oktober 1974 in Samerott in der Grafschaft Bentheim erwürgt und erschlagen aufgefunden. Ein Autofahrer gab an, dass er einen dunklen Mercedes mit dem Kennzeichen BF mit langsamer Geschwindigkeit auf der L 39 zwischen Schüttdorf und Salzberger nach einer Abfahrt in ein Waldstück suchend gesehen hatte. Auf dem Beifahrersitz saß eine Frau, die bewusstlos zu sein schien. Da alle Opfer im Umkreis von 35 Kilometer in abgelegenen Waldstücken gefunden wurden, bezeichnete die Polizei den Täter in der Öffentlichkeit als den Münsterlandmörder. Der Täter empfand große Lust beim Erwürgen der Frauen und nahm als Art Trophäe ihre Handtaschen mit. Der Fall war so spektakulär und zugleich mysteriös, dass die Polizei Mithilfe in der Öffentlichkeit durch die Fernsehserie „Aktenzeichen XY … ungelöst“ mit Eduard Zimmermann am 11. April 1975 suchte. Trotz zahlreicher Hinweise, blieb die Suche nach dem Täter ergebnislos. Doch mit dem letzten Mord hörte abrupt die Mordserie auf, die ganz Münsterland erschüttert hatte. Stattdessen begann eine unheimliche Mordserie im Heidelberger Raum an vier jungen Frauen ab dem September 1975 bis zum April 1977, die gewisse Parallelen zum Münsterlandmörder aufwies. Das erste Mordopfer war die 17 Jahre alte Monika Sorn, die am 13. September 1975 in Hembach bei Heidelberg beobachtet wurde, wie sie versuchte als Anhalterin mitfahren zu können. Am 27. September 1975 wurde ihre Leiche im Lampertheimer Stadtwald bei Neuschloss gefunden. Fast ein Jahr später wurde die 20 Jahre alte Maria-Elsa Schotte tot im Stadtwald von Lampertheim aufgefunden, auch sie war als Tramperin unterwegs gewesen. Am 11. Oktober 1976 verschwand die 18 Jahre alte aus Dossenheim stammende Monika Pfeifer, die in einem Heidelberger Kaufhaus als Verkäuferin gearbeitet hatte, als sie von ihrem Freund aus Ziegelhausen per Anhalter nach Hause wollte. Ihre Leiche wurde am 20. Dezember 1976 in der Nähe des Rheinufers entdeckt. Das letzte Opfer der Heidelberger Mordserie war die erst 15 Jahre alte Maria Theresia Mayer, die am 28. April 1977 beim Trampen in Heidelberg verschwand und deren Leiche auf einen Acker angelehnt an einen Baum im Raum Heidelberg gefunden wurde. Die Schülerin hatte das Hölderlin-Gymnasium besucht, das nicht weit entfernt von der Arbeitsstätte der getöteten Monika Pfeifer lag. Gemeinsam hatten alle vier Frauen, dass sie gern Diskotheken in Heidelberg und der Umgebung besuchten, etwa gleich alt waren und ihr Vorname mit dem Buchstaben M anfingen. Auch diesmal wandten sich die Ermittler im November 1977 über die Fernsehserie „Aktenzeichen XY … ungelöst“ an die Öffentlichkeit, aber auch diesmal blieb die Suche nach dem „Anhaltermörder“ wie er von der Polizei genannt wurde, ergebnislos. Die Mordserie im Heidelberger Raum endet ad hoc nach vier Morden. Jahrzehnte streichen ins Land bis Ende 2016 eine heiße Spur in den Münsterlandmorden Hoffnung machte. Diese führte zu einem Verdächtigen, der damals eines der Opfer kannte und im Jahr 1971 einen hellen VW-Käfer besaß. Da dieser bereits gestorben war, wurde nach langer juristischer Auseinandersetzung aufgrund der Hinweise von der Staatsanwaltschaft Osnabrück eine Exhumierung genehmigt. Doch die DNA-Spuren, die bei Barbara Storm Ende der 90er Jahre gefunden wurden, stimmten nicht mit dem Verdächtigen überein. Dieser konnte nicht der gesuchte Mörder sein. Der Mörder, der heute inzwischen 70 Jahre sein müsste, konnte bis heute nicht gefunden werden. Theorien zum Mörder oder den Mördern gab es reichlich. Handelte es sich bei dem Täter um einen Studenten, der in Münster und dann vielleicht in Heidelberg studiert hatte? Oder arbeitete er als Vertreter in einer Textilfirma und pendelte zwischen Münster und dem Kreis Steinfurt? Denkbar wäre auch, dass der Mörder zur Bundeswehr oder zum amerikanischen Militär gehörte und in Münster und Heidelberg stationiert war. Vielleicht handelt es sich gar nicht nur um einen Mörder, sondern um zwei unterschiedliche Täter. Da es zwar Gemeinsamkeiten, aber auch erhebliche Unterschiede gibt. Warum sollte der Münsterlandmörder, der offenbar große Lust empfand seine Opfer durch Würgen zu töten, plötzlich seine Mordmethode ändern? Und warum nahm der Anhaltermörder keine Trophäe wie der Münsterlandmörder mit? Fragen über Fragen, die hoffentlich irgendwann geklärt werden können. Denn bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und darum kann ich nur hoffen, dass die aufregenden und zugleich mysteriösen Mordserien im Münsterland und im Raum Heidelberg nicht als Cold Case in Deutschlands Kriminalgeschichte eingehen. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos vom schönen Münsterland. 🙂

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