Als letzte Hexe von Genf wurde Josette Bauer bezeichnet, da diese um ihren kostspieligen Lebensstil zu finanzieren, ihren Ehemann zum Mord an ihrem Vater angestiftet hatte. Doch dies war nur der Anfang einer unglaublichen Lebensgeschichte, die von Flucht aus dem Gefängnis, Drogenhandel im großen Stil bis zur Spionin alles bot, was einen waschechten Thriller ausmacht. In der Nacht vom 8. auf den 9. November 1957 wurde der stinkreiche Unternehmer Léo Geisser mit 7 Stichen in Brust und Rücken sowie massiven Schlägen mit einem stumpfen Gegenstand in der Rue du Lyon in Genf getötet. Der Verdacht fiel schnell auf dessen Tochter Josette, da diese ein beträchtliches Vermögen erbte. Josette war eine kleine Lolita, die bereits im Teenageralter den Bankbeamten Richard Bauer, den sie nur Dicky nannte, heiratete, da sie von diesem ein Kind erwartete. Am 14. November 1953 fand die Hochzeit statt, die zugleich eine Möglichkeit war, aus ihrem lieblosen Elternhaus zu fliehen. Denn nach der Scheidung ihrer Eltern wurde Josette von diesen hin- und hergeschoben. Ihr Vater hatte ständig Affären und ihre Mutter konnte Josette keine Zuneigung, sondern nur Schecks schenken. Nach der Heirat mit Dicky starb dessen Vater, was ihnen einen Geldsegen bescherte. Doch das Erbe war rasch aufgebraucht, da Josette nicht nur schnelle Sportautos, sondern auch reinrassige Pferde liebte, was kostspielige Hobbys waren. Damit sie weiterhin ein Leben in Saus und Braus führten konnte, sollte Dicky ihren Vater ermorden. Dafür reiste dieser nach Marseille, um sich dort eine Waffe zu besorgen, damit er Josettes Vater töten konnte. Am 8. November war es endlich soweit, Dicky hatte seinen Schwiegervater getötet. Josette war zum Tatzeitpunkt 21 Jahre alt und mit einem ihrer Liebhaber unterwegs. Als Dicky ihr den Mord beichtete, gestand sie ihm ihre Affäre und half ihm bei der Spurenbeseitigung, was ihr später im Mordprozess zum Verhängnis wurde. Die Ermittlungen zogen sich zwei Jahre lang hin bis der Genfer Strafverfolgungsbehörde eindeutige Beweise vorlagen, dass Dicky seinen Schwiegervater ermordet hatte. Im Herbst 1959 fand der Prozess statt, in dem Dicky die ganze Schuld auf sich nahm, da er Josette völlig verfallen war. Doch das Gericht sah beide Ehepartner für schuldig des Mordes an Léo Geisser an, so dass 1961 Richard Bauer zu 15 Jahren und Josette Bauer zu 8 Jahren Haft verurteilt wurden. Im Gefängnis entdeckte Josette ihre Liebe zum weiblichen Geschlecht. Als sie 1964 zwei Drittel ihrer Strafe verbüßt hatte, konnte Josette dank der Hilfe ihrer Geliebten Claudine und einer Freundin aus dem Berner Frauenspital fliehen. Ganze 17 Jahre lang tauchte Josette unter. In dieser Zeit ließ sie sich in Paris ihr Gesicht operieren, damit sie niemand erkannte. Danach lebte sie in Spanien und Algerien, wo sie als Pferdetrainerin arbeitete. Anschließend arbeitete Josette für den Drogenhändler-Ring French Connection. Als diese zusammen mit dem Kleinkriminellen Willy Lambert 28 Pfund Heroin in die USA geschmuggelt hatte, wurden beide im Port Everglades in Florida festgenommen. Damit Josette nicht in die Schweiz ausgeliefert werden würde und um eine geringere Haftstrafe zu bekommen, ging sie einen Deal mit der US-Justiz ein. Sie bot Informationen über die French Connection und deren Drahtzieher an. Dadurch entging sie einer Auslieferung und ihre Strafe betrug statt 40 Jahre nur 7 Jahre Haft. Nach zwei Jahren Haft brach Josette aus dem Gefängnis aus. Die US-Behörden verfolgten sie nicht und ließen Josette, die sich nun Jean Baker nannte, zusammen mit ihrer Freundin als Pferdetrainerin in New Mexico und Kalifornien leben. Alles schien perfekt. Die USA drängte darauf den Auslieferungsantrag der Schweiz zurückzuziehen, da Josette vor der Vendetta der Drogenmafia in Europa nicht sicher war und da das FBI sein Versprechen nicht brechen wollte. Denn zukünftige Whistleblower könnten dadurch abgeschreckt werden. Dann kam es zu einer spektakulären Wende als anno 1981 der Boss der Drogenbande, den einst Josette verraten hatte, starb, so dass sie nichts mehr zu befürchten hatte. Zudem war die Schweiz in der Geiselaffäre in Teheran wichtig, weshalb Josette Bauer in die Schweiz ausgeliefert wurde, wo sie ihre restliche Haftstrafe absitzen musste. Nachdem sie diese verbüßt hatte, stellte sie 2001 im Alter von 65 Jahren ihre Biografie „Une femme en cavale“ auf der Genfer Buchmesse vor, wo sie vom Publikum als Hure beschimpft wurde. Der Nachhall der damals als Hexe und Luder in der Boulevardpresse titulierten Josette Bauer, die nach allen Regeln der Kunst Männer um ihren Verstand gebracht hatte, hielt immer noch an. Denn Josette Bauer war damals ein klassisches Frauenopfer der Boulevardpresse gewesen, deren Leben so tragisch wie spannend verlief und bis heute für jede Menge Lese- und Filmstoff sorgt. Dir wünsche ich viel Freude mit meinen Fotos der spanischen Stadt Barcelona, in dessen Land einst Josette nach ihrer Flucht aus dem Gefängnis ein paar Jahre als Pferdetrainerin gearbeitet hatte. 🙂














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